Rudersberg

Seniorenrat fragt, Kandidaten antworten

1/7
87d26bc0-1455-42ba-b18a-d577734c0dbb.jpg_0
Wie bewegen sich Senioren auch zu Fuß sicher im Straßenverkehr? Der Seniorenrat und sein Sprecher Peter Stolhofer machen sich Gedanken. © Zühr / ZVW
2/7
_1
Rüdiger Burkhardt.
3/7
_2
4/7
_3
5/7
_4
Hier, in Rudersberg, möchte Stefan Walter Bürgermeister werden.
6/7
_5
Auch Relindis Pfisterer will Bürgermeisterin von Rudersberg werden.
7/7
_6
Bernd Hegwer lebt seit vielen Jahren in Rudersberg und möchte hier Bürgermeister werden.

Rudersberg. Ein Seniorenmobil? Ein Mitfahrbänkle? Oder ein Ruftaxi? Die Frage, wie Senioren in Rudersberg besser mobil sein können, beschäftigt den Seniorenrat. Der setzt sich dafür ein, dass die Rudersberger gesellig, gut versorgt und informiert älter werden. Für dieses Ziel lässt sich einiges tun. Was, das zeigt Seniorenratssprecher Peter Stolhofer in unserer Serie „Wahl-Check“ auf.

„Wer fährt mich?“, die Frage stellen sich Senioren oft, insbesondere in den kleineren Teilorten, weiß Peter Stolhofer. „Nicht alle haben die Kinder daheim.“ Gefragt sind vor allem Fahrten innerhalb von Rudersberg. „Wir hören immer wieder von unseren Senioren: Wir haben keine Möglichkeit, in den Hauptort zu kommen“, weiß der Sprecher des Seniorenrats. Mit Schülerbussen können die Älteren mitfahren, das sei aber weniger praktisch für Senioren, so Stolhofer. Auch Querverbindungen, etwa von Mannenberg nach Steinenberg, sind gefragt.

Es gibt natürlich auch Busverbindungen. „Aber für Senioren ist das Einsteigen schwierig“, sagt Peter Stolhofer, etwa mit einem Rollator. Der Bus müsse eine Rampe ausfahren, das dauere, mancher Fahrer werde „ein bisschen bruddelig“. Oder Senioren trauten sich nicht recht, mitzufahren oder auf Hilfe zu bestehen. Mancher Bus habe nicht die nötige Vorrichtung. So oder so: „Es geht um die Beweglichkeit innerhalb der Gemeinde“, fasst Stolhofer zusammen. Lidl und Edeka sind wichtige Ziele, ebenso die Ärzte.

Immer weniger Landärzte

Der Seniorenrat macht sich dazu Gedanken. Mitfahrbänke wie in Remshalden wären eine Möglichkeit. Ein Ruftaxi wäre eine andere, für das es einen Zuschuss gibt, möglich wäre ein Gutscheinheft für Senioren. Und ein Seniorenmobil, gesteuert von Bürgern nach dem Modell eines Bürgerbusses, wäre eine weitere Variante. „Wir sind für vieles offen“, sagt Peter Stolhofer.

Auch die medizinische Versorgung hat der Seniorenrat im Blick. „Die Landärzte werden immer weniger.“ Noch ist Rudersberg gut versorgt. Aber: „Es geht nicht um den Augenblick, sondern um die Zukunft.“ Im Fokus stehen ebenso Pflege- und Kurzzeitpflegeplätze. Für Letztere „wird nach Welzheim ausgewichen“, so Stolhofer.

Projekt soll mit HGV und Bürgermeister abgeschlossen werden

Ein ganz anderes Anliegen des Seniorenrats heißt „seniorenfreundlicher Service in der Gemeinde“. Im August hatten Seniorenräte unserer Zeitung von der Idee berichtet. Dabei ist etwa an Hilfe beim Einkauf, Toiletten, Sitzmöglichkeiten oder einen Lieferservice gedacht. „Wir waren mit dem HGV dran“, sagt Peter Stolhofer. Das Projekt müsse zusammen mit dem HGV und dem Bürgermeister zum Abschluss kommen. Wobei Stolhofer weiß, dass sich manche Senioren auch schwertun, um Unterstützung zu bitten. „Man muss sich trauen, nicht nur zu fragen, auch zu hinterfragen.“

