Rudersberg

Hausarztpraxen weiterhin bei Corona-Impfungen stark gefordert - auch Kinder auf der Warteliste

Coronaarzthelferinstress
Lea Veihl (rechts) mit Kollegin Beate Ehmann: Die Arzthelferinnen der zusammengehörenden Hausarztpraxen in Rudersberg-Steinenberg und Welzheim haben mit dem Thema Corona-Impfung nach wie vor viel zu tun. © Gaby Schneider

Noch vor wenigen Wochen standen mehr als 3000 Menschen auf der Corona- Impfwarteliste der Praxisgemeinschaft in Rudersberg-Steinenberg und Welzheim, die die größte im Kreis ist. Jetzt ist viel abgearbeitet, aber die Arzthelferinnen können sich nur teilweise etwas entspannen. Immer noch ist das tägliche Pensum hoch. Wie in immer mehr Praxen impfen sie in Steinenberg und Welzheim jetzt auch Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren. Etwa 30 zwischen neun und 16 stehen dort auf der Warteliste. Arzthelferin Lea Veihl rechnet derweil fest mit einer vierten Corona-Welle.

Impfung für Kinder und Jugendliche bisher nur eingeschränkt empfohlen

Bisher hat die deutsche Stiko (Ständige Impfkommission) eine Impfung von Kindern und Jugendlichen von zwölf bis 17 Jahren mit dem in der EU für diese Altersgruppe zugelassenen Vakzin von Biontech/Pfizer nur sehr eingeschränkt empfohlen: für Kinder und Jugendliche, die wegen Vorerkrankungen wie Herzinsuffizienz oder Tumoren ein hohes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf bei einer Corona-Infektion haben; außerdem für Kinder und Jugendliche, in deren Umfeld sich Kontaktpersonen befinden, die selbst nicht geimpft werden können und die ein hohes Risiko für einen schweren Verlauf haben.

Für alle anderen Kinder und Jugendlichen empfiehlt die Stiko die Impfung nicht. Für diese Entscheidung nennt die Stiko mehrere Argumente, die zwei wichtigsten sind diese: Kinder und Jugendliche hätten ein geringes Risiko für schwere Verläufe von Covid-19, auf der anderen Seite seien aber Impfreaktionen stärker als bei Erwachsenen, so die Stiko.

Da die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) den Impfstoff von Biontech/Pfizer in der EU für die Altersgruppe 12 bis 17 zugelassen hat, können sich aber auch in Deutschland Kinder und Jugendliche auf individuellen Wunsch und nach einer ärztlichen Aufklärung impfen lassen, selbst wenn sie nicht den Risikogruppen angehören.

Noch keine Impfstoff-Zulassung für Kinder unter zwölf Jahren

Lea Veihl, die Impfbeauftragte der Praxisgemeinschaft, geht davon aus, dass der Corona-Impfstoff nach weiteren Studien noch die ganz allgemeine Empfehlung für Kinder und Jugendliche bekommen wird. In Steinenberg und Welzheim sind bereits unter 16-Jährige geimpft worden, teils gehörten sie zu Risikogruppen, teils war es der individuelle Wunsch.

Weiteres Interesse gibt es durchaus: Schon etwa 30 Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren stehen auf der Warteliste für eine Impfung der Praxisstandorte in Steinenberg oder Welzheim. Der oder die jüngste Impfwillige ist neun Jahre alt, für dieses Alter ist allerdings in der EU bislang noch keiner der Corona-Impfstoffe zugelassen.

Insgesamt ist die Warteliste sehr viel kürzer geworden, von 3000 Menschen vor ein paar Wochen auf jetzt rund 800. Tatsächlich seien es sogar wahrscheinlich noch etwas weniger, vermutet Lea Veihl, weil noch Leute draufstünden, die bereits voll geimpft seien, sich aber nicht abgemeldet hätten.

Seit Beginn der Corona-Pandemie befanden sich die Hausarztpraxen im Dauerstress, vor allem die Medizinischen Fachangestellten (MFA), das heißt, die Arzthelferinnen dort arbeiteten direkt an der Front. Unserer Zeitung berichtete das Team der Hausarztpraxis in Steinenberg in einem Gespräch Anfang Juni von pausenlos klingelnden Telefonen und vielen Überstunden.

„Es wird so kommen, dass man Impfstoff wegschmeißt“

Jetzt habe sich alles „einen Tick“ entspannt, meint Lea Veihl. Gerade sie selbst hat als Impfbeauftragte aber nicht unbedingt weniger Arbeit und Stress. Sie muss zum Beispiel Termine umplanen, nachdem nun empfohlen wird, bei einer Astrazeneca-Erstimpfung eine Zweitimpfung mit einem mRNA-Impfstoff wie von Biontech/Pfizer zu machen. Das sei deswegen nicht so einfach, weil man aus einem Fläschchen Astrazeneca-Impfstoff elf Dosen ziehen könne, bei Biontech/Pfizer aber nur sechs oder sieben.

Damit dann keine angebrochenen Fläschchen mit Impfstoff weggeschmissen werden müssten, bedürfe es einiger Neuordnungen der Termine, erklärt die Arzthelferin. „Mein Ziel ist, dass das bei uns noch lange nicht gemacht wird“, sagt Lea Veihl, meint jedoch: „Es wird irgendwann so kommen, dass man Impfstoff wegschmeißt.“ Ganz einfach, weil das Angebot die Nachfrage übersteige.

Inzwischen werden genügend Impfdosen geliefert

Im Gegensatz zu den teilweise extrem schwierigen Zuständen noch vor ein paar Wochen, als erst sehr kurzfristig klar war, wie viel Impfstoff tatsächlich in die Praxis geliefert wird und die Menge angesichts der langen Warteliste immer zu gering war, werde inzwischen immer die bestellte Anzahl an Dosen geliefert, sagt Lea Veihl. Weiterhin sind es rund 100 Impfungen täglich, die sie und ihre Kolleginnen in den Praxisstandorten Steinenberg und Welzheim abwickeln. Einen Termin bekommt man inzwischen ziemlich schnell, innerhalb von zwei Wochen etwa, meint Veihl; auch Leute, die bisher keine Patienten in der Praxis waren, kommen jetzt zum Zug.

In die Zukunft blickt Lea Veihl eher skeptisch, was die Pandemie-Entwicklung angeht. „Es wird eine vierte Welle geben“, sagt sie. „Allerspätestens im Oktober oder November wird das wieder aufflammen.“

Mund-Nasen-Schutz und bestimmte Regeln weiterhin sinnvoll

Die Aussicht, dass die Infektionszahlen womöglich bald wieder steigen könnten, bedeutet für Lea Veihl und ihre Kolleginnen in den Hausarztpraxen: „Wir müssen alle ein bisschen Energie in den kommenden Urlaubswochen tanken.“ Denn im Herbst werde man auch wieder verstärkt Patienten mit Erkältungs- und Grippeerkrankungen haben, befürchtet sie, vor allem, wenn die Pflicht zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes weiter gelockert werde und die Menschen ihr Verhalten aus der Pandemiezeit umstellen. „Ich denke, wir hatten dieses und letztes Jahr nicht viele Grippefälle, weil sich jeder an bestimmte Regeln gehalten hat“, sagt Lea Veihl. „Und ich denke, wenn jeder ein bisschen davon beibehalten würde, dann würde die Grippe auch nicht mehr so um sich schlagen.“

Veihl ist der Ansicht, dass die Masken in Innenräumen weiterhin sinnvoll wären und dass das zum Beispiel in Arztpraxen oder generell im medizinischen Bereich auch dauerhaft beibehalten wird. „Auch für Geimpfte“, sagt sie. „Weil eine Impfung einfach nicht zu 100 Prozent schützt.“

Noch vor wenigen Wochen standen mehr als 3000 Menschen auf der Corona- Impfwarteliste der Praxisgemeinschaft in Rudersberg-Steinenberg und Welzheim, die die größte im Kreis ist. Jetzt ist viel abgearbeitet, aber die Arzthelferinnen können sich nur teilweise etwas entspannen. Immer noch ist das tägliche Pensum hoch. Wie in immer mehr Praxen impfen sie in Steinenberg und Welzheim jetzt auch Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren. Etwa 30 zwischen neun und 16 stehen dort auf der Warteliste.

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