Rudersberg

Geplanter Rewe-Markt in Michelau: Weshalb dafür ein neues Wohngebiet nötig wäre

Rewe_Michelau
So soll der Markt mit Wohngebiet und Kreisel aussehen. © Visualisierung Rewe

Mit dem Bau eines Rewe-Lebensmittelmarktes am nördlichen Ortsrand von Michelau könnte zugleich ein neuer Kreisverkehr sowie die Ausweisung eines Baugebietes im Gewann Mittelfeld einhergehen.

Das sei, so Bürgermeister Raimon Ahrens bei einer Informationsveranstaltung zu diesem Thema vor etwa 100 Bürgerinnen und Bürgern, „ein großes Projekt für Michelau, verbunden mit Eingriffen und Chancen“. Gerade deshalb, so Ahrens, "war es uns wichtig, frühzeitig in die Beteiligung zu gehen“.

Zur Vorgeschichte: Nachdem 2018 bei der Gemeindeverwaltung zwei Firmen bezüglich der Ansiedlung eines Lebensmittelmarktes in Rudersberg anfragten, kamen in Abstimmung mit dem Landratsamt, dem Regierungspräsidium und dem Verband Region Stuttgart zwei Standorte infrage.

Standort 1 am nördlichen Ortsrand Michelaus mit direkter Zuordnung zu Wohnanlagen. Standort 2 angrenzend an das Gebiet Ackerwiesen zwischen den Ortsteilen Michelau und Asperglen ohne Anbindung an Wohnbebauung. Diese Lage wird gegenwärtig bei einem 50-jährlichen Hochwasserereignis noch als Überschwemmungsgebiet ausgewiesen.

Geplant: Ein Lebensmittelmarkt mit 1200 Quadratmeter Verkaufsfläche und 90 Parkplätzen

Nachdem eine der beiden interessierten Firmen den Standort Michelau nicht mehr weiter verfolgte, blieb die Lebensmittelkette Rewe übrig, die sich für den Standort 1 ausgesprochen hat. Das war dann die Ausgangslage der Verwaltung zu Gesprächen mit den dortigen Grundstückseigentümern der Wiesen- und Ackerflächen.

Inzwischen liegt ein Entwurfsplan von Rewe vor, der einen Lebensmittelmarkt mit einer Verkaufsfläche von 1200 Quadratmetern zuzüglich eines Bäckers mit Café vorsieht. Es sind etwa 90 Parkplätze vorgesehen. Die Anlieferung soll auf der Westseite des Marktes, und damit auf der der Wohnbebauung abgewandten Seite erfolgen. Die Zufahrt soll über einen Kreisverkehr ermöglicht werden.

Welche Vor- und Nachteile dieses Sondergebiet hätte

Bei diesem „Sondergebiet Lebensmittelmarkt“  in Michelau sieht auch die Verwaltung Vor- und Nachteile. Als Vorteil angeführt wird die zentrale Lage im südlichen Gemeindegebiet und gute Erreichbarkeit aus allen Richtungen. Hinzu käme eine deutliche Verbesserung der Nahversorgung, wo derzeit kein Angebot vorhanden ist. Mit der Erschließung über einen Kreisverkehr werde die Verbesserung eines Verkehrsknotenpunktes am Ortseingang erreicht.

Als Nachteile führte die Verwaltung den Verbrauch landwirtschaftlich genutzter Flächen und die Veränderung der Ortsrandlage an. Dennoch hätten, so die Verwaltung, die Grundstückseigentümer dem Projekt grundsätzlich zugestimmt. Auch der Ortschaftsrat Schlechtbach habe, nach langer Diskussion, entschieden, das Projekt weiterzuverfolgen.

Nach den Gesprächen mit den Grundstückseigentümern aber sei deutlich geworden, so Ahrens, dass „das Projekt nur dann durchsetzbar ist, wenn es mit einem dahinterliegenden Baugebiet verknüpft wird“.

Nur mit Wohnbebauung ließe sich der Rewe-Markt umsetzen

Durch die Ausweisung einer Fläche von 13.000 Quadratmetern als Wohngebiet wäre es möglich, mit einem sogenannten Umlegungsverfahren die nicht verkaufswilligen Grundstücksbesitzer mit einem Bauplatz adäquat zu entschädigen. Das wäre bei einer Beschränkung ausschließlich auf die Fläche für Rewe nicht möglich. „Eine Einigung ohne zusätzliche Wohnentwicklung ist mit den Landeignern nicht möglich“, machte Ahrens klar.

In diesem Wohngebiet, für das sich der Bürgermeister durchaus stark machte, wären zwölf Bauplätze für Einfamilienhäuser, vier Doppelwohnhäuser und zwei Mehrfamilienhäuser in zweigeschossiger Bauweise möglich. „Die Nachfrage ist sehr, sehr groß“, so Raimon Ahrens, das habe die Ausschreibung von fünf Bauplätzen in Asperglen gezeigt, auf die es 70 Bewerbungen gab.

Bürgerbefragung zu den Plänen wird kommen

Nun wird es eine Bürgerbefragung zur Neuansiedlung eines Lebensmittelmarktes in Verbindung mit einer Wohnbebauung geben. Angeschrieben werden alle Bürgerinnen und Bürger der südlichen Stadtteile. Die Rückmeldungen sollen bis Oktober erfolgen, die Auswertung und dann eine Entscheidung wird es im November geben.

Etwa acht Rudersberger, allesamt kritisch, ergriffen bei der Info-Veranstaltung das Wort. „Wahnsinniger Flächenverschleiß“, „wir haben keinen Versorgungsmangel“, hieß es. „Das Verkehrsaufkommen in Michelau steigt, ich bin net grad begeistert“, meinte eine andere Stimme. Befürchtet wurde auch eine Lärmbelästigung durch frühe Anlieferung wie anscheinend bei Netto in Miedelsbach. „Die Anwohner sind komplett begeistert“, so ironisch eine Kritikerin des Projekts, „wenn zwischen drei und vier Uhr morgens die ersten Zulieferer kommen.“

Dazu Raimon Ahrens: „Mir war es wichtig, keine vollendeten Tatsachen zu schaffen. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, Sie zu befragen.“

Mit dem Bau eines Rewe-Lebensmittelmarktes am nördlichen Ortsrand von Michelau könnte zugleich ein neuer Kreisverkehr sowie die Ausweisung eines Baugebietes im Gewann Mittelfeld einhergehen.

Das sei, so Bürgermeister Raimon Ahrens bei einer Informationsveranstaltung zu diesem Thema vor etwa 100 Bürgerinnen und Bürgern, „ein großes Projekt für Michelau, verbunden mit Eingriffen und Chancen“. Gerade deshalb, so Ahrens, "war es uns wichtig, frühzeitig in die Beteiligung zu

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