Rudersberg

Rudersberg: Kriterien für Mitfahrt im Kindergartenbus beschlossen

Rudersberg Kindergarten Bus_0
Eine wichtige Institution für Rudersberger Familien: Der seit Jahren von Barbara Bauer gefahrene Kindergartenbus. © ZVW/Alexandra Palmizi

Rudersberg. Seit mehr als 30 Jahren transportiert ein Kleinbus Rudersberger Kinder in ihre Kindergärten. Doch der Bedarf übersteigt inzwischen deutlich dessen Kapazitäten. Um das Angebot aufrechterhalten zu können, hat die Gemeinde nun Vergabekriterien beschlossen. Betroffene Eltern würden sich hingegen eine Ausweitung wünschen – und wären bereit, dafür auch zu zahlen.

Als einen „Schritt zurück“ bezeichnete das ein Vater aus Lindental, der sich in der Bürgerfragestunde zu Wort meldete. Denn für seinen Ortsteil, aus dem aktuell zehn Kinder den Bus nutzten, gebe es keine Alternative mit dem öffentlichen Nahverkehr. Den Eltern bliebe also nur die Fahrt mit dem eigenen Fahrzeug. „Und das wollen wir doch vermeiden.“

„Das Angebot erleichtert so viel“, meint eine betroffene Mutter

Er könne sich vorstellen, das Angebot mit einer Eigenbeteiligung zu unterstützen, dann könnten auch mehr Kinder transportiert werden. Eine Mutter aus Mannenberg pflichtete dem bei, denn „das Angebot erleichtert so viel, vor allem, wenn man arbeitstätig ist“. In vielen Außenorten gebe es ja keine Kindergärten.

„Es ist, das muss man fairerweise sagen, ein freiwilliges Angebot“, entgegnete Bürgermeister Raimon Ahrens. „Und wir kommen an den Punkt, wo man die Kosten ansprechen muss.“ Im vergangenen Jahr fielen für den Betrieb des Kindergartenbusses rund 30 500 Euro an. Der Bus hat Platz für acht Kinder, 25 haben ihn im vergangenen Jahr genutzt.

Wenn die Gemeinde das Angebot jetzt ausweiten würde, wäre mindestens die Anschaffung eines zweiten Busses und die Anstellung zusätzlicher Fahrer notwendig. Ein regulärer Linienbus als Ersatz gehe aus versicherungsrechtlichen Gründen nicht. Denn hier müssten die Eltern zusammen mit den Kindern fahren. „Wir wollen das Angebot aber aufrechterhalten, deshalb müssen wir Zugangskriterien definieren.“ Das sei keine einfache Entscheidung, aber bei dem Bus handle es sich schließlich „um keine Serviceleistung, sondern ein Backup-Angebot, um Familien zu stützen.“

In Rudersberg gebe es im Moment 500 Betreuungsplätze, ergänzte Hauptamtsleiter Achim Laidig. Aktuell werden drei Einrichtungen von dem Kindergartenbus angefahren. Wenn das Kinderhaus im Steinhaldenweg kommendes Jahr eröffne, gebe es in Rudersberg aber zehn. Erschwerend komme hinzu, dass nicht alle Kinder in den Kindergarten an ihrem Wohnort gingen. Weitere Fahrtwege seien da unvermeidlich. Eine Garantie auf einen Platz im Bus könne es nicht geben. „Das Angebot wird sehr geschätzt, ist aber eine Freiwilligkeitsleistung.“ So wie es im Augenblick laufe, sei es aber ungut, befand Laidig.

Diese Kriterien sollen künftig gelten

Künftig werde es deshalb mehrere Auswahlkriterien geben. Erstens für Härtefalle, sprich: Schulkinder, deren Beförderung eine kommunale Pflichtaufgabe ist und daher Vorrang hat. Zwischen einem und fünf Kinder würden das in der Regel nutzen. Zweites Kriterium: die Anbindung des Wohnorts. Künftig werden die Teilorte Klaffenbach, Mannenberg, Zumhof, Lindental und Necklinsberg angefahren. Drittes und letztes Kriterium schließlich ist das Soziale. Alleinerziehende Berufstätige, Familien ohne Führerschein oder Auto sowie mit Pflegefällen in der Familie werden künftig vorrangig behandelt.

Dem hat der Gemeinderat einstimmig zugestimmt – aber nicht, ohne vorher noch einmal über das Thema zu diskutieren. Dabei gab es viel Anerkennung für den Kompromissvorschlag der Verwaltung. Eberhard Layer (Freie Wähler) etwa bezeichnete die Vorlage als „sehr gut“.

Eine finanzielle Beteiligung der Eltern wird geprüft

Die Räte hatten aber auch Kritikpunkte und Verbesserungsvorschläge. Alexander Beck (Rudersberger Bürger) plädierte dafür, die Diskussion noch nicht zu beenden. Schließlich sei der Bus eine „Institution“ und eine „tolle Geschíchte“. Er schlug vor, ein zweites Fahrzeug anzuschaffen, dafür örtliche Firmen ins Boot zu holen und 450-Euro-Kräfte als Fahrer zu gewinnen.

„Wie erkläre ich meinem Kind, dass es nicht fahren darf, das Nachbarskind aber schon?“, fragte sich Fraktionskollege Werner Klöpfer. Das Angebot sollte daher noch einmal optimiert werden – gerade mit Blick auf die Einrichtung im Steinhaldenweg, die kommendes Jahr eröffnet. „Dort ist ein Parkchaos zu erwarten.“ Wolfgang Bogusch (ebenfalls Rudersberger Bürger) fand den Kompromiss im Grunde unstrittig, forderte aber, eine finanzielle Beteiligung der Eltern zu prüfen. Ein Vorschlag, der unter den Gemeinderäten viel Zustimmung erhielt (siehe: Zitate aus der Diskussion).

Und den der Bürgermeister dann auch in den Beschluss mitaufnahm. Die Gemeinde wird nun die Kosten einer möglichen Ausweitung berechnen, mit den Eltern das Gespräch suchen und prüfen, welche Alternativen es noch geben könnte.

Wobei Ahrens offen zugab: „Ich bin skeptisch, ob wir das hinbekommen, will das aber wagen.“

 


Rudersberg. Seit mehr als 30 Jahren transportiert ein Kleinbus Rudersberger Kinder in ihre Kindergärten. Doch der Bedarf übersteigt inzwischen deutlich dessen Kapazitäten. Um das Angebot aufrechterhalten zu können, hat die Gemeinde nun Vergabekriterien beschlossen. Betroffene Eltern würden sich hingegen eine Ausweitung wünschen – und wären bereit, dafür auch zu zahlen.

Als einen „Schritt zurück“ bezeichnete das ein Vater aus Lindental, der sich in

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 83,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper