Rudersberg

Unterwegs im Wahlkampf mit Relindis Pfisterer

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Im Gespräch in der „Rose“ in Asperglen: Relindis Pfisterer (Mitte) mit Manfred Rommel und einer Besucherin. © Büttner/ZVW

Rudersberg. Zwei Gäste sind zur Wahlkampfveranstaltung von Relindis Pfisterer in die „Rose“ nach Asperglen gekommen. Klar, es kann bei sechs Kandidaten nicht überall voll werden. Zwei Gäste? Relindis Pfisterer hadert nicht. Dann eben kein Vortrag im Saal, sondern ein Gespräch über Kommunalpolitik, Streuobstwiesen und das, was den Gästen noch am Schwaben-Herzen liegt.

Spät eingestiegen ist sie in den Wahlkampf, bestätigt Relindis Pfisterer ihren Gästen, ja, sie ist die fünfte Bewerberin. Kurz kommt die Rede auf ihren Berufsweg. Die 55-Jährige hatte Betriebswirtschaft und Soziologie studiert, war in der Wirtschaft im Finanzbereich tätig und leitete viele Jahre lang das Studienzentrum der Fernuniversität Hagen in Schwäbisch Gmünd. „Ich habe schon viel in der Verwaltung gearbeitet“, sagt Relindis Pfisterer und verweist auf ihre aktuelle Tätigkeit bei der Akademie Ländlicher Raum als Bildungsreferentin.

Viertele und Apfelschorle kommen, gesellen sich auf dem Tisch zu den Flyern der Kandidatin. Das Gespräch geht zum Amt des Schultes über, für das sich Relindis Pfisterer bewirbt. „Man muss sich halt um alles kümmern. Von der Kanalisation bis zum 90. Geburtstag.“ Da müsse man breit aufgestellt sein. „War ich aber schon immer“, sagt die Bewerberin mit Blick auf ihre Arbeit für das Studienzentrum. Dennoch: „Es gibt wahnsinnig viele Bereiche, in die man sich dann einarbeiten muss“, weiß sie für den Fall ihrer Wahl.“

„Mir sind die Fördertöpfe schon bekannt“

„Was ich ein bisschen schwierig finde: Es gibt zwei, drei Bewerber mit Verwaltungserfahrung“, weiß die Besucherin. Da tue man sich leichter mit den Fördergeldern. „Das Ministerium für Ländlichen Raum vergibt auch viele Fördergelder“, sagt Relindis Pfisterer und nennt Breitbandausbau und ländliche Versorgung als Zweck, weiß sogar Summen. „Mir sind die Fördertöpfe schon bekannt.“

Und die Umgehungsstraße? Wie hält’s Relindis Pfisterer da? Bei der Kandidatenvorstellung der Gemeinde in Rudersberg hätten fünf Kandidaten gesagt, sie stehen zum damaligen Bürgerentscheid. „Wieso fixiert man sich darauf?“, fragt die Besucherin. Der Bürgerentscheid sei schon lange her.

Pfisterer gegen Umgehungsstraße

„Es sind zehn Jahre“, sagt Relindis Pfisterer. Das sei für ein Straßenbauprojekt wenig. Sie akzeptiert das Bürgervotum. Und: „Man hat ja dann auch alles andere geplant.“ Wenn die Miedelsbacher Umgehungsstraße komme, dann gehe die Umgehungsstraße um einen weiteren Ort herum. Relindis Pfisterer ist keine Befürworterin einer Umgehungsstraße für Rudersberg, wenngleich sie Verständnis hat für die verkehrsgeplagten Anwohner. Aber eine Umgehungsstraße würde nicht zuletzt auch Lärm von beiden Seiten bedeuten, ergänzt sie.

Und wie geht es dann weiter, will Zuhörer Manfred Rommel wissen. „Am besten wäre in Haubersbronn ein Tunnel“, sagt Pfisterer, durch das Tal, mit Ausfahrten. „Gmünd hat 30 Jahre gebraucht. Aber so wichtig ist Rudersberg auch nicht im Verkehrswegeplan.“ Wenn die B 14 bis nach Backnang und die Landesstraße bis zum Autobahnanschluss Mundelsheim entsprechend ausgebaut sei, gehe vielleicht der Verkehr dann nicht mehr durch Rudersberg durch.

