Rudersberg

Was Rudersberg im Kampf gegen den Klimwandel unternimmt

Blühwiesen
Mehr Blühwiesen sind eine der Maßnahmen für Klimaschutz. © Gabriel Habermann

Klimaschutz wird großgeschrieben in Rudersberg. Verwaltung und Gemeinderat haben einen Schwerpunkt ihrer Arbeit auf dieses Thema gelegt. Mit Rudolf Scharer gibt es nicht nur einen Klimamanager in der Gemeinde. Vergangenes Jahr hat sich Rudersberg auch auf den Weg zum European Energy Award (EEA) gemacht.

Bei diesem Award handelt es sich um ein Instrument der Europäischen Union, das Kommunen bei der Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen unterstützen soll. Mehr als 1500 Städte und Gemeinden nehmen bereits am European Energy Award teil, darunter Korb, Weinstadt und Waiblingen.

„Es kann sich durchaus sehen lassen, was in dem Jahr passiert ist“, sagte Bürgermeister Raimon Ahrens jüngst im Gemeinderat. Doch was wurde inzwischen konkret angegangen?

Das Ziel ist ein energiepolitisches Arbeitsprogramm für Rudersberg

Zuvorderst ist dies natürlich der Prozess für den European Energy Award. Dabei geht es um eine erste interne Bewertung: Wo steht die Gemeinde beim Thema Klimaschutz? In einem nächsten Schritt soll hieraus ein energiepolitisches Arbeitsprogramm entstehen, also eine Art To-do-Liste für die kommenden Jahre. „Da sind wir gerade dran, die Prioritäten herauszuarbeiten“, sagt Rudolf Scharer.

Der unabhängige Energieberater Uwe Schelling begleitet diesen Prozess als Experte. Und er gab im Gemeinderat einen kurzen Überblick zum aktuellen Stand. Begonnen wurde der Prozess mit der Gründung eines Energieteams im Mai. Die Analyse sei mittlerweile zu knapp einem Drittel abgeschlossen. Offene Fragen gebe es etwa noch bei den Energieverbräuchen kommunaler Gebäude. Hier laufe die Ermittlung (die im Übrigen alle Kommunen erbringen und ans Umweltministerium mitteilen müssen) noch. Aktuell hat die Kommune 33 Prozent der Punkte in dem Programm erreicht. 50 müssen es sein, um den EEA zu erhalten, ab 75 Prozent wird der Award in Gold ausgezeichnet. Die Chancen stehen gut, dass Rudersberg die erste Schwelle überschreitet, meint Schelling.

Erreicht die Gemeinde die 50 Prozent und erhält sie damit den Award, so hat sie davon materielle Vorteile, wird etwa bei Förderprogrammen bevorzugt. Als ein wichtiges Signal bezeichnete Wolfgang Bogusch (Rudersberger Bürger) das Engagement der Verwaltung. „Es zeigt, dass wir mit Herr Scharer die richtige Person haben“. Sein Fraktionskollege Peter Höschele schloss sich dem Lob an und befand, „dass Rudersberg bei dem Thema gut aufgestellt ist“.

Klimamanager Rudolf Scharer, der auch Ortsvorsteher von Schlechtbach ist, war auch nicht untätig. Er hat im Ortsamt eine Kontaktstelle für alle Klimafragen eingerichtet – und bekommt auch jede Woche zahlreiche Anrufe und Anfragen zu dem Thema. „Das wird sehr rege in Anspruch genommen“, sagt Scharer im Gespräch mit unserer Zeitung.

Darüber hinaus hat er jenseits des EEA in der Gemeinde einiges an Großem und Kleinem angestoßen.

