Rudersberg

Singkreis Rudersberg mit neuer Leiterin

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Mit Elan und feinem Gehör am Notenständer: Teresa Ritter-Schütz leitet nun den Rudersberger Singkreis. © Ramona Adolf

Rudersberg. „Verleih’ uns Frieden“, erklingt es im Gemeindehaus in Oberndorf. Erst tief von den Herren, dann höher und fein von den Damen. „Ja, klingt schon sehr schön“, lobt Teresa Ritter-Schütz. Aber ein paar Feinheiten gibt die neue Leiterin des Rudersberger Singkreises ihren Sängern noch mit auf den Weg: Mit Charme, Elan und feinem Gehör probt die Musikerin mit dem Singkreis fürs bevorstehende Konzert.

Noch ein bisschen auf die Lautstärke aufpassen. Hier am Anfang den Frauen mehr Vortritt lassen, da einen Buchstaben deutlicher aussprechen: Der unbedarfte Zuhörer kommt nicht umhin, anzuerkennen, welch feines Gehör da Hinweise liefert. Teresa Ritter-Schütz steht am Notenständer, lächelnd und konzentriert, und leitet die Sängerinnen und Sänger an, die im Halbkreis um sie sitzen. Freundlich ist die Stimmung, es wird gelacht, aber auch mit Disziplin geprobt. Was zu hören ist, klingt wunderschön: „Verleih’ uns Frieden gnädiglich, Herr Gott, zu unsern Zeiten.“ Wem geht diese Bitte nicht zu Herzen? Bei der getragenen, fast meditativen Melodie wandern die Gedanken: Wie viele Menschen haben wohl schon um die Erfüllung dieses Wunsches gebeten? Dieser Frage kann man nachspüren beim Konzert des Rudersberger Singkreises Ende April. „Da pacem domine - Verleih’ uns Frieden“ ist es überschrieben und bietet einen Querschnitt durch die Musikgeschichte unter diesem Motto (siehe nebenstehenden Artikel).

Seit dem Herbst proben die Mitglieder des Rudersberger Singkreises für das anstehende Konzert, unter der neuen Leitung von Teresa Ritter-Schütz. Sie bringt eine umfassende musikalische Ausbildung mit. Die 45-Jährige stammt ursprünglich aus Freiburg. Sie hat an der Robert-Schumann-Musikhochschule in Düsseldorf sowie in Saarbrücken studiert und schloss diesen Lebensabschnitt mit einem Abschluss als Orchestermusikerin für Querflöte sowie als Musiklehrerin ab. Eine Zeit lang musizierte sie in verschiedenen Orchestern, zum Beispiel an der Deutschen Oper am Rhein in Düsseldorf, im Sinfonieorchester Wuppertal sowie bei den Hofer Sinfonikern. „Dann kam ich nach Göppingen an die Musikschule“, erzählt Teresa Ritter-Schütz. Dort arbeitet sie seither als Musiklehrerin und hat auch mehrere Jahre Blasorchester dirigiert.

Abschluss für Chorleiter an der Waiblinger Michaelskirche gemacht

Dann kam der Wunsch auf, noch etwas anderes, etwas Neues, zu machen. Teresa Ritter-Schütz singt seit ihrer Kindheit in Chören, hat dies im Studium ebenfalls getan und hat zum Beispiel auch schon das Waiblinger Vocalensemble verstärkt. Vor drei Jahren nun begann sie eine private Gesangsausbildung und machte im vergangenen Jahr den kirchlichen Abschluss für Chorleiter an der Michaelskirche in Waiblingen beim Bezirkskantor und Kirchenmusikdirektor Immanuel Rößler. Erfahrung in der Chorleitung sammelte und sammelt sie zudem im Kirchenchor in Winterbach, den Teresa Ritter-Schütz im vergangenen Jahr übernommen hat. In Winterbach gehört sie der Kirchengemeinde an und ist auch für sie aktiv.

Über eine Gesangsleiterin kam dann im vergangenen Sommer die Anfrage, dass in Rudersberg eine Chorleiterin gesucht werde. Teresa Ritter-Schütz kam zum Probedirigat und bekam dann auch die Leitung des Rudersberger Singkreises übertragen. Die Qualitäten ihrer Sängerinnen und Sänger weiß sie zu würdigen. „Sie singen einfach sehr gut“, lobt die Leiterin ein hohes Niveau. „Das ist toll.“

Konzert am 29. April in der Johanneskirche

Der Rudersberger Singkreis lädt zu seinem Konzert „Da pacem domine - Verleih’ uns Frieden“ auf Freitag, 29. April, ein. Es beginnt um 19.30 Uhr in der evangelischen Johanneskirche in Rudersberg. Der Eintritt kostet im Vorverkauf neun Euro, an der Abendkasse zehn Euro. Karten gibt es vorab in der Buchhandlung Donner und bei den Chormitgliedern. Für Kinder und Jugendliche ist der Eintritt frei.

Im Konzert erklingen unter anderem Werke von Heinrich Schütz, Felix Mendelssohn Bartholdy, Arvo Pärt, Johann Sebastian Bach, Kurt Hessenberg und Colin Mawby.

Die Bitte um Frieden, sie ist „immer ein aktuelles Thema, über Tausende von Jahren“, erinnert Teresa Ritter-Schütz. Sie wurde immer musikalisch vertont und könnte auch heute nicht passender sein. Im Konzert des Rudersberger Singkreises werden frühe Überlieferungen aufgegriffen mit zwei gregorianischen Gesängen, wie sie Mönche einst im Gottesdienst gesungen haben. Ein Kernstück des Konzerts bildet ein Werk von Kurt Hessenberg: „O Herr, mache mich zum Werkzeug deines Friedens“. Komponiert wurde es im spätromantischen Stil nach dem Zweiten Weltkrieg, und es ist „unser anspruchsvollstes Stück“, verrät die Singkreis-Leiterin über den Schwierigkeitsgrad. „Daran üben wir gerade kräftig.“

Das Eröffnungsstück, so viel sei schon verraten, ist „Verleih’ uns Frieden“ von Felix Mendelssohn Bartholdy. Zu Gehör gebracht wird außerdem eine Motette aus dem 16. Jahrhundert „Verleih’ uns Frieden gnädiglich“ von Heinrich Schütz. Es erklingen aber auch zwei Kompositionen von Frauen, nämlich von Jutta Bitsch und Nurit Hirsch, einer Komponistin aus Israel. Es wird während des Konzerts Erläuterungen zu den einzelnen Stücken geben. An der Orgel beziehungsweise am Klavier ist Elisabeth Englert aus Rudersberg zu hören.

Der Singkreis

Den Rudersberger Singkreis gibt es seit 1991. Die Sängerinnen und Sänger bringen Instrumental- oder Chorerfahrung ein. Das Singen macht ihnen Freude, sie wollen oder können sich jedoch nicht in einem Verein engagieren. Die Mitglieder treffen sich im Herbst und proben ein Programm, das im Frühjahr in einem Konzert aufgeführt wird, erklärt Teresa Ritter-Schütz. Dabei wechseln sich geistliche und weltliche Programme ab.