Rudersberg

Klimawandel: Künftig gibt es weniger einheimische Baumarten im Wald

Borkenkäfer Wald Baum Symbol Symbolbild symbolfoto
Der Borkenkäfer zerstört viele einheimische Bäume. © Gabriel Habermann

Die Folgen des Klimawandels machen dem einheimischen Wald zu schaffen. Das zeigt die Bilanz des laufenden Betriebsjahrs im Forstrevier Rudersberg-Weissacher Tal. Zwar lag die Einschlagmenge im Soll, „aber das allerwenigste davon war planmäßig“, sagte Revierförster Roger Beuter kürzlich im Rudersberger Gemeinderat. Von den gut 3800 Festmetern, die aus dem Wald geholt wurden, waren fast 3300 Festmeter Sturm- und Schadholz. „Das stimmt uns schon etwas sorgenvoll.“

Eine positive Nachricht hatte Beuter aber auch mitgebracht: Auf rund 60 Ar wurde dieses Jahr im Wald aufgeforstet, überwiegend Eichen. Und „trotz des sehr trockenen Sommers gab es nur sehr wenige Ausfälle in Rudersberg, in anderen Kommunen waren die Ausfälle größer“.

Der neue Revierförster Christian Hamann tritt sein Amt an

Die hohe Menge an Sturm- und Schadholz schlug sich auch im Preis nieder. Bekam man für den Festmeter Fichte-Stammholz vor fünf Jahren noch zwischen 80 und 90 Euro, sank dieser Preis im Jahr 2020 auf teilweise unter 20 Euro. „Das hat nicht einmal die Kosten gedeckt manchmal“, sagte Beuter. „Man musste das aber machen, um den Borkenkäfer aus dem Wald zu kriegen.“

Um den Wald wieder vitaler, wasserspeicherungsfähiger, nährstoffreicher und weniger sauer zu machen wurde in diesem Jahr auch kräftig gekalkt – und zwar insgesamt auf einer Fläche von 312 Hektar. Dabei entstanden Kosten in Höhe von 106 000 Euro, die mit 90 Prozent gefördert werden.

Den Ausblick auf das kommende Betriebsjahr überließ Roger Beuter dann Christian Hamann, der das Revier übernimmt. Beuter wird in den Innendienst wechseln. Sein Nachfolger Hamann kommt vom Forstamt in Backnang, wo er im Holzverkauf tätig ist. Bis Juni wird er in diesem Bereich noch parallel arbeiten und vorerst nur die Gemeindewälder übernehmen. Im Juli folgen dann auch die Privatwälder.

Weniger Holzeinschlag im kommenden Jahr  geplant

Für das kommende Jahr ist deutlich weniger Holzeinschlag geplant, sagte Hamann. Und er erklärte auch warum: In den vergangenen fünf Jahren lag der Einschlag im Schnitt um 114 Prozent über dem Hiebsatz, also jener von der Forstbehörde vorgegebenen Menge, um einen nachhaltigen Betrieb zu gewährleisten.

Die höheren Einschläge waren den trocken-heißen Sommern der letzten drei Jahre geschuldet. Nun sind diese Sätze immer recht knapp kalkuliert, doch sollte ein Revier im zehnjährigen Schnitt den Satz möglichst erreichen. Deshalb plant Hamann für 2021 mit lediglich 2500 Festmetern, davon 40 Prozent Schadholz. Außerdem sollen rund 3000 Bäume auf einer Fläche von 90 Ar gepflanzt werden, davon zwei Drittel Laubbäume.

Die geringere Einschlagmenge macht sich im Betriebsplan bemerkbar. Erwirtschafte der Wald im vergangenen Jahr noch ein Plus von gut 60 000 Euro, dürfte das Minus im kommenden Jahr etwa 44 000 Euro betragen. Der Revierförster würde den Hiebsatz daher gerne auf 4100 Festmeter erhöhen, um den Wald zusätzlich zum Sturm- und Käferholz weiter pflegen zu können. Das wäre nicht zum Nachteil des Waldes, denn „wir holen immer noch weniger Holz heraus, als dort wächst“.

„Bei Fichte und Buche wird es dürr“, sagt der Forstrevierleiter

Außerdem soll der Wald klimastabil gemacht werden, weshalb andere Baumarten zum Einsatz kommen sollen. „Vor allem bei Fichte und Buche kommt man an Grenzen, die werden dürr“, sagte Hamann. Mögliche Alternativen wären neben der Eiche etwa die Robinie, Elsbeere, Esskastanie, Douglasie, Baumhasel, Tulpen- oder Nussbäume. „Es ist wichtig, auf verschiedene Baumarten zu setzen, mindestens drei bis vier pro Bestand“, so der neue Revierförster.

Der bisherige Revierförster stellte aber klar: „Wir haben dieses Jahr fast nur Eiche gepflanzt, auch kommendes Jahr werden wir versuchen, einheimische Arten zu pflanzen, wo es geht. Wir müssen aber auch zukünftig versuchen, den Wald auf mehrere Füße zu stellen, dazu brauchen wir auch Baumarten, die wir bisher in Mitteleuropa nicht gekannt haben.“

Welche Baumarten wo angepflanzt werden, das werde anhand von Standortkarten entschieden, auf denen auch die Böden verzeichnet sind. „Von der forstlichen Versuchsanstalt gibt es eine Baumarteneignungskarte, die den Klimawandel miteinbezieht. Je nachdem versuchen wir, für jeden Standort das Beste zu finden.“

Definitiv bedroht sei die Zukunft der Fichte, die mit dem Trockenstress nicht gut zurechtkommt. „Sie wird zurückgedrängt auf Flächen, wo es feuchter und kühler ist.“ Neu gepflanzt werde der Nadelbaum nicht mehr. Wo er indes von selbst nachwächst, werde er von den Förstern selbstverständlich auch weiterhin mitgezogen.

Bei Waldschäden erhalten die Besitzer einen Landeszuschuss

Schadensgeplagte Waldbesitzer können übrigens einen Landeszuschuss bekommen. Er beläuft sich auf sechs Euro pro Festmeter. Das sei „besser wie nix“, meinte Beuter, der sich bei Gemeinderat und Verwaltung noch für die gute Zusammenarbeit in den letzten Jahren bedankte. Ein Lob, das Verwaltung und Gemeinderat ausdrücklich erwiderten.

Der Betriebsplan wurde dann einstimmig verabschiedet.

Die Folgen des Klimawandels machen dem einheimischen Wald zu schaffen. Das zeigt die Bilanz des laufenden Betriebsjahrs im Forstrevier Rudersberg-Weissacher Tal. Zwar lag die Einschlagmenge im Soll, „aber das allerwenigste davon war planmäßig“, sagte Revierförster Roger Beuter kürzlich im Rudersberger Gemeinderat. Von den gut 3800 Festmetern, die aus dem Wald geholt wurden, waren fast 3300 Festmeter Sturm- und Schadholz. „Das stimmt uns schon etwas sorgenvoll.“

Eine positive Nachricht

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