Wer in Rudersberg einkauft, bewegt sich zu Fuß im Ort, überquert die vielbefahrenen Straßen. Klar, dass ältere Menschen das nicht mehr so schnell können und auch unsicherer sind. Zur Tempo-30-Zone an der Hauptstraße merkt der Seniorenratssprecher an: „Wenn sie konsequent überwacht und eingehalten würde, hätten wir einige Probleme weniger. Da muss man sich trauen, auch rechtlich vorzugehen.“ Und der Zebrastreifen? Da bestehe rechnerisch ein höheres Risiko als ohne, meint Peter Stolhofer. „Wir haben ja immer wissenschaftliche Studien, wo man das nachlesen kann.“ Ampeln wären eine Möglichkeit? Peter Stolhofer zeigt sich offen. „Die Diskussion ist nicht abgeschlossen. Das gibt eine Aufgabe für den neuen Bürgermeister.“


Zwei Fragen lagen dem Seniorenrat besonders auf dem Herzen. Wir haben die Kandidaten um Antwort gebeten. 

Wie konkret wollen Sie die Mobilität von Senioren verbessern?

Zu Frage eins schreibt Rüdiger Burkhardt: Eine sehr positive Entwicklung ist, dass immer mehr Frauen und Männer ein höheres Lebensalter erreichen und am sozialen Leben teilnehmen. Grundsätzlich ist mein Ansatz für Rudersberg die „Gemeinde der kurzen Wege“. Nicht nur Verkehrsprobleme können so besser gelöst werden, auch für ältere Menschen sind dann Läden, Ärzte, Vereine und Freizeitangebote vor Ort besser erreichbar. Zusammen mit dem Seniorenrat Rudersberg möchte ich einen Arbeitskreis ins Leben rufen. Der Kreis kann Verbesserungen dazu erarbeiten, wie es Menschen mit Rollatoren künftig leichter haben. Ehrenamtliche Dienste, zum Beispiel Fahr- oder Haushaltsdienste, können angestoßen werden. Bus und Bahn mit barrierefreien Zugängen werden im Alter wichtiger. Fahrpläne müssen auch mit schlechten Augen gut lesbar sein.

Wie können sich Senioren als Fußgänger sicherer im Hauptort bewegen?

Rüdiger Burkhardt: Zufußgehen ist die natürlichste aller Fortbewegungsformen. Doch gerade ältere Menschen sind gegenüber Hindernissen und Barrieren besonders sensibel. Unter Beteiligung des Seniorenrats schlage ich mehrfache Ortsrundgänge auf für Seniorinnen und Senioren relevanten Routen vor. Wichtige Routen sind zum Beispiel vom Alexander-Stift zur Ortsmitte, zum Bahnhof oder zum Edeka-Markt. Ziel ist es, Gefahrenstellen, zum Beispiel Fahrbahnübergänge und Hindernisse, zum Beispiel Stufen, aber auch Möglichkeiten zum Verweilen, zum Beispiel Sitzmöglichkeiten, zu dokumentieren und Verbesserungsvorschläge zu beschreiben. Diese Informationen können kartografisch aufgearbeitet und mit dem Ortsplan verknüpft werden. Ein Seniorenwegeplan kann entwickelt werden. Dieser kann auch als Information für Touristen dienen.


Wie konkret wollen Sie die Mobilität von Senioren verbessern?

Raimon Ahrens: Die Mobilität von Senioren lässt sich auf mehreren Ebenen verbessern: Durch planerische Lösungen gilt es, die Gehwege barrierefrei beziehungsweise barrierearm zu gestalten. Hierbei spielt unter anderem die Auswahl des Bodenbelags eine Rolle. Auch Bushaltestellen oder Bahnhöfe sind wichtige Punkte für die Mobilität von Senioren. Deshalb sind die Bedürfnisse dieser Bevölkerungsgruppe bei der Planung und Sanierung von den Haltestellen besonders zu berücksichtigen. Außerdem will ich mich für die Einrichtung eines Seniorentaxis unter der Beteiligung von ehrenamtlichen Fahrern einsetzen. Dieses ist insbesondere für ältere Bewohner der Teilorte eine Chance, selbstständig Arzttermine wahrzunehmen oder Einkäufe zu machen.

Wie können sich Senioren als Fußgänger sicherer im Hauptort bewegen?

Raimon Ahrens: Grundsätzlich führt eine Beruhigung und Verringerung des Verkehrs zu einer erhöhten Sicherheit für Fußgänger aller Altersklassen. Deshalb werde ich mich für ein Lkw-Durchfahrtsverbot ab zwölf Tonnen einsetzen. Ein weiterer Punkt ist die Einhaltung der bestehenden Geschwindigkeitsbegrenzungen. Damit die angeordnete Geschwindigkeit eingehalten wird, sind neben der bereits erfolgten baulichen Umgestaltung auch regelmäßige Geschwindigkeitskontrollen notwendig. Nicht zuletzt muss man die Fußgängerüberwege (Zebrastreifen) in der Ortsmitte überprüfen. Sind sie an den richtigen Stellen? Gibt es Punkte, an denen eine sichere Querungsmöglichkeit fehlt? Wenn ja, gilt es, funktionierende und verkehrsrechtlich realisierbare Lösungen zu entwickeln.


Wie konkret wollen Sie die Mobilität von Senioren verbessern?

Martin Herrmann: Bisher fährt ein Kleinbus der Gemeinde für Kindergartenkinder - diese Dienstleistung möchte ich auch für Senioren anbieten, um sie von den Ortsteilen in den Hauptort zu bringen. Wo das nicht praktikabel ist, werde ich einen Bürgerbus oder ein Senioren-Taxi nach dem Modell des Ruf-Taxis einrichten. Als erste, rasch zu realisierende Maßnahme werde ich „Mitnahme“-Bänkle in den Ortsteilen und zentralen Punkten im Hauptort ausweisen, so dass mobile Mitbürger erkennen können, dass hier eine Mitfahrgelegenheit gesucht wird. Über die Gruppe „Senioren ins Netz“ könnten auch für betagte Mitbürger Mitfahrplattformen auf neuen Medien erschlossen werden.

Wie können sich Senioren als Fußgänger sicherer im Hauptort bewegen?

Martin Herrmann: Im Hauptort, insbesondere im sanierten Bereich, sorgen breite Fußgängerwege und niedrige beziehungsweise abgesenkte Bordsteine dafür, dass sich auch betagte Bürger mit Gehhilfen sicher bewegen können, auch das Tempolimit sorgt schon jetzt für mehr Sicherheit.

Wo Bordsteine an Fußgängerüberwegen noch nicht abgesenkt sind oder eine bessere Beleuchtung für mehr Sicherheit sorgt, wird das zeitnah erfolgen - das aber nicht nur im Hauptort, sondern auch in den Teilorten. Dringender Handlungsbedarf besteht auf dem Rathausvorplatz - zwischen den Steinplatten haben sich zum Teil so große Spalten gebildet, dass sich darin Gehhilfen oder Räder von Rollatoren verhaken können und eine Unfallgefahr darstellen.


Wie konkret wollen Sie die Mobilität von Senioren verbessern?

Stefan Walter: Mobilität im Alter ist wichtig, um soziale Kontakte zu pflegen, möglichst lange eigenständig leben zu können. Für Senioren, die noch selbst Auto fahren können, ist dabei ein ausreichendes Parkplatzangebot wichtig. Im Blick auf den „Wiesel“ will ich bei einer Anschaffung von neuen Zügen auf eine weitgehende Barrierefreiheit hinwirken; denn bei den älteren Zügen ist das Einsteigen beschwerlich. Für Personen, welche vor Ort keine Bus- beziehungsweise Bahnanbindung haben und selbst nicht mehr mobil sind, wäre ein Fahrservice oder Bürgerbus eine hilfreiche Ergänzung. Hierfür will ich unter Einbeziehung des Seniorenrats und Einrichtungen wie der Diakoniestation ein Konzept anstoßen, wie dies sinnvoll und finanzierbar eingerichtet werden kann und welche Synergien hierfür genutzt werden können.

Wie können sich Senioren als Fußgänger sicherer im Hauptort bewegen?

Stefan Walter: Mit der Neugestaltung der Ortsdurchfahrt in Rudersberg und dem damit verbundenen Shared-Space-Konzept sind auch Zebrastreifen weggefallen. Dies hat jedoch nicht nur Vorteile gebracht und macht die Straßenüberquerung für Ältere, aber auch für Kinder, gerade in Hauptverkehrszeiten, an einigen Stellen problematisch. Hier wäre es durchaus wünschenswert, Zebrastreifen wiederherzustellen und so für mehr Sicherheit zu sorgen. Daneben gilt es grundsätzlich für alle Verkehrsteilnehmer, mit besonderer Achtsamkeit unterwegs zu sein.


Wie konkret wollen Sie die Mobilität von Senioren verbessern?

Relindis Pfisterer: Durch die Aufteilung der Gemeinde in zwölf Teilorte ist der öffentliche Nahverkehr an manchen Stellen nicht zufriedenstellend gelöst. Zum Beispiel müssen die Bürgerinnen und Bürger aus Necklinsberg über Schorndorf nach Steinenberg fahren. Dies ist mit Umsteigen verbunden, was besonders Senioren schwerfällt. Ausgehend von einer Bürgerbefragung zum Bedarf und der Bereitschaft, sich selbst einzubringen, könnten verschiedene Varianten zum Einsatz kommen. Eine Möglichkeit könnte ein Bürgerbus oder ein Ruftaxi sein, das über Fahrpreis, Spenden und die Kommune mitfinanziert wird. Eine weitere Möglichkeit wäre eine bessere Vernetzung der Bürgerschaft untereinander, so dass Personen aus dem Teilort andere mitnehmen. Dafür könnte ein spezieller Treffpunkt im Ort angelegt werden. Eine bessere Taktung des bestehenden ÖPNV ist zu prüfen.

Wie können sich Senioren als Fußgänger sicherer im Hauptort bewegen?

Relindis Pfisterer: Die Sicherheit von Fußgängern im Hauptort wurde durch das Shared-Space-Konzept verbessert. Die Grünphase an der Ampel beim Rathaus sollte seniorengerecht und mit Ton für Sehbehinderte gestaltet werden. Die Gehwege sind auf Stolperfallen hin zu untersuchen. Bei der Straßensanierung ist die barrierefreie Gestaltung der Gehwege zu berücksichtigen. In Zusammenarbeit mit der Volkshochschule könnte ein Praxistraining angeboten werden. Dabei gehen die Senioren und ein Coach zu den Gefahrenpunkten und spielen unterschiedliche Alltagssituationen durch. Dadurch bauen die Senioren Ängste ab, sie fühlen sich sicherer und sind wieder selbstbewusst mobil unterwegs. Wenn Senioren Besorgungen mit Nachbarn, Bekannten oder Verwandten unternehmen, wird das Sicherheitsgefühl ebenfalls gesteigert.


Wie konkret wollen Sie die Mobilität von Senioren verbessern?

Bernd Hegwer: Ist in Rudersberg und Schlechtbach noch eine gute Anbindung durch die Wieslaufbahn gegeben, zumindest in Richtung Schorndorf und an Wochentagen, sieht es in den anderen Teilorten eher trüb aus. Vorstellbar wäre zum Beispiel ein Senioren-Pass. Dieser kann genutzt werden, um von einem Taxi zum nächsten Haltepunkt gebracht zu werden, um dann mit dem öffentlichen Verkehr weiterzufahren. Denkbar sind auch Sammeltaxis direkt zum Zielort. Der Eigenanteil orientiert sich an den Preisen des öffentlichen Verkehrs. Bedürftige Senioren können zum ermäßigten Preis fahren. Die genaue Ausgestaltung muss sich mit den Bedürfnissen der Senioren decken. Daher sind Gespräche über Wünsche, Möglichkeiten und deren Machbarkeit unbedingt erforderlich.

Wie können sich Senioren als Fußgänger sicherer im Hauptort bewegen?

Bernd Hegwer: Im Bereich Backnanger-/Dr.-Hockertz- Sraße befinden sich eine Ampelanlage und zwei Fußgängerüberwege. Am Marktplatz wurde bei der Planung wohl ein Überweg „vergessen“. Durch die bauliche Gestaltung der Straße ist ein Überweg in räumlicher Nähe zur Kreuzung nun nicht mehr möglich. Somit kann der Überweg erst in Höhe der Volksbank eingerichtet werden. Dies bedingt den Wegfall von Parkplätzen, was zu verschmerzen ist. Weitere Maßnahmen müssen mit den Betroffenen besprochen und dann durchgeführt werden.