Rudersberg

Veteranen auf vier Rädern

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Oldtimer-Schlepper
Grünes „Kraftpaket“: Rolf Schippert mit einem Henschel Diesel mit 125 PS, Baujahr 1956. © Palmizi / ZVW
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Oldtimer-Schlepper
Klassiker in Rot: Der Lanz Bulldog. © Palmizi / ZVW
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Oldtimer-Schlepper
Der Jüngste in der Sammlung: Der Lkw-Kipper LK 1418 von Daimler ist 1966 gebaut worden. © Palmizi / ZVW
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Oldtimer-Schlepper
Ein „Schlachtschiff“: Der Lkw H6 aus dem Kfz-Werk „E. Grube“ in Werdau. Das „H“ steht für Horch. © Palmizi / ZVW
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Oldtimer-Schlepper
Der Klein-Lkw Framo V 902. Er wurde in Sachsen in den Frankenberger Motorenwerken gebaut. © Palmizi / ZVW

Rudersberg-Schlechtbach. Wenn die reden könnten: Die altehrwürdigen Lkw und Schlepper, die Rolf Schippert zusammengetragen hat, könnten manche Geschichte erzählen. Von der mühevollen Arbeit in der Landwirtschaft in vergangenen Tagen etwa oder von Ingenieurskunst in West- und Ostdeutschland. Auch, wie die betagten Nutzfahrzeuge zum Kenner nach Schlechtbach kamen, wo sie liebevoll hergerichtet wurden, ist mit Anekdoten verbunden.

Video: Rolf Schippert stellt einen Framo V 902 vor

Was Räder und Geschichte hat, das steht hier versammelt. Mit Rolf Schippert durch seine Scheune und über einen überdachten Parkplatz zu gehen kommt einem Besuch im Freilichtmuseum gleich. Schauen will man, hören und fragen - und immer mal wieder liebevoll über das glänzende Blech streicheln, das sich hier als Motorhaube wölbt oder dort mit kühnem Schwung als Kotflügel fungiert. Wobei das Aussehen für die Konstrukteure der altehrwürdigen „Kraftpakete“ wohl nicht im Vordergrund stand. Nutzfahrzeuge sind sie, altgediente, zuverlässige Helfer und Kameraden ihrer Besitzer in Gewerbe und Landwirtschaft.

Mit Letzterer hat auch Rolf Schippert Erfahrung. Der gebürtige Schlechtbacher, heute 76 Jahre alt, hat Traktoren gefahren seit seinem zehnten Lebensjahr. Wobei er sie in jungen Jahren noch nicht auf der Straße fahren durfte, erzählt er schmunzelnd. Es gab noch etwas Landwirtschaft in der Familie, von den Großeltern, ebenso Wald. Die Traktoren von damals hat Rolf Schippert behalten. Sie sollten nicht allein bleiben. „Eine Sehnsucht nach alten Lkw war bei mir schon immer da“, weiß der einstige Fuhrunternehmer. „Schlepper und Lkw, alles, was mit Nutzfahrzeugen zu tun hatte, hat mich interessiert.“

Insbesondere in Sachsen manche Rarität entdeckt

Die Freude an den altehrwürdigen Gefährten und daran, sie zu sammeln, bekam mit der Wende noch einmal neuen Schwung. Rolf Schippert bereiste den Osten Deutschlands und entdeckte dabei insbesondere in Sachsen manche Rarität. Auf einem Rastplatz, in einem Garten oder schlicht im Vorbeifahren gesehen: Oft half der Zufall, ein besonderes Stück zu finden, oder Inserenten in der Zeitung signalisierten Interesse, sich von den Oldtimern zu trennen.

Aus sächsischen Landen etwa stammt der Lkw H6 aus dem „Kfz-Werk E. Grube-Werdau“, wie am Kühler zu lesen ist. Das massive Fahrzeug, ein „Schlachtschiff“, wie Rolf Schippert sagt, kommt aus Oberlungwitz nahe Zwickau. Die Stadt ist Freunden des Automobilbaus bekannt. Das Horch-Museum im früheren Audi-Werk erzählt von diesem Teil der Stadtgeschichte. Der Buchstabe „H“ in der Bezeichnung des Lkws steht für Horch, erklärt Schippert. Der Vorbesitzer des „Veterans“ hat diesen erst 1991 stillgelegt. Bis zur Wende war er mit zwei Hängern gefahren. Der Lkw ist noch weitgehend unrestauriert. Nur eine neue Farbgebung ist erfolgt, innen wurde er etwas „aufgefrischt“, erzählt Rolf Schippert. Dabei kam auch sogenanntes „Bundesbahn-Leder“ zum Einsatz, das nur schwer zu erhalten ist. In einer Karosseriefabrik in Backnang wurde der Sammler noch fündig.

Nicht in die Ferne schweifen musste Rolf Schippert hingegen für einen Traktor in, man möchte fast sagen, Ferrari-Rot, ein kleiner „Allgaier“ A12 mit zwölf PS, der etwa 1951 gebaut wurde. Das Fahrzeug hat noch seine Originalfarbe, der Sammler hat es von einem Nachbarn bekommen.

Ein echtes Stück Arbeit war für den LK 1418, einen Lkw-Kipper aus dem Hause Daimler, nötig. Ihn hatte Rolf Schippert einst auf einem Schrottplatz in Stuttgart entdeckt. „Oh je“, entfährt es dem Besitzer, als er davon erzählt, dass das Fahrzeug viel Zeit und Nerven gekostet hat. Die ganzen Pritschen wurden erneuert, allein das Fahrerhaus zu machen, hat dreieinhalb Jahre gedauert. „So ein Fahrzeug richtet man nicht auf die Schnelle, das dauert ein paar Jahre“, weiß der Kenner.

Schmuckstücke wecken auf Schlepper-Treffen Erinnerungen

Der Daimler-Lkw, Baujahr 1966, ist das jüngste Fahrzeug in der Sammlung. „Mit dem traue ich mich schon gar nicht, auf Treffen zu fahren“, verrät Rolf Schippert. Dann stellt er aber fest, dass Sammlerkollegen durchaus mit jüngeren Exemplaren kommen, mit manchen, meint Schippert knitz, würde er sogar noch arbeiten.

Auf Oldtimer-Treffen für Schlepper und Lkw fährt der 76-Jährige gern und freut sich, wenn sich Besucher für die Schaustücke interessieren. Das weckt Erinnerungen. „Ha, so einen hab’ ich früher auch gefahren“, hört Rolf Schippert öfter. Mancher entsinnt sich plötzlich auch an die Fahrzeuge von Vater oder Onkel. Unlängst hat Rolf Schippert seine Schmuckstücke etwa beim Maitreff in Rudersberg gezeigt, kürzlich hat er eine Brauerei in Schwäbisch Hall besucht, gern schaut er ebenso beim Schleppertreffen am Hüttenbühlsee vorbei.

Bei mehrtägigen Treffen allerdings kommt stets der Hanomag L 28 zum Einsatz. Der Lkw mit dem Baujahr 1959 war einst der erste Fernlastwagen der Firma Weru. Er hat eine besondere Ausstattung: Auf der Ladefläche unter der Plane gibt es ein Doppelstockbett, Kühlschrank, Kleiderbügel und Platz für ein weiteres Nachtlager: Wenn Rolf Schippert mit den Enkeln unterwegs ist, dann bietet der Hanomag nicht nur Freude und Gesprächsstoff, sondern auch ein Schlafquartier.

Bunte "Schwalben" und eine Diesel-Ameise

Rolf Schippert hat interessante Fahrzeuge zusammengetragen. So stammt zum Beispiel ein MIAG aus dem Jahr 1938. Die Abkürzung steht für „Mühlenbau und Industrie Aktien-Gesellschaft“. Der gewaltige Traktor, dessen Reifen einem Erwachsenen bis zum Bauchnabel reichen, wurde einst auf dem Acker und zum Zug von landwirtschaftlichen Wagen oder einem Pflug eingesetzt. Mit dem MIAG ist Rolf Schippert in früheren Jahren in Rudersberg bei Festzügen mitgefahren.

Auch ein Personenwagen aus der früheren DDR hat sich zu den Nutzfahrzeugen gesellt. Es ist ein „Wartburg“ aus den 1960er Jahren, der an die Formensprache der Wirtschaftswunder-Jahre erinnert.

Zudem gibt es eine Reihe von Zweirädern. Die „Schwalbe“, ein beliebtes DDR-Moped, ist gleich in mehreren Farben zu sehen. Ebenso gibt es ein „Hercules“-Moped, das einst die Tochter gefahren hat.

Ein Hingucker unter den Lkw ist ein „Multicar“ aus den 1960er Jahren mit Fußlenkung, das der Fahrer im Stehen mit Schwerkraftverlagerung in die gewünschte Richtung steuern konnte. Das Fahrzeug wurde auch „Diesel-Ameise“ genannt. Kupplung und Bremse wurden per Hand bedient. „Die Firma gibt es heute noch in Waltershausen in Thüringen“, weiß Rolf Schippert.

Bei einem Normag-Schlepper, Baujahr 1938, ist interessant, dass Rolf Schippert den Konstrukteur dieser Schlepper einmal persönlich kennengelernt hat. Dieser, damals schon hochbetagt, hat sogar auf dem Schlepper gesessen.