Was Klimamanager Scharer in der Gemeinde angestoßen hat

  • Als ziemlich erfolgreich habe sich die Energiekarawane erwiesen, die im vergangenen Jahr gemeinsam mit der Energieagentur Rems-Murr und dem Handels- und Gewerbeverein durchgeführt wurde. Dabei gingen Energieberater direkt in die Firmen vor Ort und zeigten Möglichkeiten auf, wie Unternehmen mehr für den Klimaschutz tun können. Das betrifft Bereiche wie die Beleuchtung, aber auch das Thema Kühlen und Erwärmen. Und mit 18 Firmen schaffte Rudersberg hier den Kreisrekord. Nirgendwo haben mehr Gewerbetreibende teilgenommen.
  • Die Förderung von Blühflächen steht aktuell auf der Agenda der Gemeinde. Im vergangenen Jahr wurden einige angelegt – und weitere sollen folgen. Nicht zuletzt soll im Rahmen des Projekts „Rudersberger Naturgarten“ auch die Bürgerschaft dazu ins Boot geholt werden. Geplant ist in diesem Jahr dazu ein eigener Wettbewerb. Auch die Landwirte will Scharer noch bei dem Projekt integrieren.
  • Als großer Erfolg hat sich die Förderrichtlinie Fotovoltaik erwiesen. Im vergangenen Jahr war sie bereits innerhalb von drei Tagen überzeichnet. Es hatten sich also viel mehr Interessenten gemeldet, als Geld zur Verfügung stand. „Wir haben da einen ganz schönen Treffer gelandet“ findet Scharer. Deshalb wird auch in diesem Jahr der Bau von Fotovoltaikanlagen auf privaten Gebäuden gefördert – und die Summe auf 30 000 Euro erhöht. Ausgewählt wird aber diesmal nicht mehr nach dem Windhundprinzip (wer zuerst kommt, mahlt zuerst). Sollten wieder so viele Anträge eingehen, entscheidet vielmehr das Los.
  • Die Gemeinde will außerdem durch ein Planungsbüro seine Biotope erfassen lassen, um die Artenvielfalt vor Ort besser erhalten zu können. Für diese Biotopverbundsplanung ist ein Förderantrag beim Land gestellt. „Da warten wir noch auf den Bescheid, dann könnten wir loslegen“, sagt Scharer.
  • Im Rathaus hat die Gemeinde in Zusammenarbeit mit der Telekom eine Handysammelaktion durchgeführt. Dabei wurden in kurzer Zeit zwischen 150 und 200 eingesammelt. Eine Fachfirma in Deutschland hat diese recycelt. Die Erträge aus der Aktion fließen in Umwelt- und Bildungsprojekte an Schulen in Entwicklungsländern.
  • Auf dem Schlechtbacher Märktle hat der Klimamanager gemeinsam mit der Energieagentur eine Solarwoche durchgeführt. Dabei konnten sich Bürger kostenlos zum Thema Fotovoltaik beraten lassen. Außerdem wurde dort ein Solarbike vorgestellt, also ein solarbetriebenes Elektrofahrrad.
  • Im Herbst wurden Misteln aus Streuobstwiesen entfernt. Scharer möchte das im Frühjahr erneut durchführen. Das ganze kommende Jahr soll außerdem ein thematisches „Streuobstwiesenjahr“ sein. Der Klimamanager möchte mit verschiedenen Aktionen den Erhalt dieser heimischen Kulturlandschaft in den Mittelpunkt stellen.
  • Noch in diesem Jahr wird die Beteiligung am Projekt „Ländlicher Raum für Zukunft“ im zweiten Quartal starten. Scharer hält diese Bürgerbeteiligung für eine spannende Geschichte, bei der die Rudersberger „ohne Denkschranke“ sagen können, was sie bewegt und wie sie sich die Zukunft der Gemeinde vorstellen.
  • Nicht zuletzt macht Rudolf Scharer mit seiner wöchentlichen „Klimainfo“ im Mitteilungsblatt „Der Büttel“ auf das Thema aufmerksam und ruft es damit regelmäßig ins Bewusstsein.

Klimaschutz wird großgeschrieben in Rudersberg. Verwaltung und Gemeinderat haben einen Schwerpunkt ihrer Arbeit auf dieses Thema gelegt. Mit Rudolf Scharer gibt es nicht nur einen Klimamanager in der Gemeinde. Vergangenes Jahr hat sich Rudersberg auch auf den Weg zum European Energy Award (EEA) gemacht.

Bei diesem Award handelt es sich um ein Instrument der Europäischen Union, das Kommunen bei der Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen unterstützen soll. Mehr als 1500 Städte und Gemeinden

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 83,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper