Rudersberg

Steinenberger Freibad startet jetzt in die (fast normale) Badesaison

Anbaden Steinenberg
Endlich geht er wieder los, der Badebetrieb in Steinenberg. Das Freibad wurde 1936 erbaut und zählt damit zu den ältesten im Rems-Murr-Kreis. © Benjamin Büttner

Sie mussten lange darauf verzichten, jetzt haben die Steinenberger ihr Bädle wieder. Pünktlich zur Eröffnung standen die ersten Schwimmer am Beckenrand, ganz scherrig aufs „Anbaden“. Gut einen Monat später als sonst dauerte es bis zur Freibaderöffnung - aber ausnahmsweise ist nicht Corona schuld. (In Rudersberg ist das Freibad schon seit Anfang Juni geöffnet).

Ein idyllisches Bädle

Oh ja, keine Frage: Hier ist es nett. Das Freibad Steinenberg erhält auf Anhieb die Maximalpunktzahl in der Kategorie „Idyll“. Am Samstag wurde im erfrischenden 20-Grad-Wasser angebadet. Und wie immer gab’s den Anbadesekt von den Ehrenamtlichen des Badvereins als innere Dusche dazu. Gekommen sind die, die immer kommen und es lieben: Von Grün umgeben, traumhaft ruhig gelegen, knuffig klein und überschaubar - auf ihr Bädle lassen die Steinenberger nichts kommen. „Ich möchte, dass Kinder hier immer noch das Schwimmen lernen können, wie’s bei uns war“, sagt Barbara Betz. Sie gehört zu den Wetterfesten, die es in jedem Freibad gibt und die bei „Sturm und Wind“ und bei allem, was von oben runterkommt, unten ungerührt ihre Bahnen ziehen.

„Die Bewegung hat schon gefehlt“

Mit ihr schreitet Ute Brandauer, eine weitere Unbeirrbare, ins Becken, das den Damen im Nichtschwimmerbereich gerade bis zum Knöchel reicht. Die beiden gemütlichen Seniorinnen kennen sich seit der Kindheit. Ihre Gelenke und der Rücken werden es ihnen danken. „Die Bewegung hat schon gefehlt, das spüre ich überall“, meint Barbara Betz. Ab jetzt beginne für sie wieder die schöne Zeit, in der sie so gut wie täglich zu ihren Schwimmeinheiten kommen.

Auch bei Ute Brandauer lag die Schwimmtasche nun monatelang im Eck, ab jetzt wird sie wieder „so gut wie täglich“ gepackt, wie sie versichert. Die Bewegung „und natürlich auch immer die Gespräche im Wasser“ habe sie vermisst, ergänzt die ehemalige Steinenbergerin, die heute in Haubersbronn wohnt. Bisweilen finde der gemütliche Becken-Schwatz seine Fortsetzung dann noch bei einem Sprudel oder Kaffee am Kiosk. Auch abends sitze immer eine Runde an Stammgästen und Vereinsmitgliedern unter dem Pavillon beisammen. Glücklich darf sich nennen, wer ein solches Auffangbecken für zwischenmenschliche Belange im Ort zur Verfügung hat.

„Man trifft hier immer jemanden“

Whatsapp und andere Messangerdienste haben in Steinenberg in nächster Zeit Sommerpause: „Man muss sich ja nie verabreden, man geht hierher und trifft immer jemanden“, bestätigt Daniel Fohr. Die soziale Funktion des Bades - ein nicht zu unterschätzender Faktor, gerade erleben wir in der Pandemie, wie wichtig für uns Begegnung ist. „Wenn jeder nur daheim seinen kleinen Pool hinstellt und man sich nicht trifft, verarmt doch etwas“, findet die stellvertretende Ortsvorsteherin Saskia Wenz. Für sie ist das Wasser noch nicht auf Betriebstemperatur, darum belässt sie es wie die Kollegen Ortsvorsteher Wilfried Hägele und Bürgermeister Raimon Ahrens bei einem „Brrr“ und einmal Füße-Reinhalten.

