Rudersberg

Mehr Fahrzeuge als Anlieger unterwegs - was kann Rudersberg tun gegen Regelbrecher?

Hellesweg
Der Hellesweg ist eine beliebte Abkürzung von Schlechtbach Richtung Rudersberg, auch wenn hier eigentlich nur landwirtschaftlicher Verkehr fahren darf. © ALEXANDRA PALMIZI

Eigentlich dürfen auf dem Hellesweg zwischen Schlechtbach und dem Gewerbegebiet Fuchshau nur landwirtschaftliche Fahrzeuge verkehren. Doch halten sich daran auch alle? Dieser Frage ging eine Verkehrszählung im Oktober nach. Denn an dem Verbindungsweg gab es in den vergangenen Jahren immer wieder Beschwerden von Anwohnern.

Eine beliebte Abkürzungsstrecke ins Industriegebiet

Im Bauausschuss äußerte sich Bürgermeister Raimon Ahrens kürzlich zu der Thematik, die er als „bis heute nicht ganz abschließend geklärt und geregelt“ bezeichnete. Denn der Hellesweg ist in der Gemeinde schon länger ein Streitthema. Bis 2016 war der Weg als Anliegerstraße ausgewiesen. „Doch das war nur sehr schwer zu kontrollieren“, sagte Bürgermeister Ahrens. Trotz der Beschilderung, die Autos und Motorrädern, die kein Anliegen haben, die Durchfahrt verbot, blieb der Weg eine beliebte Abkürzungsstrecke ins Gewerbegebiet Fuchshau. „Es gab Beschwerden von Anliegern, die gesagt haben, da ist zu viel Verkehr, dafür ist er nicht ausgelegt.“

Der Ortschaftsrat stellte daraufhin einen Antrag an die Straßenverkehrsbehörde, um den Weg nur noch für landwirtschaftlichen Verkehr freizugeben, entschied sich also für eine deutlich strengere Regelung. „Diese Entscheidung hat auch damals nicht nur für Freude in der Siedlung gesorgt“, sagte Ahrens. „Es gab einige, die sagen: Macht das auf, da die Kreuzungssituation an der Heilbronner Straße nicht ideal ist.“ Außerdem würden bei einer kürzeren Strecke weniger Emissionen anfallen. „Aber auch diejenigen, die die Absperrung gefordert haben, waren nicht zufrieden, da immer noch zu viele Autos unterwegs sind.“

Es gibt widerstreitende Interessen, die nur schwer vereinbar sind

Doch wie viele Fahrzeuge sind tatsächlich an einem durchschnittlichen Tag dort unterwegs? Das Ordnungsamt hat dazu am 14. und 15. Oktober eine Zählung mit Seitenradargerät durchgeführt – und zwischen 150 und 200 Fahrzeuge innerhalb von 24 Stunden ermittelt. „Ganz so viele landwirtschaftliche Grundstücke sind dort nicht“, kommentierte das Bürgermeister Ahrens, der zugleich betonte, dass die Gemeinde nur stichprobenartig kontrollieren könne. „Das können und werden wir weiterhin machen, eine komplette Reduktion des Verkehrs können wir dadurch aber nicht erreichen.“

Als weitere Verschärfung sei nur noch die Beschilderung „Durchfahrt verboten“ möglich. Dann wäre der Weg aber komplett gesperrt. Das sei keine einfache Entscheidung für die Verwaltung, die deshalb vorschlug, das Thema an den Ortschaftsrat zurückzuverweisen.

Rudolf Scharer, Ortsvorsteher von Schlechtbach, bezeichnete das Thema als „fast schon althistorisch“, begleite es ihn doch seit seiner ersten Sitzung im Amt, wo es ihn gleich „mit voller Wucht“ getroffen habe. Dabei gebe es in der Sache drei gegensätzliche Interessen: die der Landwirte, die der Anwohner und die jener Bürger, die abkürzen wollen. „Diese drei Zielrichtungen sind nur schwer zu vereinbaren.“

Kontrollen als probates Mittel?

Bei der jetzigen Beschilderung handle es sich um den „kleinsten gemeinsamen Nenner“. Ihm fehle momentan noch die Idee für eine andere Lösung. „Das einzige probate Mittel ist die Kontrolle, um die Situation zu entschärfen.“ Hier könnte man vielleicht die Intervalle etwas raffen. Doch angesichts der Zahlen, die ihn „wirklich erschreckt“ hätten, sagte er: „Ob man die wirklich so runterdrücken kann, das wage ich zu bezweifeln.“

Bernhard Dittl (Rudersberger Bürger) war auch „sehr überrascht“ über die Zahlen. Er meinte: „Ganz ohne Kontrollen geht es nicht. Die sind notwendig, sonst denken die Leute, sie werden nicht erwischt.“

Thomas Keller (Freie-Wähler-Rat und Ortspolizist) sagte, das Thema beschäftige die Gemeinde schon einige Jahre. „Die Situation hat sich meiner Wahrnehmung nach verbessert.“ Umso erschrockener zeigte er sich von den gemessenen Zahlen. Aus seiner Sicht die einzige Lösung wäre, die Straße von einer Seite zuzumachen. „Aber hier treffen verschiedene Meinungen aufeinander, alle zufriedenstellen geht nicht.“

Wolfgang Bogusch (Rudersberger Bürger) gab zu bedenken, dass wegen der Apfelernte im Oktober bei der Zählung wohl mehr landwirtschaftlicher Verkehr unterwegs war als üblich. Er erinnerte daran, dass jeder, der ein Auto habe, am Ende für einen anderen eine Belastung sei, „die fahren dann an anderen Häusern vorbei“. Außerdem müsse man bei dem Thema abwägen, dass nur wenige Anlieger von dem Verkehr betroffen seien. Und letztlich fragte er sich, wer genau denn als Anlieger gelte.

In der Praxis ist kaum kontrollierbar, wer überhaupt ein Anlieger ist

„Das Problem ist die Rechtsprechung“, antwortete Bürgermeister Raimon Ahrens, „die fasst den Begriff des Anliegers recht weit.“ Das bestätigt auf Nachfrage auch die Straßenverkehrsbehörde. Der Begriff sei „nicht eindeutig definiert beziehungsweise in der Praxis kaum kontrollierbar“, so die Antwort aus der Pressestelle des Landratsamtes.

Was das Datum der Messung angeht, gab Ahrens Bogusch recht. „Die Streuobstwiesen können eine Rolle gespielt haben.“ Er betonte noch einmal: „Kontrolle ist das Mittel, das am ehesten wirkt, da muss man aber schauen, wie viele Stellen wir im Vollzugsdienst haben, und schauen, was dort aktuell an Aufgaben ansteht.“

Angesichts der Herausforderungen durch die Corona-Pandemie sei es schwierig, die Kontrollen deutlich nach oben zu fahren. „Wir werden aber weiterhin verstärkt schauen.“ Vielleicht könne man eine weitere Referenzmessung vornehmen, wenn die Stücklespflege vorüber ist.

Ortsvorsteher Rudolf Scharer begrüßte diesen Vorschlag, betonte aber, dass es wichtig sei, diese möglichst bald durchzuführen.

Einstimmig empfahl das Gremium schließlich eine weitere Referenzmessung, die Ende November oder Anfang Dezember erfolgen soll, bevor der Schlechtbacher Ortschaftsrat endgültig über das weitere Vorgehen entscheidet.

Eigentlich dürfen auf dem Hellesweg zwischen Schlechtbach und dem Gewerbegebiet Fuchshau nur landwirtschaftliche Fahrzeuge verkehren. Doch halten sich daran auch alle? Dieser Frage ging eine Verkehrszählung im Oktober nach. Denn an dem Verbindungsweg gab es in den vergangenen Jahren immer wieder Beschwerden von Anwohnern.

Eine beliebte Abkürzungsstrecke ins Industriegebiet

Im Bauausschuss äußerte sich Bürgermeister Raimon Ahrens kürzlich zu der Thematik, die er als „bis heute

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