Rudersberg

Nordische Spezialitäten aus Krehwinkel

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Hanseatin Kerstin Luensee zeigt das Tomaten-Chutney und andere Produkte aus ihrer „Hamburger Deern-Manufaktur“. © Habermann / ZVW
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Das in Flaschen gefüllte „Matrosenglück“. © Habermann / ZVW

 

Rudersberg-Krehwinkel. Das Wieslauftal hat viele Reize, aber die maritime Weite des Wassers gehört nicht dazu. Die kennt Kerstin Luensee aus ihrer alten Heimat Hamburg bestens. Eine Leidenschaft fürs Kochen und Essen, etwas Sehnsucht und ordentlich Kreativität mischten sich, als die Hanseatin die „Hamburger Deern-Manufaktur“ gründete. Mit ihr vertreibt sie in Krehwinkel nordisch inspirierte Spezialitäten, in die auch Zutaten aus ihrer neuen Heimat einfließen.

Video: Kerstin Luensee stammt aus Hamburg und betreibt in Krehwinkel die "Hamburger-Deern-Manufaktur"

Die Liebe zum Meer liegt Kerstin Luensee wohl im Blut. Ihr Urgroßvater war Kapitän, hat Navigationsbücher geschrieben, der Großvater arbeitete auf Containerschiffen als Kapitän, und auch der Vater ist Kapitän gewesen und hatte ein Werbeatelier in Hamburg. Dort hat Kerstin Luensee eine grafische Ausbildung gemacht, später zog es sie zum Studium nach Hannover, sie wurde Innenarchitektin.

Das ist die eine, die norddeutsche Seite. Doch die Mutter von Kerstin Luensee kommt aus Baden-Württemberg. So war ihr Schwaben bereits wohlbekannt, als sie berufsbedingt vor rund zehn Jahren ins Ländle kam. Durch die Liebe führte sie ihr Weg nach Krehwinkel, wo die 44-Jährige mit der Familie und zwei Kindern lebt.

Anker und Möwe finden sich im Logo wieder

Eine Sehnsucht nach der norddeutschen Heimat ist geblieben - und machte kreativ. Gekocht hat Kerstin Luensee immer schon gern, das Kochen und Essen ist für sie eine leidenschaftliche Sache. Hatte sich die Innenarchitektin bis dato als Planerin beruflich mit dem Thema Verpflegung befasst, und zwar für große Einrichtungen wie Altenheime und Krankenhäuser, so konzentrierte sich die Planung bald eher auf die heimische Küche in Krehwinkel.

Im Frühjahr des vergangenen Jahres entwickelte Kerstin Luensee ein einheitliches Erscheinungsbild für ihre geplanten Produkte - und begann, eifrig Rezepte auszuprobieren, einzukochen, an der optischen Darstellung zu tüfteln, nach Gläsern, Flaschen, Lieferanten, Kosten zu schauen. Im auserkorenen Logo finden sich, Ehrensache, ein Anker und eine Möwe.

Experimente mit Holunder und Rum

Am Anfang der geplanten „Hamburger Deern-Manufaktur“ stand Kopfarbeit, galt es, zu überlegen, was und wie produziert werden sollte. Zunächst stand süßes Gebäck im Mittelpunkt. „Wir haben unendlich viel gebacken.“ Wie aber das Gebäck haltbar machen, wie es gut verkaufen, zumal über das Internet? Kerstin Luensee kam von der Idee wieder ab. Ein anderer Gedanke reifte: „Was haben wir vor der Tür?“ Obstwiesen, Landwirte, auch Gärtnereien. Also wurde eingekocht, und zwar wie bei der Oma früher. Apfel-, Tomaten und Zwiebelchutney füllten die Gläser, Rhabarber und Erdbeeren wurden ebenfalls verarbeitet. Mal steht der Keller voll mit Tomaten, nächste Woche werden Äpfel eingekocht: Regional und saisonal soll’s sein.

Experimentiert wurde auch mit Holunder und Rum in der Flasche. Letzteres wurde zwar zurückgestellt, inspirierte aber zu einem Rumtopf als Brotaufstrich. Und mit diesem wiederum entstand die Idee, „dass ich einen eigenen Kümmelschnaps möchte“, denkt Kerstin Luensee zurück. Mit dem Ziel suchte sie umliegende Brennereien auf, verschiedene Brände wurden angesetzt. Heraus kam das „Matrosenglück“ als Kümmel-Spirituose. Ebenso dem traditionellen nordischen Thema folgend, gibt es auch Franzbrötchen, die man in Hamburg gern isst, als Mischung zum Selberbacken in der Flasche.

Milchreis mit Schokolade oder Fruchtstückchen findet sich ebenfalls als fertige Rezepturen. Diese Gerichte mögen nicht nur Hanseaten.

Reisgerichte als Hommage ans Gewürzmuseum

Es gab sie aber oft daheim zum Mittag in Kerstin Luensees Kindertagen. Und ein marokkanisches sowie ein indisches Reisgericht im Glas kamen ins Sortiment als Hommage an das Gewürzmuseum in der Hamburger Speicherstadt.

Was sich nun so schnell aufzählt, ist das Ergebnis emsigen Ausprobierens. Die Reisgerichte etwa, erzählt Kerstin Luensee schmunzelnd, kamen so häufig auf den Tisch, dass die Kinder baten, doch wieder etwas anderes zu kochen. Auch Freunde und Bekannte haben die Produkte getestet und Rezepturen, Anleitungen und Geschmack ausprobiert. Die Nachbarn wurden ebenfalls eingeladen zu einer kleinen Ausstellung.

Wie reagieren Schwaben auf hanseatische Ideen?

Und doch: Die „Premiere“, der erste öffentliche Auftritt, bei der Messe „Tisch und Tafel“ in Fellbach, war mit mächtigem Herzklopfen verbunden. „Es war ein Wagnis“, sagt Kerstin Luensee. Wie würde das schwäbische Publikum auf die hanseatische Idee reagieren? Das „Lampenfieber“ war unnötig. „Es hat eingeschlagen wie eine Bombe.“

Mit der ersten Messe kamen Einladungen zu weiteren Messen. Eine Internet-Präsenz hatte die „Hamburger Deern-Manufaktur“ schon früher, seit wenigen Wochen gibt es auch einen Shop.

Wer hier stöbert, entdeckt nicht nur Kulinarisches, sondern auch Textilien. Die fertigt Kerstin Luensee ebenfalls zum größten Teil selbst. Sie näht maritime Tischsets und -läufer, Serviettenringe gibt’s als Rettungsringe. Der Seesack, der Fachmann spricht vom Zampel, ist ebenso vertreten wie Filz- oder Einkaufstaschen. Letztere werden hinzugekauft, Kerstin Luensee bedruckt und beflockt sie selbst. Außerdem hat sie in Weinstadt in einer Stickerei einen Arbeitsplatz.

So mischen sich die Anregungen, die der alten Heimat und die der neuen, entsteht etwas Neues, Kreatives.

Die Familie hilft

Das Einkochen, Werkeln und Tüfteln am Herd ist ein Teil der Arbeit von Kerstin Luensee. Aber für ihre Manufaktur, für die sie im vergangenen Jahr ein Gewerbe angemeldet hat, fallen noch eine Menge anderer Tätigkeiten an, sind doch einige Anforderungen mit einem professionellen Vertrieb verbunden. Vieles ist auch für den rechtlichen Rahmen zu bedenken. Umso besser, dass die Gründerin auch von der Familie unterstützt wird.

Kerstin Luensees Manufaktur ist unter www.hamburger-deern-manufaktur.de im Internet zu finden.