Rudersberg

Sanierungsarbeiten im Hebungsgebiet enden

GeologischeHebungen
Mithilfe von Bohrgerät werden in Zumhof derzeit zwei Grundwasser-Messstellen aus dem Boden entfernt. © ZVW / Schneider

Rudersberg-Zumhof. In vier Wochen soll’s still werden in Zumhof. Im hebungsgeplagten Teilort werden noch zwei Grundwasser-Messstellen zurückgebaut, damit enden die Sanierungsarbeiten. Die Hebungen haben sich verringert. Sie lagen im Frühjahr bei weniger als zwei Millimetern monatlich. Bis der Untergrund ganz zur Ruhe kommt, dauert’s noch. Die seit 2013 erfolgten Sanierungen greifen aber, davon gingen Vertreter des Landratsamts gestern vor Ort aus.

Ein rund 17 Meter hohes Bohrgerät frisst sich derzeit vor Ort in die Tiefe, um eine der beiden Grundwasser-Messstellen wieder zu entfernen. Von ihnen gibt es zwei, eine in rund 80, die andere in etwa 33 Metern unter der Oberfläche. Durch einen Schlauch werden eine Spülflüssigkeit, die dem Anhydrit nicht schadet, und gelöstes Material nach oben befördert. Nur ein kleiner Bohrer ist über dem Boden zu sehen, größere Technik arbeitet darunter. Derzeit wird die tiefergelegene der beiden Grundwasser-Messstellen zurückgebaut, aus der zweiten, flacheren wurde bereits ein Teil entfernt, sie wird anschließend ebenfalls vollständig aus dem Untergrund geborgen, erläuterten gestern Ingenieur Andreas Krumwieh vom Amt für Umweltschutz des Landratsamts sowie Bauingenieur Frank Burkhardt von der ausführenden Firma. Auch für die Entfernung der beiden Grundwasser-Messstellen kommt ein technisch anspruchsvolles Verfahren zum Einsatz. Diese Bohrungen werden mit Quellton flexibel und dauerhaft abgedichtet. In vier Wochen sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.

Geologische Veränderungen durch Erdwärmebohrungen

Mit den beiden Messstellen wurden der Grundwasserstand und der Einfluss der Sanierungen auf diesen beobachtet. Die erfolgten Sanierungsarbeiten hatten keine Auswirkungen auf den Grundwasserstand. „In der ganzen Zeit hat sich das Grundwasser nicht verändert“, berichtet Andreas Krumwieh. Die beiden Kontrolleinrichtungen werden nicht mehr gebraucht. Sie können beseitigt werden und sollten es auch, weil die Messstellen ebenfalls von den Hebungen des Untergrunds betroffen sind. Stahlrohre haben sich hier nach oben bewegt, berichtet Andreas Krumwieh, wobei technische Vorkehrungen getroffen waren, um die Hebung auszugleichen. Dennoch, es wäre zu riskant, die Messstellen im Boden zu belassen, sagt der Ingenieur des Landratsamts.

Die Behörde geht davon aus, dass mit deren Rückbau die Sanierungsmaßnahmen in Zumhof nun abgeschlossen werden können. Sie waren notwendig geworden, nachdem es in drei Zumhofer Baugebieten zu geologischen Veränderungen infolge von Erdwärmebohrungen gekommen war. Seit 2013 sind verschiedene fehlgeschlagene oder auffällige Erdwärmesonden-Bohrungen mit differenzierter Technik saniert worden (wie berichtet). Zwischen 2007 und 2009 waren 20 Erdwärmesonden gebohrt worden. 2012 dann wurde festgestellt, dass sich der Boden im betroffenen Gebiet um bis zu 40 Zentimeter angehoben hatte. Verantwortlich dafür war das Gipskeuperquellen, aus dem Mineral Anhydrit wird mit Wasser Gips, der dehnt sich aus, der Boden hebt sich. Im Hebungsgebiet gibt es rund 50 Immobilien, an denen es zu Schrägstellungen und Rissen kam.

Fläche, auf der sich der Boden hebt, wird kleiner

Seit 2012 werden alle 20 Erdwärmesonden regelmäßig untersucht (eine 21. Bohrung, bei der das Bohrgestänge abgebrochen war, wurde 2013 saniert). Die fehlgeschlagene und auffällige Erdwärmesonden-Bohrungen wurden saniert. Lag die Hebungsgeschwindigkeit zunächst bei maximal sieben Millimetern im Monat, so ist sie auf weniger als zwei Millimeter monatlich zurückgegangen. „Die Sanierungsmaßnahmen, die ab Frühjahr 2013 gemacht wurden, greifen einfach“, sagt Andreas Krumwieh vom Landratsamt. Wie lange es noch dauern wird, bis der Untergrund vollkommen zur Ruhe kommt, kann der Ingenieur nicht sagen. „Das muss man abwarten.“

Bekannt dagegen ist, dass die Fläche, auf der sich der Boden hebt, kleiner wird. Von 50 Gebäuden, die zunächst im Hebungsgebiet lagen, befinden sich 15 inzwischen außerhalb desselben, ergänzt Bauingenieur Frank Burkhardt.

Werden auch die Grundwasser-Messstellen entfernt, so kontrolliert das Vermessungsamt des Landratsamts weiterhin die Hebungen. An den Häusern gibt es dafür Messpunkte oder an der Straße. Ebenfalls stehen die 16 Erdwärmesonden, die noch im Boden sind, weiter unter Beobachtung. Sie sind durch Schächte Messungen zugänglich. Indem man die Temperatur misst, stellt man fest, ob an ihnen Wasser läuft.

Kaffee und süße Stückle von den Anwohnern

Die Anwohner tragen die Sanierungen und den Rückbau der Messstellen mit Fassung, würdigt Ingenieur Burkhardt. Er berichtet von spendiertem Kaffee und süßen Stückle für die Arbeiter, es gebe ein gutes Miteinander. Bezüglich der Schäden an den Häusern weiß Andreas Krumwieh vom Landratsamt, dass kleinere Reparaturen laufend gemacht würden. Die grundlegenden Sanierungen, davon geht er aus, folgten dann, wenn klar ist, dass die Hebungen zur Ruhe gekommen sind.

Die Sanierungen in Zumhof zahlt nicht der Steuerzahler, darauf weisen die Vertreter des Landratsamts hin, sondern das Unternehmen, das ursprünglich die Erdwärmebohrungen vorgenommen hat. Die Kosten schätzt man von Behördenseite grob auf den Bereich von rund eine Million Euro.