Rudersberg

Unterwegs im Wahlkampf mit Raimon Ahrens

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Raimon Ahrens bei seiner Vorstellung im Saal des alten Schulhauses in Mannenberg. © Ramona Adolf

Rudersberg. Den Bewerber kennenlernen ist das eine. Doch auch der Kandidat für die Bürgermeisterwahl soll sich ein Bild machen von Anliegen vor Ort. Da sind die Mannenberger freundlich-selbstbewusst beim Vorstellungstermin von Raimon Ahrens im alten Schulhaus. Der hört zu, sagt zu allen Themen etwas, auch aus seiner beruflichen Praxis heraus, bleibt optimistisch und realistisch.

„Das sieht doch schon gefüllt aus“, sagt Raimon Ahrens mit Blick in die Runde. An jenem Sonntagnachmittag graut trübes Wetter vor den Fenstern, ein Nachmittag fürs Sofa. Doch die Plätze im alten Schulhaus in Mannenberg sind gut gefüllt. Los geht’s: Raimon Ahrens, Kandidat für die Bürgermeisterwahl, hat die Mannenberger zum Kennenlernen eingeladen. Und stellt sich vor. Er kommt aus Schlichten. Das liegt auf 500 Metern Höhe. Da könne man sich „auf Augenhöhe“ unterhalten, scherzt der 28-Jährige. Er nennt Eckdaten seines beruflichen Wegs, das klassische Verwaltungsstudium, die Arbeit und den Werdegang im Korber Rathaus, wo er Leiter des Haupt- und Ordnungsamts ist. „Ich kenne die Verwaltung von innen, ich habe über mehrere Jahre Führungserfahrung gesammelt.“ Er kenne durch die Zusammenarbeit mit dem Bürgermeister auch die Anforderungen an einen solchen, ergänzt Ahrens. „Ich habe gesehen, das ist ein Job, der mir unheimlich Spaß machen würde.“

Ahrens, in Sakko und Hemd, spricht frei, freundlich, lächelnd. Man merkt: Er hat inzwischen Erfahrung. Doch es klingt nicht routiniert, er erzählt auch mal Privates.

Rudersberg hat noch viele Aufgaben vor sich

„Rudersberg ist eine Gemeinde, die gut dasteht“, hält er fest. Er machte aber auch noch viele Aufgaben aus, das Schaffen von bezahlbarem Wohnraum etwa, von Betreuungsplätzen, den Breitbandausbau und den Verkehr. Verkehrsanbindung, ein Thema auch in Mannenberg. „Die Erweiterung des klassischen Busverkehrs ist mit hohen Kosten verbunden“, sagt Ahrens und rechnet Beispiele vor. „Ruftaxis sind in Randzeiten eine kostengünstigere Möglichkeit.“ Auch ein Seniorentaxi regt Ahrens an und zitiert ein Beispiel aus Kernen. Dort stellen die Gemeinde und Sponsoren einen Bus, der von ehrenamtlichen Fahrern bewegt wird. Die Gemeinde zahlt Benzin und Versicherungen. „Das ist für mich eine tolle Sache.“

Der Kandidat spricht auch über Wirtschaftsförderung, das Einkaufen im Ort, Tourismus, Streuobstwiesen, Wertschätzung für das Ehrenamt.

Kein Ortsteil sollte ausgeklinkt werden

Dann sind die Mannenberger an der Reihe. Alt-Gemeinderat Dietmar Knödler macht den Anfang. Bezahlbare Steuern und Gebühren mahnt er an, „die Infrastruktur muss stimmen“. Straßen und Feldwege dürfe man nicht aus den Augen verlieren, die Anbindung an Rudersberg und ans Krankenhaus in Winnenden ist ihm wichtig, ebenso die unechte Teilortswahl. „Wenn die abgeschafft wird, wäre Mannenberg ohne jeden Vertreter“, fürchtet Knödler für den Gemeinderat. In der Sache sieht er sich mit Raimon Ahrens einig. „Grundsätzlich sollte kein Ortsteil ausgeklinkt, abgehängt werden.“ Es gelte, die Mittel fair und transparent zu verteilen. Aber: „Es kann nicht immer alles gleichzeitig gemacht werden.“ Zur unechten Teilortswahl sagt der Bewerber, in Gemeinden mit vielen Ortsteilen stelle sie sicher, dass jeder Ortsteil angemessen vertreten sei. Er sehe da Vorteile.

Stichwort Steuern: „In einer Flächengemeinde gibt es andere Strukturen und Aufwendungen“, so Ahrens. Aber: „Es muss finanziell leistbar sein.“ Ahrens meint mit Blick auf den Vergleich im Kreis, zwar habe nicht die Mehrheit der Gemeinden höhere Gebühren, es gebe aber welche.

Ländlichen Raum attraktiver gestalten

Und die Anbindung ans Kreiskrankenhaus? Der Bewerber weiß dazu von einer Buslinie in Korb. Erstaunlicherweise würden nicht so viele Menschen mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum Krankenhaus fahren. „Es kann an der Stelle schwierig werden“, sagt er den Mannenbergern. Ein Zuhörer hat sich schon Gedanken gemacht und bietet an, sich als ehrenamtlicher Fahrer fürs Seniorentaxi für die Mannenberger zu engagieren. „Finde ich super“, freut sich Raimon Ahrens.

Ein anderer Herr meldet sich. Der Termin diene ja auch dazu, die Mannenberger kennenzulernen. „Wir bilden uns ein, wir sind ein bisschen anders“, sagt er freundlich. In Rudersberg sei viel geleistet und gemacht worden. „Jetzt wäre dann Mannenberg auch mal wieder dran.“ Die Feld- und Waldwege müssten gerichtet werden, junge Leute könnten dem „Sog der Großstadt nicht widerstehen“, der ländliche Raum müsse attraktiver gemacht werden, auch für die Jüngeren, Bauland müsse erschlossen werden. Und: „Junge Damen möchten abends bummeln.“ Dass man nicht Breuninger nach Mannenberg bringt, darüber ist man sich einig. Aber ein Pflegeheim, das wäre auch etwas. „Wir haben doch Platz.“

Jeder Mensch sucht ein bestimmtes Angebot

Zum Pflegeheim weiß Raimon Ahrens: „Man braucht einen Betreiber. Das ist eine grundsätzliche Frage.“ Zum Bauland meint er, man müsse die tatsächlichen Möglichkeiten sehen im Flächennutzungsplan. Für den ländlichen Raum verspricht Ahrens kein „Patentrezept“ und findet grundsätzlich: „Jeder Mensch sucht ein bestimmtes Angebot für eine bestimmte Zeit in seinem Leben.“ Da nimmt er die Stadt nicht aus.

Die Diskussion wendet sich Problemen in Rudersberg zu, dem Rathaus-Quartier etwa, das einem Zuhörer nicht gefällt. Zwei Häuser hätten gereicht, kritisiert er unter anderem mit Blick auf die wegfallenden Parkplätze. Es habe wahrscheinlich in der entsprechenden Diskussion Gründe gegeben, sagt Raimon Ahrens eher zurückhaltend. Der Herr nimmt’s nicht krumm. „Wir wollen von Ihnen nur hören: Solche Fehler werde ich nicht machen“, scherzt er und lacht freundlich.


Homepage, Veranstaltungen und auch Muffins

Auch Raimon Ahrens ist für den Wahlkampf vielseitig aufgestellt. Er hat eine Homepage, ist in den sozialen Medien aktiv, hat plakatiert, Flyer und Broschüre gemacht, ist im Straßenwahlkampf unterwegs und bietet beziehungsweise bot Veranstaltungen für Bürger in allen Ortsteilen an. Dazu kamen Besuche bei Vereinen, Kirchen, Fraktionen und allen Ortschaftsräten. Für den Vor-Ort-Termin in Mannenberg hat Ahrens sogar Muffins gebacken.

Wir haben nun fünf Kandidaten im Wahlkampf über die Schulter geschaut, alle Berichte finden Sie unter www.zvw.de/wahl-check-rudersberg. Dort finden Sie auch unsere gesamte Berichterstattung zur Rudersberger Bürgermeisterwahl. Bewerber Bernd Hegwer macht keinen klassischen Wahlkampf, daher können wir ihn nicht dabei begleiten. Er ist für Fragen an ihn per E-Mail an bmk.hegwer@gmx.de zu erreichen.