Frühschwimmer um acht Uhr bereits unterwegs

Wohingegen Kälteunempfindliche die Frische als großes Plus hervorheben: „Was kann es Schöneres geben, einfach herrlich“, sagt Daniel Fohr über das nicht beheizbare Freibadwasser. „An Hitzetagen sind wir froh, dass wir uns hier noch erfrischen können“, sagt er. Das Wasser erwärme sich, wie es früher normal war, parallel zu Sonneneinstrahlung und Außentemperaturen. Der Frühschwimmer ist Mitglied im Förderverein, für sie gelten gesonderte Öffnungszeiten, er konnte schon um 8 Uhr, zwei Stunden vor Eröffnung, seine Bahnen ziehen. „Ja, man kann tatsächlich auch als Erwachsener schwimmen hier“, sagt er lachend, wohl wissend um die fehlenden Wettkampfmaßen des 33 Meter langen Beckens. Sportschwimmer kämen eh nie her.

Dafür findet der zwölfjährige Samuel beste Abtauchbedingungen. „Einmal quer durch habe ich geschafft“, berichtet er pitschenass unter seiner blauen Schwimmbrille. 14 Meter misst das schnuckelige Becken in der Breite - da ist er schon ganz ordentlich „angetaucht“ fürs erste Mal. Sein kleiner Bruder Marian (6) planscht im Nichtschwimmerbereich und ist nach Auskunft seiner Mutter Mirjam Hieber froh, dass er das Schwimmen weiterüben kann. „Er konnte wegen Corona den Kurs nicht fertig machen“, sagt sie. „Seit gestern wissen sie, dass das Bad wieder öffnet, sie konnten es kaum erwarten.“ Auch ihr Herz hängt am Bädle, am „Drumherum“ - wortwörtlich. „Die Landschaft rund ums Freibadgelände ist traumhaft schön.“ Sie uns ihr Mann kämen oft abends zum „Abschalten“ vom Alltag - zum „Abtauchen“ wie der Sohn, wenn auch in anderer Form. „Die zwei großen Söhne Samuel und der 16-jährige Raphael gehen schon nachmittags.“ Schulranzen hinpfeffern, Mittagessen, Hausis - und dann seien sie „nicht zu bremsen“. Ihr gefalle gut, dass sie den „Helikopter“ bedenkenlos ausschalten könne: „Ich weiß die Jungs in bester Umgebung und Obhut. Hier kennt jeder jeden, wenn was sein sollte, wird man sofort angerufen.“

Späte Öffnung wegen Reparaturen

Wer es gern ruhig hat, der findet hier alles für entspannte und gemütliche Stunden. Nur in einem Fall ist die Gemütlichkeit offenbar nicht ganz wunschgemäß: Die Reparaturarbeiten am Beckenkopf hätten sich witterungsbedingt hingezogen, ergänzt Ortsvorsteher Wilfried Hägele im Hinblick auf den späten Eröffnungstermin. Dort seien am Übergang vom Becken zu den Platten Fliesen gerissen, die 2017 nicht ganz optimal renoviert worden seien. Das damals verwendete Material habe sich als nicht langlebig erwiesen. Jetzt wurde provisorisch betoniert, nachdem die Fliesen aufgesprungen waren. Direkt nach der Saison sollen dann die neuen Fliesen reingelegt werden. Aus der Erfahrung habe man gelernt: „Wir wollen damit direkt nach Saisonende beginnen, um rechtzeitig fertig zu sein vor der Winterpause, damit wir 2022 die Badesaison wieder früher eröffnen können.“

Sie mussten lange darauf verzichten, jetzt haben die Steinenberger ihr Bädle wieder. Pünktlich zur Eröffnung standen die ersten Schwimmer am Beckenrand, ganz scherrig aufs „Anbaden“. Gut einen Monat später als sonst dauerte es bis zur Freibaderöffnung - aber ausnahmsweise ist nicht Corona schuld. (In Rudersberg ist das Freibad schon seit Anfang Juni geöffnet).

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Oh ja, keine Frage: Hier ist es nett. Das Freibad Steinenberg erhält auf Anhieb die

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