Rudersberg

Gertrud Würth feiert ihren 100. Geburtstag

Würth
Gertrud Würth lebt seit 2017 im Alexander-Stift in Rudersberg. © Privat

Das Leben hat es Gertrud Würth nicht immer nur einfach gemacht, und wenn die Rudersbergerin an diesem Dienstag auf die hundert Jahre Wegstrecke zurückschaut, die hinter ihr liegen, kann sie stolz die Bilanz ziehen, dass sie alle Herausforderungen gemeistert hat und aus jedem ihrer drei Buben „etwas rechts“ geworden ist.

Gertrud Würth geborene Palmer erblickte am 22. Dezember 1920 in Schorndorf das Licht der Welt. Sie wurde in eine alteingesessene, in Rudersberg fest verwurzelte Familie hineingeboren, erzählt ihr ältester Sohn Wolf-Dieter. Ihr Vater war damals Feldschütz in Rudersberg; er hatte in der Johanniskirche seinen Kirchenplatz und baute im Ort ein Haus, das über die Generationen hinweg Mittelpunkt des Familienlebens geblieben ist.

Ihren Mann Walter lernte Gertrud Würth in Ludwigsburg-Oßweil kennen, wo sie in einer Bäckerei „im Dienst“ war und er in einer Druckerei arbeitete, nachdem er schwer verwundet aus dem Krieg heimgekehrt war. In Ludwigsburg wurden 1942, 1943 und 1945 auch ihre Buben geboren. Am 15. April 1951 gründeten Walter Würth und Gerhard Palmer, der Bruder unserer Jubilarin, die „Buchdruckerei Palmer + Würth – Papier und Schreibwaren“ in Rudersberg. Der Ort im Wieslauftal wurde dann auch ihr Wohnort.

Aus der Buchdruckerei sind inzwischen die beiden Unternehmen Würth Druck und Würth Verlag hervorgegangen. Für Gertrud Würth brachte der Schritt in die Selbstständigkeit neben der Verantwortung für Wohl und Wehe der Familie die zusätzliche Aufgabe, in der Buchbinderei und im Schreibwarenladen mit Hand anzulegen. „Es ging voran“, blickt Sohn Wolf-Dieter Würth zurück, bis 1963 das Familienoberhaupt Walter Würth plötzlich verstarb. Die Familie musste sich neu aufstellen.

„Da wurde nicht gefragt, was man so will“

Wolf-Dieter hatte gerade seine Lehre zum Schriftsetzer und Buchdrucker erfolgreich abgeschlossen, es war nun an ihm, anstelle des verstorbenen Vaters als Compagnon seines Onkels Gerhard Palmer in den Betrieb einzusteigen und Verantwortung zu übernehmen, „wie es damals halt so war“, erinnert er sich. „Da wurde nicht gefragt, was man will. Es war selbstverständlich, dass man seine Pflicht erfüllte, so wie es von einem erwartet wurde.“

Nach dem Tod des Vaters seien die drei Buben gezwungen gewesen, früh auf eigenen Füßen zu stehen und sich eigene Existenzen aufzubauen. Ihre Mutter betrieb noch eine Zeit lang in Rudersberg ein Reinigungsgeschäft, schließlich musste auch das Haus abbezahlt werden, das der Vater noch zu bauen angefangen hatte.

Anschluss und Ausgleich für den Alltag voller Arbeit fand Gertrud Würth in der Wandergruppe des Albvereins, deren Ausflüge sie stets genossen habe, solange es die Gesundheit erlaubte. Eine Weile habe sie auch Tennis gespielt, erinnert sich Wolf-Dieter. Überhaupt sei die Familie in Rudersberg durch den Sport bekannt und fest eingebunden, schon der Vater hatte sich leidenschaftlich für den Fußball engagiert.

Sie sei nicht viel aus Rudersberg herausgekommen, beschreibt Wolf-Dieter Würth seine Mutter. Sie habe aber immer viel und gern gelacht, und stets sei sie bemüht gewesen, den Vater zu dämpfen, wenn er mit den drei so kurz hintereinander geborenen Buben zu streng gewesen sei. Aber so wie sie immer fest zusammenhielten, habe man bisweilen schon ordentlich durchgreifen müssen, sagt er im Rückblick.

Die Mutter habe immer gern Besuch um sich gehabt und sich daran gefreut, wenn sie Menschen um sich hat. Und eine gute und leidenschaftliche Köchin sei sie immer gewesen, zu der man gern gekommen sei, um sich verwöhnen zu lassen. Bis 2017 lebte sie in dem mit ihrem Mann gebauten Haus, das der jüngste Sohn Gerhard inzwischen übernommen hat. Er und seine Frau Renate kümmerten sich auch um die Jubilarin, solange dies möglich war.

Seit 2017 lebt sie nun in Rudersberg im Alexander-Stift; dort habe sie sich mittlerweile gut eingewöhnt und nehme regen Anteil an dem Geschehen um sie herum. Auf eine große Feier auch mit den vier Enkel- und fünf Urenkelkindern, wie sie dem 100. Geburtstag eigentlich angemessen sei, müsse man coronabedingt nun leider verzichten. Aber auch darin, so Wolf-Dieter, habe sie sich hineingeschickt.

Das Leben hat es Gertrud Würth nicht immer nur einfach gemacht, und wenn die Rudersbergerin an diesem Dienstag auf die hundert Jahre Wegstrecke zurückschaut, die hinter ihr liegen, kann sie stolz die Bilanz ziehen, dass sie alle Herausforderungen gemeistert hat und aus jedem ihrer drei Buben „etwas rechts“ geworden ist.

Gertrud Würth geborene Palmer erblickte am 22. Dezember 1920 in Schorndorf das Licht der Welt. Sie wurde in eine alteingesessene, in Rudersberg fest verwurzelte

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