Rudersberg

Nach der Wahl: Freude und Ernüchterung

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Im Rathaus hat Raimon Ahrens (mit Sektglas) am Sonntagabend viele Glückwünsche entgegengenommen. Wer wollte, konnte mit ihm auch mit einem Glas Sekt anstoßen. © Habermann / ZVW
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Drei strahlende Gesichter: Der Erste Stellvertretende Bürgermeister Eberhard Layer (Erster von links) gratulierte am Wahlabend dem Sieger Raimon Ahrens und dessen Verlobter Kathrin Thorenz. © Habermann / ZVW

Rudersberg. Rudersberg hat einen neuen Bürgermeister: Applaus brandete am Sonntagabend im Rathaus auf. Raimon Ahrens wurde gewählt. Das bedeutet auch: Fünf andere Kandidaten wurden es nicht. Freude und Ernüchterung lagen dicht beieinander. Ein Stimmungsbild am Tag danach, das sich im Gespräch mit Kandidaten ergeben hat, die besonders interessante Ergebnisse hatten.

Den gestrigen Montag hat sich Raimon Ahrens freigenommen. Die Freude über das Wahlergebnis ist dem 28-Jährigen auch einen Tag später anzuhören. „Ich kann es immer noch nicht ganz fassen, das Ergebnis. Es macht mich unheimlich glücklich.“

Fairer Umgang auch am Wahlabend

Im Rathaus blieb man am Sonntag noch bis 21 Uhr beisammen und hat auch auf das Ergebnis angestoßen. Er habe dann den Abend gemütlich ausklingen lassen, „durchgeschnauft“ und „mich einfach gefreut“, erzählt Raimon Ahrens. In die Gratulantenschar hatten sich auch die Mitbewerber eingereiht. „Es hat sich auch an dem Abend der faire Umgang, den wir auch im Wahlkampf hatten, durchgezogen.“

Gestern hat Raimon Ahrens im Rathaus unterschrieben, dass er die Wahl annimmt, und eine kleine Runde durchs Haus gemacht. Dabei hat er sich Mitarbeitern, die er noch nicht kannte, vorgestellt. Dann hat er seine Plakate im Ort abgenommen.

Möglicherweise Arbeitsbeginn in Rudersberg Anfang April

Heute geht Ahrens wieder nach Korb ins Rathaus an die Arbeit. In den nächsten Tagen werde sich klären, wann er in Rudersberg anfangen kann. „Anfang April ist realistisch“, nennt er als groben Zeitrahmen.

Raimon Ahrens hat bei der Wahl am Sonntag nicht nur im ersten Wahlgang gesiegt, sondern mit rund 67 Prozent mehr Stimmen erhalten, als er formal gebraucht hätte. Das bedeutete für die übrigen Mitbewerber einen deutlichen Abstand.

Walter trägt Ergebnis mit Fassung

Stefan Walter hat es auf 14,5 Prozent der Stimmen gebracht. „Grundsätzlich, nach den Rückmeldungen, die ich von den Ständen hatte, war ich schon ein bisschen überrascht“, sagte er gestern zu unserer Zeitung. „Ich habe mich aber über den Zuspruch und die Stimmen, die ich hatte, sehr gefreut“, so der 35-Jährige. Ein bisschen enttäuscht sei er, räumt Walter ein, aber er trage das Ergebnis mit Fassung. „Das ist Demokratie. Es kann nur einer gewinnen.“ Im Nachgang hätte er viele E-Mails mit Zuspruch, Anerkennung und Lob für den Wahlkampf erhalten. „Unter dem Strich ist es für mich ein positives Fazit durch die vielen Begegnungen und Einblicke“, resümiert Walter. Und fügt an: „Meine Chefs freuen sich, dass ich ihnen erhalten bleibe.“ Walter will im Arbeitskreis Flüchtlinge aktiv bleiben „und auch weiterhin ein aktiver Mitbürger hier vor Ort“ sein.

Herrmann: "So glücklich war der Moment jetzt nicht"

Auf zwölf Prozent der Stimmen hat es Martin Herrmann gebracht. „So glücklich war der Moment jetzt nicht“, erinnert er sich an die Bekanntgabe des Ergebnisses. Er sei aber auf die Situation, dass Raimon Ahrens im ersten Wahlgang gewinnen würde, vorbereitet gewesen. „Ich habe immer gesagt, ich werde das Beste aus der Situation machen. Das werde ich auch jetzt tun.“

Angesichts der Höhe des Ergebnisses meint Herrmann: „Enttäuschend ist nicht allein, dass mein Einsatz in der Vergangenheit nicht wahrgenommen wurde, sondern auch der Einsatz, den ich jetzt im Wahlkampf gebracht habe.“ Er habe auch Themen transportiert, die den Ort betreffen. „Dass die nicht in irgendeiner Weise in Stimmen umgewandelt wurden, das enttäuscht. Es ist mir offensichtlich nicht gelungen, rüberzubringen, dass ich dieses Amt mit Herzblut gemacht hätte.“ Die Stimmen, die er bekommen hatte, seien Stimmen für ihn gewesen, aber es seien doch sehr wenige. Herrmann ergänzt: „Mir wurde dieses Ergebnis zu keinem Zeitpunkt von irgendjemandem gespiegelt.“

Am Sonntag hat Herrmann Raimon Ahrens gratuliert, ein Töpfchen Glücksklee überreicht und ihm Glück gewünscht.

Burkhardt: „Ich habe ja einen ganz sparsamen Wahlkampf gemacht“

Ebenfalls kein Wahlsieger wurde Rüdiger Burkhardt, der 4,6 Prozent der Stimmen auf sich vereinte. Wie ging es ihm gestern am Tag nach der Wahl? „Mir geht es relativ gut. Ich habe tatsächlich mit fünf Prozent gerechnet.“ Woran lag die niedrige Stimmenzahl? „Ich habe ja einen ganz sparsamen Wahlkampf gemacht“, sagt Burkhardt. Er habe nicht systematisch alle Vereine aufgesucht, sondern nur ganz wenige. „An dem Tag, an dem Herr Ahrens seine Kandidatur bekanntgegeben hat, war mir klar, dass ich jetzt hier keine Chance mehr habe. Dementsprechend habe ich meinen Wahlkampf auch ausgedünnt. Das sage ich ganz offen.“ Er habe seine Kandidatur auch zurückziehen wollen, habe sich aber dagegen entschieden. „Zu einer ehrenwerten Person gehört, dass man es durchzieht.“

Burkhardt: „Viele AfDler haben das wahrgenommen im ganzen Land“

Welche Rolle spielte die AfD-Mitgliedschaft? „Ich glaube nicht, dass mich jemand gewählt hat, weil ich bei der AfD bin.“ Es sei ja eine Persönlichkeitswahl. Die AfD-Mitgliedschaft habe möglicherweise gar keine Rolle gespielt. „Wenn das AfD-Thema nicht gebracht worden wäre, hätte ich wahrscheinlich mehr Stimmen gehabt“, so Burkhardt. Es seien viele deswegen abgesprungen. Die AfD sei das Hauptthema gewesen, das mit ihm zusammenhing. „Mein Hauptthema Verkehr ist gar nicht durchgedrungen.“

Zum Wahlkampf merkt Rüdiger Burkhardt weiterhin auch an: „In der AfD bin ich durch diese Aktion schon ein bisschen nach vorne gekommen. Ich bin jemand, der das auch durchzieht.“ Es habe keine Skandale gegeben, er habe sich qualifiziert. „Viele AfDler haben das wahrgenommen im ganzen Land“, sagt er zum Wahlkampf.


„Das war einmalig und überwältigend“

Wie ist der Eindruck der Fraktionen des Gemeinderats nach der Wahl? „Es ist erstaunlich, wie viele Kandidaten sich für Rudersberg interessiert haben. Es war von allen ein mehr oder weniger engagierter Wahlkampf. Das hat man ja an der Wahlbeteiligung gesehen. Das ist sehr erfreulich“, sagt Wolfgang Bogusch, Fraktionsvorsitzender der Rudersberger Bürger, und spricht von einem tollen Ergebnis.

Manfred Pokorny von der SPD-Fraktion ist ebenfalls zufrieden. „Es war ein absolut fairer Wahlkampf. Man hat keine bösen Worte gehört.“ Sehr zufrieden ist der SPD-Rat auch mit der Wahlbeteiligung. „Ich hätte vielleicht beim einen oder anderen ein bisschen mehr erwartet von den Prozenten her“, meint er zu den Wahlergebnissen. Das Resultat der Wahl freut Pokorny, er verschweigt es nicht: „Es ist absolut mein Wunschkandidat. Er hat Erfahrung in der Gemeindeverwaltung.“

„66 Prozent sind schon ein überwältigendes Ergebnis. Schön, dass es eine eindeutige und faire Wahl war“, sagt Gerhard Birzele (Freie Wähler). Er sei überrascht, dass der Kandidat mit der AfD-Mitgliedschaft so wenig Stimmen hatte. „Die Bevölkerung hat sich mehr von den Qualitäten, weniger von der Partei leiten lassen.“ Zu Raimon Ahrens sagt Birzele: „Er hat die Qualifikation, die wir hier brauchen.“ Birzele freut sich bei der Wahl auch über eine „Begeisterung der Bevölkerung“, über die Wahlbeteiligung und das Interesse.

„Das Ergebnis spricht eine klare Sprache. Eine gewisse Tendenz hat sich abgezeichnet“, sagt Eberhard Layer von der CDU-Fraktion. Er freut sich über das Engagement der Wähler. „Das war einmalig und überwältigend.“ Layer würdigt auch den Einsatz der Kandidaten. Und merkt generell zur Wahl an: „Wenn über Politikverdrossenheit gesprochen wird: Das war genau das Gegenteil. Kompliment an unsere Wählerinnen und Wähler.“