Rudersberg

Nach 22 Jahren am Schulzentrum Rudersberg geht Christine Heck jetzt in den Ruhestand

Christine Heck
Immer die Ruhe bewahrend, sachkundig, schnell und genau: So beschreibt Schulleiter Thomas Smolarczyk die jetzt in den Ruhestand gehende Sekretärin Christine Heck. © Gabriel Habermann

Einen Ausstand wird es für Christine Heck nicht geben. Auch wird an ihrem letzten Schultag kein Unterricht mehr stattfinden. Der Abschied vom Schulzentrum Rudersberg wird für die 64-Jährige ohne großes Publikum stattfinden. Die Pandemie und der Lockdown haben dies, wie so vieles in diesem Jahr, leider verhindert.

Glanzlos fallen ihre letzten Tage an der Schule aber beileibe nicht aus. Im Gegenteil: Für die Sekretärin hat sich die Schulleitung einen ganz besonderen Adventskalender ausgedacht. „Jeden Tag wird mir gerade eine Überraschung präsentiert.“ Als Erinnerung hat sie bereits einen Schul-Stuhl erhalten, Schüler haben Hände aufgemalt und darin Wünsche für sie formuliert. Und einmal gab es sogar eine kleine Schüleraufführung – coronabedingt in entsprechend kleinem Rahmen.

Kurzum: Für Christine Heck wird es zwar keinen großen Bahnhof geben, dass sie deutliche Spuren am Schulzentrum hinterlassen und geschätzt wird, das zeigten ihr Schulleitung und Schüler in den letzten Tagen aber noch einmal ganz deutlich.

Ihr Berufsleben begann sie im Welzheimer Kronenladen

Fast 22 Jahre hat Heck im Sekretariat gearbeitet, im April 1999 bewarb sich die gelernte Bürokauffrau auf die Stelle. Die Schule kannte sie aber schon viel länger. Sie hat dort ihren Hauptschulabschluss gemacht. Nach der Mittleren Reife an der Wirtschaftsschule in Schorndorf arbeitete sie zunächst 13 Jahre lang im Welzheimer Kronenladen als kaufmännische Angestellte – meist im Büro, aber auch „überall da, wo es gerade gebrannt hat“.

Als sie 1986 ihren ersten Sohn bekam, endete ihre Zeit im Kronenladen. Heck blieb erst mal zu Hause, arbeitete dann später nebenher im elterlichen Laden namens Schweizer, einem Elektrogeschäft direkt neben dem Rathaus. Für ihren späteren Job am Schulzentrum sei ihr das durchaus von Nutzen gewesen: „Ich kannte die Leute im Ort und ihre Familienverhältnisse.“

Als dann die Stelle im Sekretariat ausgeschrieben wurde, dachte sie sich: „Jetzt wär’s mal wieder Zeit, was Richtiges anzufangen.“ Damals war sie als Elternbeirat am Schulzentrum aktiv, wusste also, mit wem sie als Sekretärin zusammenarbeiten muss. Und die damalige Schulleitung konnte umgekehrt schon ganz gut einschätzen, wen sie da in ihre Mitte holen wird.

Heck bekam die Stelle und blieb. Überrascht war sie zu Beginn, was für berufliche Fähigkeiten man als Schul-Sekretärin so alles haben muss: Sie übernahm Verwaltungsaufgaben, war Ansprechpartnerin für Eltern, Lehrer und Betreuungspersonen, nahm Anrufe von außen entgegen – und nicht zuletzt bot sie auch eine Anlaufstelle für alle Schulkinder, die gerade ein Pflaster brauchten, Trost suchten oder Bauchschmerzen hatten.

Für die Kinder da zu sein war ein persönliches Anliegen von Heck

„Ansprechpartner für die Kinder zu sein, das war mir immer besonders wichtig“, sagt Heck. „Ich bekam viele Rückmeldungen von den Eltern und habe das immer als eine große Aufgabe empfunden. Es war ein persönliches Anliegen von mir.“

Der Bedarf für eine solche persönliche Ansprache hat sich in ihren knapp 22 Jahren an der Schule deutlich erhöht – so, wie die Schule insgesamt anders und wichtiger geworden ist. „Heute sind viel mehr Kinder lange an der Schule, da ist es wichtig, dass sie einen Ansprechpartner haben.“

Auf die Ganztagesschule blickt Heck indes mit gemischten Gefühlen. „Für manche Kinder ist das sicher von Vorteil, dass sie hier sein können, mit einer geregelten Tagesstruktur.“ Gerade für die jungen Grundschüler könne ein solch langer Schultag ihrer Erfahrung nach auch belastend sein, findet Heck. Doch sie weiß: „Hier sind sie sehr gut aufgehoben.“

Die 64-Jährige verlässt das Rudersberger Schulzentrum am kommenden Dienstag, das ist ihr letzter Arbeitstag. Und auch wenn Christine Heck jetzt schon weiß, dass sie die Schule sehr vermissen wird, findet sie: „Alles hat seine Zeit“. Sie hat ein 15-monatiges Enkelkind, um das sie sich dann mehr kümmern kann. Und mit ihrem Mann, der bereits Rentner ist, will sie, sobald Corona das wieder zulässt, noch gemeinsam auf Reisen gehen.

Gut möglich, dass sie als "Leseoma" ab und an noch in die Schule kommen wird

Außerdem ist Heck Leiterin der Turnabteilung beim TSV Rudersberg, besucht jede Woche die Gymnastikgruppe (im Moment virtuell) und wird auch sonst noch aktiv bleiben: Sie fährt gerne Rad und walkt, „um den Kopf frei zu bekommen“. Auch Italienisch will sie im Ruhestand noch lernen. Sie könnte sich außerdem vorstellen, als „Leseoma“ ab und an wieder ins Schulzentrum zu kommen.

Denn schließlich hat sie viele schöne Erinnerungen daran. Mit allen Schulleitungen habe sie gut zusammengearbeitet. Und im Sekretariat mit „einem tollen Team“ gearbeitet. „Das ist nicht selbstverständlich in der heutigen Arbeitswelt“, findet Heck.

Ein Eindruck, den Schulleiter Thomas Smolarczyk nur bestätigen kann. Er sagt: „Frau Heck war unsere gute Seele, immer da für kleine und große Wehwehchen, zugewandt, immer die Ruhe bewahrend, sehr sachkundig, schnell, genau, äußerst teamfähig, einfach perfekt! Da ich schon an einigen Schulen gearbeitet habe und viele Schulsekretärinnen kennenlernen durfte, unter anderem in Tansania, Indien und Thailand, kann ich sie mit einiger Berechtigung zur weltbesten Sekretärin ernennen.“

Einen Ausstand wird es für Christine Heck nicht geben. Auch wird an ihrem letzten Schultag kein Unterricht mehr stattfinden. Der Abschied vom Schulzentrum Rudersberg wird für die 64-Jährige ohne großes Publikum stattfinden. Die Pandemie und der Lockdown haben dies, wie so vieles in diesem Jahr, leider verhindert.

Glanzlos fallen ihre letzten Tage an der Schule aber beileibe nicht aus. Im Gegenteil: Für die Sekretärin hat sich die Schulleitung einen ganz besonderen Adventskalender

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