Rudersberg

Hilfsorganisation Focus Congo schickt Container mit medizinischen Geräten an Klinik im Kongo

Fokus Congo
Die Kindersterblichkeit ist hoch im Kongo. © Ryan Carter

Der Ostkongo ist eine konfliktreiche Region. Dutzende Rebellengruppen treiben dort ihr Unwesen. Einige davon stammen aus Ruanda, wo sich nach dem Völkermord viele Hutu ins Nachbarland zurückzogen. Und nicht zuletzt gibt es in dem zentralafrikanischen Land wertvolle Rohstoffe wie Kupfer, Diamanten, Kobalt, Gold und vor allem Coltan, das für die Herstellung von Smartphones benötigt wird.

Und diese Rohstoffe sind umkämpft im Staate Kongo, der als solcher nicht wirklich funktioniert. Den Zugriff haben vor allem Ruander sowie die westlichen Industrieländer. Wer am wenigsten vom Rohstoffreichtum profitiert, ist die Bevölkerung selbst. Auf dem Index der menschlichen Entwicklung der Vereinten Nationen steht der Kongo auf Platz 175 von 189.

Auch einen Zugang zum Gesundheitssystem gibt es für die meisten Kongolesen nicht. Die Kindersterblichkeit ist entsprechend hoch. Melanie Egli aus Weinstadt hat sich davon bei einem Besuch vor sieben Jahren selbst ein Bild machen können. Und neben Leid, Krieg und Hunger auch ein Land kennengelernt, das „unglaublich schön“ ist und aus „vielen starken Persönlichkeiten“ besteht.

Kostenlose medizinische Versorgung für die Ärmsten

Als Intensiv-Kinderkrankenschwester hat die 36-Jährige vor sechzehn Jahren in einem Heim für HIV-positive Kinder in einer südafrikanischen Township von Kapstadt gearbeitet. Dort lernte sie Pappy Orion kennen, einen Kongolesen, der aus dem Land floh, Mediendesign studierte und jetzt mit seiner Hilfsorganisation Focus Congo anderen helfen möchte: durch medizinische Unterstützung, aber auch Bildungsprojekte, die die Menschen dabei unterstützen sollen, dem Zyklus der Armut zu entfliehen. In Deutschland, wo Pappy Orion heute wohnt, kreuzten sich die Wege erneut.

Und so kam auch jene Hilfsaktion zustande, die jetzt kurz vor dem Abschluss steht. Mit ihr soll eine Klinik im ostkongolesischen Bukavu unterstützt werden. Das Chahi-Krankenhaus liegt im ärmsten Viertel der 870 000 Einwohner zählenden Stadt. Es behandelt Patienten, ohne Geld von ihnen zu verlangen. Doch die Ausstattung mit medizinischen Geräten ist, weil die Arbeit auf Spenden basiert, dürftig. „Dort sterben Kinder über Nacht, weil kein Sauerstoff vorhanden ist. Das ist für mich nur schwer zu begreifen“, findet Melanie Egli, die am Winnender Klinikum auf der Kinder-Intensivstation arbeitet.

Mehrere Krankenhäuser in der Region Stuttgart haben gespendet

Deshalb hat sie sich mit Krankenhaus-Kollegen im Raum Stuttgart wie Stephen Gaiseb zusammengetan. Der Chirurg arbeitet am Katharinen-Hospital, stammt aus Namibia und kennt die Klinik im Kongo gut. Gemeinsam sammelten sie medizinische Gerätschaften, die in Deutschland nicht mehr gebraucht werden, in Bukavu aber Leben retten können. Damit soll eine Basis zur Gesundheitsfürsorge geschaffen und sollen grundlegende OPs ermöglicht werden.

Beim christlichen Hilfswerk „Hoffnung für eine neue Generation“ in Rudersberg werden die Spenden gesammelt, verpackt und geladen. In einem Container befinden sich dort Beatmungsgeräte, Intubatoren, chirurgische Instrumente, ein Röntgengerät sowie die Ausstattung für eine komplette Zahnarztpraxis.

Pappy Orion, Leiter der Hilfsorganisation, war gerade vor Ort im Kongo, um den Transport zu organisieren. Egli selbst war zum letzten Mal von sieben Jahren in Bukavu und hat eigentlich einen Besuch geplant, diesen wegen der Corona-Pandemie aber verschoben. Auch in dem zentralafrikanischen Land hat es einen Lockdown gegeben – mit teils verheerenden Folgen für die Bevölkerung, wie Egli berichtet. Menschen seien verhungert, weil sie nicht arbeiten konnten. Mittlerweile sei das Leben zwar mehr oder weniger zur Normalität zurückgekehrt. Aber was heißt schon Normalität, in einem solch bitterarmen Land?

Trotz oder gerade wegen all der widrigen Lebensumstände ist Egli tief beeindruckt von den Kongolesen. „Die Leute stehen füreinander ein und geben nicht auf.“ Das Leid sei groß, doch auch die Hoffnung, dass sich etwas ändern kann. Die Hilfsorganisation Focus Congo möchte dazu ein Stück beitragen. Etwa mit „Kitoko Oyo“, einem Multimedia-Projekt, bei dem junge Kongolesen ihre Geschichten erzählen, die das negative Narrativ über das Land ändern sollen. Über die Hilfsorganisation können sie sich dann zu Mediendesignern und Grafikern ausbilden lassen.

Schulbesuch und den Weg in die Selbstständigkeit fördern

Focus Congo ermöglicht jungen Menschen darüber hinaus den Besuch von Schulen und Universitäten und unterstützt sie bei dem Weg in die Selbstständigkeit. Angedacht ist auch, jungen Frauen eine Ausbildung zur Schneiderin zu ermöglichen und ein eigenes Label zu gründen. Im Gespräch ist außerdem die Gründung einer privaten Klinik in Bukavu. „Damit könnte man das Chahi-Krankenhaus finanzieren, wo hauptsächlich Menschen versorgt werden, die nichts zahlen können“, sagt Egli. 

Jetzt muss aber erst einmal der Container in den Kongo kommen. 9000 Euro wird der Transport die Organisation kosten, noch ist das Geld nicht ganz beisammen. Melanie Egli hofft, dass dies noch im April gelingt.

Der Ostkongo ist eine konfliktreiche Region. Dutzende Rebellengruppen treiben dort ihr Unwesen. Einige davon stammen aus Ruanda, wo sich nach dem Völkermord viele Hutu ins Nachbarland zurückzogen. Und nicht zuletzt gibt es in dem zentralafrikanischen Land wertvolle Rohstoffe wie Kupfer, Diamanten, Kobalt, Gold und vor allem Coltan, das für die Herstellung von Smartphones benötigt wird.

Und diese Rohstoffe sind umkämpft im Staate Kongo, der als solcher nicht wirklich funktioniert. Den

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