Rudersberg

Kommentar: Der zwischenmenschliche Faktor

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© Habermann; Montage: Mogck

Raimon Ahrens heißt der neue Bürgermeister von Rudersberg. Diese Tatsache an sich war nicht überraschend. Ahrens ist es nach einem sehr engagierten Wahlkampf gelungen, die Mehrheit der Rudersberger davon zu überzeugen, dass sie ihm die Sorge für das Wohlergehen der Gemeinde anvertrauen können. Die Präferenz hatte sich bereits vor der Wahl klar herauskristallisiert. Dabei haben fachliche Gründe eine Rolle gespielt, natürlich. Doch auch, dass sich der 28-Jährige im Wahlkampf als nahbarer, sympathischer, zuhörender und interessierter Kandidat gezeigt hat. Zuhören, wahrnehmen, sich kümmern: Es waren zwischenmenschliche Kompetenzen, die bei dieser Wahl mit der Qualifikation eine entscheidende Rolle gespielt haben.

Bemerkenswert ist, wer nicht Bürgermeister geworden ist

Bemerkenswert ist an der Wahl darüber hinaus, wer nicht Bürgermeister geworden ist: Rüdiger Burkhardt. Rudersberg ist nicht die Gemeinde mit dem ersten frei gewählten Bürgermeister in der Bundesrepublik, der der Alternative für Deutschland (AfD) angehört. Die Höhe seines Ergebnisses lässt den Schluss zu, dass es Burkhardt nicht gelungen ist, die überwiegende Zahl der AfD-Wähler in Rudersberg, von denen es ja nicht wenige gibt, von sich zu überzeugen. Nun sind Bürgermeisterwahlen nicht in erster Linie Parteiwahlen. Dennoch ist zu bedenken, dass sich Burkhardt von ausländerfeindlichen Aussagen öffentlich distanziert hat. Und er hatte früh gegenüber unserer Zeitung erklärt, dass er bereit war, falls es gewünscht werde, aus der AfD auszutreten. Das hat er später revidiert. Dennoch: Es blieb im Gedächtnis.

Sieger nach dem ersten Wahlgang

Der Sieger steht nun nach dem ersten Wahlgang fest. Für Rudersberg ist damit ein außerordentlich interessanter, facettenreicher, fair geführter Wahlkampf mit einer unerwartet großen Kandidatenzahl zu Ende gegangen. Das haben die Rudersberger mit großem Interesse und einer starken Wahlbeteiligung goutiert.

Nun nimmt in Kürze Raimon Ahrens auf dem Chefsessel im Rathaus Platz und tut dies mit einem Vertrauensvorschuss. „Schnellschüsse“ sollte man aber von ihm nicht erwarten. Er muss sich einarbeiten in seine Rolle und in die Rudersberger Themen. Dafür wird er Zeit brauchen, und die sollte man ihm auch geben.


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