Rudersberg

Prämierte Eichen, Umsatzplus: Der Rudersberger Wald steht gut da

Baumfällarbeiten
„Der Rudersberger Wald macht mir sehr viel Freude“, sagt die Forstamtsleitung. © ALEXANDRA PALMIZI

Knapp die Hälfte der Gemeindefläche von Rudersberg besteht aus Wald. Sein Zustand ist daher „ein prägendes und wichtiges Thema“, so Bürgermeister Raimon Ahrens. Doch der Forst hat schwierige Jahre hinter sich mit trockenheißen Sommern, mit Schädlingen wie dem Borkenkäfer und Sturmschäden.

Umso schöner, dass die Bilanz zum Jahresende unterm Strich positiv ausfällt, wie Dagmar Wulfes kürzlich im Gemeinderat berichtete. „Der Rudersberger Wald macht mir sehr viel Freude“, sagte die Leiterin des Forstamts im Rems-Murr-Kreis. „Das ist ein schöner Wald, der auch ökologisch gut dasteht.“

Im Mittelpunkt steht die Nachhaltigkeit im Forst

Die Nachhaltigkeit der Forstnutzung stehe dabei im Mittelpunkt, betonte Wulfes. Dies auch angesichts der großen Nachfrage in den letzten Monaten. „Wir könnten doppelt so viel Brennholz verkaufen, wie der Wald hergibt“, sagte sie. Ziel sei es aber vielmehr, sägefähiges Holz auf den Markt zu bringen, „und es dann erst einmal in die stoffliche Verwendung zu bringen“, so dass etwa Möbel oder Dachstühle entstehen, was CO2 binde. Nach 50 Jahren könne es dann ja immer noch verbrannt werden.

Nur Holz, das krumm und nicht dafür geeignet sei, oder Reste aus den Sägewerken würden direkt einer energetischen Nutzung als Brennholz zugeführt. „Das ist eine Gratwanderung, weil die Nachfrage nach Brennholz gerade enorm hoch ist.“ Deutschlandweit würden fast 40 Prozent des Holzes energetisch genutzt, was indes zu viel sei.

Problemkind Buche

Doch natürlich gibt es auch im Rudersberger Wald Problemkinder. Dazu zählt etwa die Buche, die einst als die Mutter des Waldes, als der stabilste Baum galt. „Jetzt haben uns die Jahre 2018/19 gelehrt, dass das nicht so ist.“ Die trockenheißen Sommer hatten den Bäumen zugesetzt.

Im Wald seien immer mehr Buchen zu beobachten mit kaputter Rinde, die Sonnenbrand hatten, bei denen dann Nährstoff- und Wasserleitungen beschädigt seien. „Die sterben dann sehr schnell ab“, was in der Nähe von Bebauung und Straßen eine Gefahr sei. „Wir gehen daher weg von der Buche und den Monokulturen und schauen, dass wir mehr mischen und so viel Vielfalt wie irgend möglich im Wald schaffen“, so Wulfes. „Je mehr man mischt vom Alter, von der Höhe oder von der Baumart, desto besser funktioniert es.“

2022 lieferten selbst Schad- und Sturmholz hohe Preise

Viel besser steht es derweil um die Eiche in Rudersberg. Das zeigt sich auch daran, dass in einem Waldstück seit diesem Jahr zertifiziertes Saatgut entsteht. Wie berichtet, stehen auf gut acht Hektar Fläche 160 Jahre alte Traubeneichen, die im gesamten süddeutschen Alpenvorland von Baumschulen, aber auch von Rudersberg selbst genutzt werden können.

Stürme und Schädlinge machen aber auch vor Rudersberg nicht halt, wie aus den Zahlen von Christian Hamann, dem Forstrevierleiter in Rudersberg und im Weissacher Tal, hervorgeht. Besonders 2019 und 2020 gab es viel Schadholz (mehr als 80 Prozent). In diesem Jahr betrug die Quote immer noch 63 Prozent. Immerhin: Beim geplanten Einschlag ist man im Sieben-Jahres-Plan im Soll. Und: Aufgrund des sehr hohen Holzpreises kann in diesem Jahr ein Überschuss von rund 267.000 Euro erzielt werden. Das lag laut Hamann auch daran, dass selbst Sturmholz zu sehr hohen Preisen verkauft werden konnte. So wird aus den geschädigten Buchen etwa immer noch gutes Bauholz.