Sie lobt das Engagement der Vereine

Auch von Interesse: die Streuobstwiesen. Hat die Kandidatin einen Bezug zu ihnen? Hat sie. Sie hat sogar einen Garten, 16 Aar groß, in Hochdorf/Enz. Mit Gemüse? Nein. „Das muss man am Haus haben.“ Aber mit Beeren, Obstbäumen und großem Rasen. Selbst bewirtschaftet? Mit etwas Unterstützung aus der Familie, aber: Ja. „Gut.“

„Was meinen Sie zu den Vereinen im Ort?“ „Es gibt viele“, lobt Relindis Pfisterer und würdigt deren Engagement. „Sie stellen tolle Sachen auf die Beine.“ Man einigt sich auf Beispiele.

„Das ist mir eigentlich wichtig, der persönliche Kontakt“

Eine europäische Partnerstadt ist Relindis Pfisterer für Rudersberg ein Anliegen. „Da muss man gucken bei den Schulen, ob sie mit irgendeinem Land eine besondere Beziehung haben.“ Auch manche Vereine hätten Kontakte ins Ausland. Es gehe um Austausch, ums „Über-den-Tellerrand-Schauen“. Man sei dann privat untergebracht. „Da lernt man die Menschen ganz anders kennen. Das ist mir eigentlich wichtig, der persönliche Kontakt.“ Die Idee gefällt den Gästen.

Aber einen Schmerz hat Manfred Rommel noch, die sehr genauen Vorschriften für Feste von Vereinen. „Die meisten Feste haben Kaffee und Kuchen.“ Der werde oft gespendet. „Da macht ja keiner eine Lebensmittel-Liste. Ist das wirklich so schlimm?“ Bei dem Thema weiß Relindis Pfisterer dank ihrer Tätigkeit als Bildungsreferentin bei der Akademie Ländlicher Raum genau Bescheid. „Es gibt immer mehr Leute, die Allergien haben.“ Die Vorschrift sei auch eine Sicherheitsmaßnahme. Mit Ordner an der Kasse? „Da brauche ich von jedem Kuchen die Inhaltsstoffe.“ Ja.

Relindis Pfisterer hat auch weniger aufwendige Beispiele zum Thema. Dass jemand, der krank ist, ruhig zu Hause bleiben soll, statt beim Fest zu helfen, er drücke sich nicht vor dem Schaffen. Nicht den Gartenschlauch fürs Trinkwasser nehmen, die Kühlkette für Lebensmittel nicht unterbrechen, Fleisch nicht neben Schwarzwälder Kirschtorte lagern, nennt sie weitere Beispiele. „Es ist für den Vorstand auch schlecht, wenn was passiert“, gibt sie zum Sinn der Vorschrift ebenfalls zu bedenken.


Wahlveranstaltungen, Plakate und Homepage

Auch Relindis Pfisterer setzt im Wahlkampf auf verschiedene Möglichkeiten. Sie machte beziehungsweise macht eigene Wahlveranstaltungen in Lokalen in Asperglen und Klaffenbach, war auf dem Wochenmarkt in Steinenberg, hat Flyer verteilt, plakatiert und eine Homepage. Sie hat Hausbesuche gemacht und hat sich beim Ortschaftsrat Steinenberg und einem Verein vorgestellt. Rückblickend stellt sie fest: „Es war nicht einfach, bei dem späten Einstieg, noch Wahlkampftermine zu kriegen.“ Dazu kamen die Ferien. Die Bewerberin hat auch Ortsteilspaziergänge in Necklinsberg, Rudersberg und Klaffenbach angeboten. In den sozialen Medien ist Relindis Pfisterer nicht aktiv. „Das ist nicht so meine Welt.“

Auch den anderen Kandidaten schauen wir beim Wahlkampf über die Schulter.