Rudersberg

Rüdiger Burkhardt: Ortsgespräch nach dem Gemüsekauf

Rüdiger Burkhardt
Eine Besucherin des Wochenmarkts kam mit Rüdiger Burkhardt ins Gespräch zum Thema Verkehr. Mit der AfD kann sie aber nichts anfangen, sagt sie unserer Zeitung. © Alexandra Palmizi

Rudersberg. Zwei Grad über null zeigt das Thermometer zunächst, als Rüdiger Burkhardt in der Ortsmitte seine Prospekte verteilt. Der Kandidat für das Amt des Bürgermeisters sucht das Gespräch. Vielen ist der Verkehr ein Anliegen. Da kennt sich der Fachbereichsleiter im Landratsamt aus. Dass er AfD- Mitglied ist, darauf spricht ihn zumindest während des Pressebesuchs niemand an. Doch im Wahlkampf hat er auch schon ablehnende Stimmen erlebt.

Es ist ein frischer Morgen. In der Ortsmitte hebt der Alltag an. Der Gemüsehändler nahe der Kreuzung hat Mandarinen, Möhren und Rosenkohl längst aufgebaut. Ein paar Meter weiter hat Rüdiger Burkhardt einen kleinen Stand aufgestellt. Rosa Tischdecke, eine Flasche Wasser, Wahlprospekte und sein Plakat sind dort zu finden. „Es ist ein bisschen improvisiert. Ich bin ja kein professioneller Wahlkämpfer.“ Zum Gemüsestand zieht’s stetig Kunden. Burkhardt hat Wahlprospekte in der Hand, sucht das Gespräch, stellt sich vor. Fällt es ihm schwer, Leute anzusprechen? „Eigentlich ned.“

Er hat Erfahrung, war in der Vergangenheit bereits bei der CDU und den Grünen. Um parteipolitische Fragen geht’s den Leuten auch nicht, die einen Prospekt mitnehmen oder mit dem Bewerber ins Gespräch kommen. Der Verkehr ist vielen ein Anliegen, der Schwerverkehr sollte aus dem Ort raus. Burkhardt ist für ein Durchfahrtsverbot, sieht dafür aber kaum Möglichkeiten. „Das ist ein Stück weit unrealistisch.“

"In dem Dorf sollte sich ein bisschen was tun"

„Sie sind der Herr Burkhardt.“ Eine Kundin hat ihn erkannt und trägt ihre Sorgen vor. Um den Verkehr zwischen Kreisverkehr und Edeka geht’s ihr. „Vollgas fahren sie da runter.“ Sie findet: „Dreißig gehört da überall her.“ Rüdiger Burkhardt, tätig im Landratsamt, weiß: „Die Zone 30 wurde schon massiv eingeführt.“ Er spricht unter anderem von städtebaulicher Vertretbarkeit, von der Abwägung zwischen Verkehr und Sicherheit. „Das muss man prüfen.“ Und zu wenig Zebrastreifen gebe es, sagt die Frau. „Open Space ist die Vermischung eigentlich feindlicher Verkehrsströme“, so Burkhardt. Wenn man es ernst nehme, müsse man mehr Zebrastreifen ausweisen. Und: „Man muss Open Space auch in die anderen Ortsteile ausdehnen.“

Einen weiteren Wunsch hat die Kundin: „In dem Dorf sollte sich ein bisschen was tun“, findet sie. „Es gibt kein Café“, nennt sie ein Beispiel. Viele ziehe es nach Schorndorf. Burkhardt nickt. „Die Hälfte der Kaufkraft fließt in Rudersberg woandershin ab.“ Es bestehe dringender Handlungsbedarf. Aber: „Die Kommune kann ins Wirtschaftsgeschehen nicht unmittelbar eingreifen.“ Eine Potenzialanalyse kann Abhilfe schaffen. „Damit ist es nicht getan. Das muss auch umgesetzt werden. Die Leute müssen es annehmen“, sagt er.

Ein Gesprächspartner versucht eine Zusage zu erhalten

Ein Mann schaut vorbei. Er wohnt an der Ortsdurchfahrt oberhalb vom Rathaus. „Das Hauptproblem oben sind die Lkw.“ Es gebe Bodenwellen. „Wenn die Lkws fahren, tut’s Schläge.“ Raserei komme hinzu. „Es wird nichts gemacht.“ Im Lärmschutzkonzept sei das Gebiet nicht. Rüdiger Burkhardt weiß es im Detail nicht, denkt über lärmmindernden Asphalt nach, macht sich Gedanken. „Das hab’ ich alles schon mal gehört, nehmed’ Sie’s mir ned übel“, sagt der Mann. Er führt die Landesstraße nach Welzheim an, die ein Stück weit neu gemacht worden sei. „Und hier, wo Zigtausend Autos täglich durchfahren, passiert nichts.“ Burkhardt will, so er Bürgermeister wird, mit Unterstützung des Lärmaktionsplans vordringlichen Bedarf geltend machen.

Auch an der neu gestalteten Ortsdurchfahrt hat der Mann seine Kritik. Burkhardt hört zu, dann gibt er zu bedenken, eine Bedarfsbeschreibung sei richtig. Es müsse aber auch finanziert werden. Die Verwaltung könne Anliegen an die richtige Stelle leiten. Wenn es die nicht sofort umsetze, bitte er um Verständnis. „Hab’ ich schon seit zehn Jahren“, sagt der Herr. Er besteht darauf: „Es sollte sofort etwas passieren. Da stimmt was im System ned.“ Nun wird Burkhardt grundsätzlich. „Es gibt verschiedene Begehrlichkeiten. Der Gemeinderat wägt ab. Er ist das demokratische Organ.“ Beide Gesprächspartner vertiefen sich in Details. Letztlich versucht der Herr, eine Zusage zu erhalten: „Wenn Sie Bürgermeister werden, dann wird das da oben gemacht?“ „Dann kommen Sie bei mir vorbei“, so Burkhardt. Er wolle nach dem Anliegen schauen, mehr sagt er nicht zu.

AfD-Mitgliedschaft: "Falsche Partei"

Dass Burkhardt in der AfD Mitglied ist, ist zumindest während der Anwesenheit der Redakteurin kein Thema am Stand. „Es gab auch ablehnende Stimmen“, berichtet Burkhardt aus seinem Wahlkampf. „Falsche Partei“, nennt er ein Beispiel. Er habe aber damit gerechnet, sagt er zu solchen Reaktionen.
 


Mehrere Varianten

Für den Wahlkampf setzt auch Rüdiger Burkhardt auf mehrere Möglichkeiten. Er hat in den Ortsteilen Flyer verteilt, mit Ortschaftsräten gesprochen, hat sich bei Vereinen vorgestellt sowie bei einigen Fraktionen, nicht bei allen, erzählt er. Er habe mit allen Kontakt aufgenommen. „Es kamen nicht mit allen Termine zustande“, so Burkhardt. Ursprünglich habe er sich in allen Ortsteilen in einer Lokalität vorstellen wollen. Er habe das dann aber wieder rückgängig gemacht angesichts der Veranstaltungen der Kommune in Rudersberg und den Teilorten. Er habe die Abwägung getroffen, „dass das die Leute überfordert. Wer kommt bei so vielen Veranstaltungen zu einem Einzelkandidaten wie dem Herrn Burkhardt?“ Burkhardt hat eine Homepage, hat plakatiert und ist bei Facebook.

Den anderen Kandidaten wird unsere Redaktion auch noch beim Wahlkampf über die Schulter schauen.