Rudersberger Eichen als Weinfässer in Frankreich

Bürgermeister Ahrens wies zudem darauf hin, dass bei einer Submission Rudersberger Eichen nach Frankreich verkauft wurden und dort als Weinfässer zum Einsatz kommen, „was zeigt, dass wir einen qualitativ hochwertigen Bestand haben“.

Gepflanzt wurden in diesem Jahr 90 Eichen und Wildbirnen. Auf einer Fläche von 16 Hektar wurden außerdem Jungbestandspflege und Kultursicherung betrieben. Auch der Eichenschirmschlag wurde durchgeführt, diese Bäume benötigen nämlich sehr viel Licht, um zu wachsen. Verkehrssicherungsmaßnahmen wurden außerdem durchgeführt in Necklinsberg und Lindental, gemeinsam mit Waldbesitzern und der Gemeinde.

Kommendes Jahr erneut Überschuss

Was ist im Gemeindewald nun für das kommende Jahr geplant? Auch 2023 rechnet Revierförster Hamann mit einem Überschuss von gut 80.000 Euro bei den rund 3700 Festmetern Holz, die geschlagen werden sollen.

Welche Bäume im kommenden Jahr gepflanzt werden sollen

Neupflanzungen stehen im Gegenzug auch an, vor allem mit trockenresistenten Eichen, aber auch Esskastanien oder Eicheln. Außerdem mit Douglasien, Edelkastanien, mit Schwarznuss, Schwarzkiefer, Baumhasel, Speierling oder Spitzahorn – das ist die zuvor beschworene Durchmischung und Vielfalt im Wald. Insgesamt 2650 Bäume sind im Betriebsplan für das kommende Jahr vorgesehen. Hinzu kommen wieder Verkehrssicherungsmaßnahmen, etwa am Jux-Parkplatz, sowie in die Bestandspflege von jungen Bäumen.

Aus dem Gremium gab es Lob für die Arbeit des Revierförsters und den Ansatz, das Holz erst einmal nicht energetisch zu verwerten. Es gab aber auch die Nachfrage, ob man den Holzverkauf zugunsten Einheimischer und zulasten von Großkunden organisieren könnte. Das geschehe bereits, erwiderte Hamann. An eine Person würden maximal 50 Festmeter verkauft werden.

Ist eine Wiederaufforstung geplant?

Auch kam die Frage nach einer möglichen Rückbewaldung auf. Revierleiter Hamann sagte dazu: „Wir bepflanzen so gut wie jede freie Fläche, wo es Sinn macht“, das sei aber sehr aufwendig.

Forstamtsleiterin Dagmar Wulfes wies in diesem Zusammenhang noch auf einen Konflikt hin: „Wir sind da im Landratsamt nicht ganz einig mit den anderen Ämtern. Das Landwirtschaftsamt will gute landwirtschaftliche Flächen behalten, das Umweltamt will es lieber so lassen, wie es ist.“ Und das Forstamt sei nicht die genehmigende Behörde, „wir nehmen nur Stellung“. Bürgermeister Ahrens meinte dazu: „Jede Nutzungsart hat ihren Vorteil, deshalb ist das im Prinzip auch richtig so.“

Der Betriebsplan für den Gemeindewald wurde schließlich einstimmig beschlossen.

Knapp die Hälfte der Gemeindefläche von Rudersberg besteht aus Wald. Sein Zustand ist daher „ein prägendes und wichtiges Thema“, so Bürgermeister Raimon Ahrens. Doch der Forst hat schwierige Jahre hinter sich mit trockenheißen Sommern, mit Schädlingen wie dem Borkenkäfer und Sturmschäden.

Umso schöner, dass die Bilanz zum Jahresende unterm Strich positiv ausfällt, wie Dagmar Wulfes kürzlich im Gemeinderat berichtete. „Der Rudersberger Wald macht mir sehr viel Freude“, sagte die

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 83,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper