Rudersberg

Jugendliche im Gespräch mit der Gemeinde: Mehr Angebote in Rudersberg gewünscht

Jung sein in der Kommune
Am Alten Rathausplatz kamen Jugendliche zusammen. © Alexandra Palmizi

Im Hof vor dem Rudersberger Jugendhaus war am Freitagabend Party angesagt. Unter dem Motto „Chill and grill“ hatte die Gemeinde „ihre Jugend“ zum Ausklang eines wieder einmal alles andere als „normalen“ Corona-Sommers zum Alten Rathausplatz eingeladen.

Bürgermeister Raimon Ahrens ließ es sich nicht nehmen, höchstpersönlich neben dem Holzkohlefeuer zu stehen und dafür zu sorgen, dass der Nachschub an Roten Würsten und geschmortem Gemüse nicht abriss. Es bereite ihm „einen Riesenspaß“, versicherte der Gemeindechef, sich unter die jungen Leute zu mischen und mit ihnen auf diese „niederschwellige Art und Weise“ ins Gespräch zu kommen. Es sei wichtig, ihnen zu zeigen, dass auch die Kinder und Jugendlichen Teil der Gemeinde seien, dass sie mit ihren Wünschen und Bedürfnissen auch über den Tag hinaus ernst genommen würden und in der Verwaltung stets einen Ansprechpartner hätten.

Die Lebenssituation der Rudersberger Kinder und Jugendlichen, versicherte Ahrens, sei ihm eine „Herzensangelegenheit“. Gut gelaunt fügte er hinzu, dass er stolz darauf sei, weil es ihm gelungen sei, an diesem Abend punktgenau sein Versprechen einzuhalten, nämlich Schlag 18 Uhr seien die ersten Roten Würste fertig, und das, „obwohl jeder Grill etwas anders funktioniert und seine Eigenheiten hat“.

Trotz Corona ein guter Sommer

Für sie markiere das Ende der Sommerferien den Zeitpunkt, „an dem wir unsere Kinder in den Schulen wieder zurückhaben“, merkten die Schulsozialarbeiterinnen Kim Pfisterer und Eveline Luts an. Da sie und Jugendhausleiter Johannes Beer sich aber letztendlich an dieselbe Zielgruppe wenden würden, gebe es auch in ihrer Arbeit weite Überschneidungen. Es sei trotz Corona ein guter Sommer für die Rudersberger Kinder und Jugendlichen gewesen, versicherten sie.

Es seien „super Projekte“ gelaufen, stimmte auch Gerhard Dinger von der Projektstelle für Sozialraumorientierte Jugendarbeit und Jugendbeteiligung zu. Spannend sei allerdings, wie all die guten An- und Vorsätze in die Zukunft überführt und verstetigt werden könnten.

Mehr Öffentlichkeit fürs Jugendhaus

Dem stimmte auch der zwanzigjährige Philipp Hüttel zu, der seit fünf Jahren zur Stammbelegschaft des Jugendhauses gehört, inzwischen als freiwilliger Helfer, anfangs als Schüler, dem es in der siebten und achten Klasse nicht allzu gut gegangen sei, erzählte er. Er sei hierhergekommen, weil er Anschluss, Freunde und Verständnis suchte. All das habe er gefunden. Dies sei für ihn das beste Argument, sich nun selbst im Haus zu engagieren und auf diejenigen zuzugehen, die den Weg hierher fänden. Wenn er sich etwas wünschen könnte, dann höchstens, dass die Arbeit, die im Haus geleistet werde, noch mehr in die Öffentlichkeit transportiert werde und man die Jugendlichen auch in den anderen Ortsteilen noch offensiver darüber informieren könnte.

Hilfreich, so sein Vorschlag, wäre vielleicht schon ein Schild, das den Weg zu dem doch etwas zurückgesetzten Haus weist. Bevor sie ihr freiwilliges Jahr im Jugendhaus ableistete, gestand die achtzehnjährige Lisa Weik, habe sie noch nicht einmal gewusst, dass es in Rudersberg eine derartige Einrichtung gibt. Seit zwei Jahren bringe sie sich nun als freiwillige Mitarbeiterin ein. Das Schöne dabei sei, dass das Haus allen offenstehe und jeder sich angenommen wisse. Zu verdanken sei dies vor allem Johannes Beer, gute Seele und Leiter des Hauses. Er sei einfach cool, bei ihm wisse sich jeder angenommen.

„Was kommt noch in diesem Herbst auf uns zu?“ Dies sei die große Frage, die nicht nur ihn, sondern auch die Kinder und Jugendlichen umtreibe, für die er die Verantwortung habe, sinnierte Beer. Der Sommer sei „durchwachsen“ gewesen, so sein Fazit. Dies hätte in Zeiten von Maskenzwang und Kontaktbeschränkungen auch gar nicht anders sein können. Diesen Einflüssen hätte sich schließlich niemand entziehen können. Er sei froh, dass es möglich war, dass die Zeltfreizeit stattfinden konnte, wenn auch unter strengen Auflagen. Sie habe unter den Teilnehmern für ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl gesorgt.

Jugendliche mit Natur zusammenbringen

Überhaupt, so seine Einschätzung, werde es immer wichtiger, die Kinder und Jugendlichen mit der Natur und ihrer Umwelt zusammenzubringen, „back to the roots“. Der Anteil der Natur- und Erlebnispädagogik müsse unbedingt in allen Bereichen weiter ausgebaut werden. Die Pandemie mit ihren Beschränkungen habe noch ihren Teil dazu beigetragen, dass sie sich immer mehr in ihre vier Wände und in die virtuelle Welt zurückzögen. Sie sei im Alltag mittlerweile omnipräsent und erzwinge geradezu kreative Antworten.

Denn in ihr könnten die jungen Menschen keine echte Gemeinschaft, Geborgenheit und Anerkennung erfahren, keine Vielfalt erleben, nicht miteinander ein Team bilden und Projekte verwirklichen und sich nicht an konkreten Herausforderungen bestätigen, noch nicht einmal gemeinsam mit ihrem Bürgermeister Rote Würste und Gemüse grillen.

Im Hof vor dem Rudersberger Jugendhaus war am Freitagabend Party angesagt. Unter dem Motto „Chill and grill“ hatte die Gemeinde „ihre Jugend“ zum Ausklang eines wieder einmal alles andere als „normalen“ Corona-Sommers zum Alten Rathausplatz eingeladen.

Bürgermeister Raimon Ahrens ließ es sich nicht nehmen, höchstpersönlich neben dem Holzkohlefeuer zu stehen und dafür zu sorgen, dass der Nachschub an Roten Würsten und geschmortem Gemüse nicht abriss. Es bereite ihm „einen Riesenspaß“,

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