Rudersberg

Nach tödlichem Unfall: Bahnübergang wird geprüft

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Der verunglückte Radfahrer wollte an dieser Stelle von der Brühlstraße nach links in die Neue Zumhofer Straße abbiegen. Eine Halbschranke sperrt die Neue Zumhofer Straße ab, wenn eine Wieslauftalbahn kommt. An dieser Stelle ist es ein Leichtes, von der Brühlstraße aus einfach an der Schranke vorbei über die Bahnlinie zu fahren – doch das ist lebensgefährlich. Den Senior hat solch ein Fahrmanöver das Leben gekostet. © Habermann / ZVW

Rudersberg. Nach dem tödlichen Bahnunfall in Rudersberg stehen Gespräche an: Man will sich zusammensetzen und erörtern, ob am fraglichen Bahnübergang Veränderungen nötig sind, etwa zusätzliche Schranken. Zumal es nicht der erste Unfall an dieser Stelle ist. Formal entspricht die Sicherheitsausstattung an diesem Übergang den gesetzlichen Vorschriften.

„So etwas macht einen natürlich betroffen. Das ist tragisch“, sagt der Rudersberger Bürgermeister Raimon Ahrens am Tag danach. Ein betagter Pedelec-Fahrer war am Dienstagnachmittag ums Leben gekommen. Der Mann hatte an der Neuen Zumhofer Straße die Bahnlinie überqueren wollen, obwohl die Halbschranke geschlossen war und das rote Warnlicht leuchtete. Die Wieslauftalbahn erfasste den Mann. Er war sofort tot.

Letzte Überprüfung im Mai 2017

Weshalb der Mann offenbar alle Sicherheitsvorkehrungen missachtete, wird nicht mehr zu klären sein. Der Übergang „entspricht den gesetzlichen Vorschriften“, so eine Sprecherin des Landratsamts. Zuletzt hätten Experten den Übergang routinemäßig im Mai 2017 überprüft. Es gab nichts zu beanstanden – entsprechend wurde dort auch nichts verändert.

Übergang gilt als knifflig

Formal mag an besagter Stelle in Rudersberg alles stimmen. Als „knifflig“ gilt der Übergang dem einen oder anderen aber doch: Wer sich auf der Brühlstraße dem Übergang nähert und links fährt, kann ungestreift einfach an der Schranke vorbeifahren.

Keinerlei Anzeichen für einen Defekt

Nach einem solch folgenschweren Unfall wie jetzt in Rudersberg wird sich eine Kommission aus Fachleuten den Übergang nochmals genau anschauen, sagt Horst Windeisen, Geschäftsführer der Württembergischen Eisenbahn-Gesellschaft (WEG). Als Betreiberin der Wieslauftalbahn muss die WEG der Bahnaufsicht den Unfall melden. Beispielsweise werde dann geprüft, ob technisch alles in Ordnung war. Es gebe keinerlei Anzeichen für einen Defekt.

Triebfahrzeugführer war machtlos

Der Lokführer hat am Dienstagnachmittag eine Schnellbremsung eingeleitet, berichtet Horst Windeisen; der Bremsweg war 45 Meter lang.

Ein Seelsorger hat noch vor Ort den Triebfahrzeugführer betreut. Nach solch einem schrecklichen Vorfall wird den Betroffenen auch sofort psychologische Hilfe angeboten, so Horst Windeisen. „Man ist machtlos“, beschreibt der Geschäftsführer die Situation in solch einem Fall. Es gibt keine Möglichkeit auszuweichen, und der Bremsweg eines Zuges ist naturgemäß lang.

Überlegen, ob am Übergang etwas verbessert werden kann

Ob der erneute Check des Übergangs neue Erkenntnisse bringt, wird man sehen. Bei der Begehung im Mai 2017 waren Vertreter der Landeseisenbahnaufsicht, des Zweckverbands Wieslauftalbahn und der WEG vor Ort. In enger Abstimmung mit der Gemeinde Rudersberg werde nun noch einmal überlegt, ob an besagtem Übergang etwas verbessert werden könnte, so die Sprecherin des Landratsamts.

Ob es an diesem Übergang ein spezielles Problem gebe, möchte der Rudersberger Bürgermeister Raimon Ahrens momentan noch nicht beurteilen. Auch er verweist darauf, dass die Situation schon öfter begutachtet worden sei und der Übergang korrekt ausgeschildert sei.


Weiterer Unfall

Genau an demselben Bahnübergang ist im März 2016 ein ähnlicher Unfall passiert: Damals wurde ein Fußgänger ebenfalls von einer Wieslauftalbahn erfasst. Der Mann erlitt schwere Verletzungen.

Der 20-Jährige war seinerzeit von der Brühlstraße in Richtung Marktplatz gegangen. Der Fußgänger betrat das Bahngleis, obwohl die Bahnschranke geschlossen war. Er missachtete das Warnsignal des Lokführers.