Rudersberg

Statt Burger und Pommes: Corona-Test in Rudersberger Drive-in

Corona-Drive-in-Tessttation
Mit dem Auto vorfahren und sich testen lassen – in Rudersberg ist das jetzt möglich. © ALEXANDRA PALMIZI

Der Corona-Schnelltest macht hier seinem Namen alle Ehre. In der Drive-in-Teststation ist man in knapp zehn Minuten durch und hat nach rund 20 Minuten sein Ergebnis. Bei der Arztpraxis von Philipp Höschele in Rudersberg-Steinenberg wird seit kurzem direkt am Auto getestet. Der Arzt erklärt, wie das Prozedere läuft.

Autofenster runter, Namen sagen, kurz warten, Kopf entspannt in den Nacken legen, Stäbchen in die Nase, paarmal drehen – „einfacher geht’s nicht“, sagen Denise und Jannis Machleb aus Miedelsbach. „Wir haben ein Neugeborenes daheim und möchten die Gewissheit haben, wenn morgen Oma und Opa zu Besuch kommen, dass wir nichts in uns haben“, ergänzt er. Ihnen sei klar, dass der Test nur eine Momentaufnahme ist. „Es ist besser, als gar nichts zu wissen.“ Für etwas mehr Normalität würden sie sich täglich testen lassen, sagen sie.

Maria Seifert aus Weissach im Tal will den Test künftig jede Woche machen. „Ich habe wieder mehr Angst“, sagt die Mutter von drei Kindern. Corona sei ihr in der vergangenen Woche sehr nahe gekommen durch einen Todesfall im Kindergarten ihrer Neffen und Nichten. „Die Frau war noch jung, sie ist an einer Mutation gestorben“, sagt sie sichtlich erschüttert. Sie habe sich zuerst überlegt, nach Backnang in ein Testzentrum zu fahren, das von der Luftlinie her näher am Wohnort gewesen wäre. „Die Drive-in-Station liegt geschickter am Weg und ich muss nirgendwo erst reingehen“, schildert sie, was sie überzeugt hat.

Kurz unangenehm

Der Test selbst? „Im ersten Moment ist es so wie mit etwas Chlor in der Nase, aber nur ganz kurz unangenehm“, beschreibt Denise Machleb die kurzfristige Nasenloch-Belagerung. Für den tiefen Nasen-Rachen-Abstrich lassen sie kurz das Fenster runter. Der Mitarbeiter von Dr. Höschele kommt mit dem trockenen Stäbchen zu ihnen. „Entspannt ein- und ausatmen“, sagt Amadeus Cserba und führt es in die Nase, wo es nach Antigenmaterial „fischt“. Nach dem Abstrich taucht er es in eine Extraktionslösung ein und träufelt von dieser Flüssigkeit drei Tropfen auf einen Teststreifen. „Es ist wie ein Schwangerschaftstest“, erklärt Amadeus Cserba. Liege eine Infektion vor, seien Fragmente des Virus auf dem Stäbchen nachweisbar, auf dem Teststreifen würden sich zwei Striche zeigen.

Den Aufwand für etwas mehr Sicherheit finden Machlebs minimal. „Wären wir in ein Impfzentrum gefahren, wäre der Weg weiter gewesen“, sagen sie. Der Schnelltest wird seinem Namen wohl gerecht - es geht schnell, schon die Organisation sei „easy wie eine Kinobuchung online“, meint ihr Mann Jannis. „Wir haben nur unseren Namen und die Adresse auf der Homepage der Arztpraxis eingegeben und konnten sofort die Uhrzeit für heute eintragen.“ Auch über das Schnelltestportal des Rems-Murr-Kreises hätten sie mit wenigen Klicks ihren Termin gehabt. „Per Mail kamen dann die Hinweise, dass wir zum Beispiel nicht kommen sollen, wenn wir Symptome haben“, berichtet Denise Machleb. „Einfacher geht’s nicht.“ Das hört Dr. Philipp Höschele gerne, der mit dem Ziel eines „niederschwelligen Testangebots“ die Drive-in-Station ins Leben gerufen hat. „Ein Test soll unkompliziert sein und nicht viel Zeit in Anspruch nehmen“, sagt er. Dies erhöhe es die Akzeptanz und könne helfen, unentdeckte Infektionen nachzuweisen.

Die Patienten können direkt nach dem Test weiterfahren, der mit Anmeldung nicht länger als rund eine Minute dauert. „Ihre Ergebnisse bekommen Sie in den nächsten 20 Minuten per Mail“– mit der Ankündigung entlässt Amadeus Cserba die jungen Eltern in den freien Samstag. Für ihn geht die Arbeit noch weiter: „Ich möchte damit etwas Dienst an der Öffentlichkeit machen“, sagt der 19-jährige Gymnasiast aus Urbach über seine Motivation für die verantwortungsvolle Arbeit, die viel „Konzentration und Präzision“ erfordere und für die er fachmännisch eingelernt worden sei. Mehrere Wecker liegen auf dem Tisch: Pro Test stelle er einen davon. „Nach einer Viertelstunde ist das Ergebnis verfügbar, nach 20 Minuten sollte man es nicht mehr abrufen, weil es dann ungenau wird“, erklärt er. Auch wenn es die absolute Gewissheit derzeit nicht geben kann, so ist ein Test derzeit von vielen gewünscht. Etliche Autos biegen am Samstagvormittag auf den Parkplatz zum Gesundheitszentrum ein.

So viele haben sich im Drive-in bisher testen lassen

95 Personen haben seit Donnerstag aus dem Auto heraus den Antigen-Schnelltest gemacht. Wie Dr. Philipp Höschele, der die kreisweit erste Drive-in-Teststation ins Leben gerufen hat, mitteilt, waren alle seit Donnerstag durchgeführten Antigen-Schnelltests bei Menschen ohne Symptome negativ. Sollte jemand positiv getestet werden, laut Höschele nur dann, erhalte das Gesundheitsamt automatisch eine Information inklusive der Personendaten. Die positiv getestete Person erhält in der Mail weitere Anweisungen: Dass sie sich in häusliche Isolation begeben soll und sich schnellstmöglich für einen PCR-Test in der Regel beim Hausarzt anmelden soll, um das Ergebnis bestätigen zu lassen.

Wilfried Hägele, der Ortsvorsteher von Steinenberg, sei auf ihn zugekommen, da er sicherstellen wollte, dass für den Ort genügend Testkapazitäten zur Verfügung stehen. „Die Nachfrage nach Schnelltests hat seit Weihnachten stetig zugenommen, insbesondere seit es die kostenlosen Bürgertests gibt“, so Dr. Philipp Höschele. Seit Beginn der Pandemie habe sein Team darum einen räumlich getrennten Praxisbetrieb eingerichtet, in dem Personen mit Infekt oder mit einem Verdacht auf Infektion von Nichtinfizierten getrennt behandelt werden. Weil die Infektionszahlen wieder steigen, sei die Infektsprechstunde stärker nachgefragt. Um den Andrang in den Praxisräumen sinnvoll zu verteilen und gering zu halten, sei es sinnvoll, den Testbetrieb der Schnelltests teilweise auszulagern. Die Drive-in Station ist für zwei Stunden täglich geöffnet, zusätzlich zu den Testkapazitäten in der Praxis.

Allerdings schließt ein negatives Testergebnis eine Infektion nicht aus und sollte somit auch nicht als „Freifahrtschein“ verstanden werden, wie Höschele sagt. So seien sämtliche Hygienemaßnahmen auch bei negativem Testergebnis weiter einzuhalten. Er erklärt: „Antigen-Schnelltests sind flexibler und schneller als PCR-Tests. Wie verlässlich sie sind, hängt stark vom Zeitpunkt des Tests ab. Am verlässlichsten sind die Tests bei Auftreten der ersten Symptome. An die Verlässlichkeit der länger dauernden PCR-Tests kommen Antigen-Schnelltests aber nicht heran.“

Der Corona-Schnelltest macht hier seinem Namen alle Ehre. In der Drive-in-Teststation ist man in knapp zehn Minuten durch und hat nach rund 20 Minuten sein Ergebnis. Bei der Arztpraxis von Philipp Höschele in Rudersberg-Steinenberg wird seit kurzem direkt am Auto getestet. Der Arzt erklärt, wie das Prozedere läuft.

Autofenster runter, Namen sagen, kurz warten, Kopf entspannt in den Nacken legen, Stäbchen in die Nase, paarmal drehen – „einfacher geht’s nicht“, sagen Denise und Jannis

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 83,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper