Rudersberg

Weru schreibt 2017 Verluste

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Weru Bearbeitungszentrum in Rudersberg für Alu-Haustüren © Christine Tantschinez

Rudersberg. Die Bilanz des Rudersberger Fenster- und Türenherstellers Weru schloss 2016 mit tiefroten Zahlen ab. Die Verluste der vergangenen Jahre zehrten das Eigenkapital auf. Auch 2017 schrieb die Weru GmbH Verluste. Kein Grund zur Beunruhigung, erklärt jedoch Weru-Chef Jörg Holzgreflassen: „Die Weru-Gruppe arbeitet operativ profitabel!“ Die Gruppe werde neu ausgerichtet.

Die Mitte Februar veröffentlichte Weru-Bilanz 2016 wies bei einem Umsatz von 172 Millionen Euro einen Verlust von fast fünf Millionen auf, nachdem von der Weru GmbH schon 2015 rote Zahlen in ähnlicher Höhe geschrieben worden waren. Der Konzernbilanzverlust summierte sich auf 15,5 Millionen Euro. Obwohl das Eigenkapital damit aufgezehrt war, hieß es im Chancen- und Risikobericht: „Bei Weru sind keine Risiken erkennbar, die den Fortbestand gefährden könnten.“

Die Verluste lassen sich erklären

Auf Anfrage unserer Zeitung hat Jörg Holzgrefe, Vorsitzender der Weru-Geschäftsführung, die Verluste mit der Konsolidierung der aus insgesamt neun Unternehmen bestehenden Weru-Gruppe begründet. „So haben wir viele neue Produkte entwickelt und ins Programm aufgenommen“, erklärte Holzgrefe in seiner schriftlichen Stellungnahme. Gleichfalls wurde die Produktion kontinuierlich optimiert: „Am Standort Rudersberg werden die besten Haustüren aus Aluminium und Kunststoff in Premium-Qualität produziert, am Standort Triptis steht Deutschlands größte Produktionsanlage für Kunststofffenster und die modernste Isolierglasfertigung Europas.“ In der Weru-Gruppe sei die Marke Unilux in Salmtal zuständig für die Produktion von Holzfenstern und -Türen sowie von einem hochwertigen Fassadensystem für anspruchsvolle Architektur. „Somit bieten wir in der Gruppe für jeden Bedarf das richtige Produkt aus dem passenden Werkstoff.“

Mit sieben Kernprojekten will sich Weru noch mehr auf Händler und Endkunden ausrichten

Holzgrefe weist auf die hohen Investitionen hin, die in den letzten zwei Jahren getätigt worden seien, unter anderem in eine neue Isolierglasanlage in Triptis oder in ein neues Bearbeitungszentrum für Aluminium-Haustüren und eine neue Pulverbeschichtungsanlage in Rudersberg. „Unter dem Strich heißt das zwar, dass die Weru-Gruppe mit Verlust abgeschlossen hat.“ So sei der Wert einiger Tochtergesellschaften wertberichtigt worden, hinzu komme die Finanzierung der neuen Produktionsanlagen. „Aber dies ist kein Grund zur Beunruhigung, sondern in unseren Plänen enthalten.“ Zur weiteren Neuausrichtung und Profitabilitätssteigerung habe Weru sieben Kernprojekte gestartet: Die Optimierung des Einkaufs und der Produktion, die Einführung eines neuen Fenstersystems mit 76 Millimeter Bautiefe, die Optimierung der Prozesse, hier liegt insbesondere der Fokus auf unserem Anspruch an höchste Qualitat und exzellenten Kundenservice. Ein wesentliches Projekt sei die Optimierung des Vertriebs und der Vertriebsstruktur. „Hier wollen und werden wir besser werden und uns noch mehr auf die Händler und Endkunden ausrichten.“

Fenster und Haustüren seien beratungsintensive Produkte und erfordern ein korrektes Aufmaß und Montage durch einen Fachmann. Ein wesentlicher Punkt des Produktangebotes sei eben auch die perfekte Montage, „also pünktlich auf der Baustelle angeliefert, perfekt eingebaut nach neuestem Stand der Technik durch unsere Fachbetriebe und das Haus wird sauber ohne Dreck wieder verlassen“. Die Kunden schätzten gerade diesen Service, den sie durch unsere Fachbetriebe bekommen. „Daher werden wir auch künftig unsere Produkte über die Fachbetriebe vertreiben.“ Dass Weru den Online-Vertrieb verschlafen hat, wie Branchenkenner mutmaßen, weist Holzgrefe zurück.

Online-Angebot soll weiter ausgebaut werden

„Die Möglichkeiten des Internets nutzen wir perfekt aus.“ Die Homepage sei neu gestaltet worden. Außer Produktinformationen und Inhalten zu Themen wie Einbruchschutz könnten Kunden über die Fachhändlersuche einen Händler in ihrer Region finden und kontaktieren. Über den Haustürenkonfigurator könne der Kunde sich seine Traumtür zusammenstellen und direkt eine konkrete Anfrage an einen Fachbetrieb senden. „Sukzessive werden wir unser Online-Angebot weiter ausbauen, was selbstverständlich auch die sozialen Medien mit einschließen wird.“

Holzgrefes Fazit lautet: „Von daher ist die Weru-Gruppe nicht renovierungsbedürftig, sondern wir renovieren sie aktiv selbst und gestalten den Markt mit. Wir glauben, auch in Zukunft mit unseren Produkten made in Germany punkten zu können.“

Die Unternehmensgruppe Weru ist eigenen Angaben zufolge einer der führenden Hersteller von Fenstern und Türen in Europa mit Werken in Rudersberg, Triptis (Thüringen) und Salmtal (Rheinland-Pfalz). Alleingesellschafterin des Unternehmens ist die Finestra GmbH, Hamburg, hinter der der Private Equity Fonds H.I.G. Capital steckt. H.I.G. ist eigenen Angaben zufolge einer der weltweit größten und aktivsten Private Equity Fonds im Small- und Midcap-Segment mit weltweit mehr als 300 Investments. Außer Fenstern aus Kunststoff, Kunststoff-Aluminium, Holz, Holz-Aluminium und Aluminium umfasst das Weru- und Unilux-Produktprogramm Haustüren aus Kunststoff, Aluminium, Holz und Holzaluminium sowie Vordächer und Carports. Der Erfolg der Weru-Gruppe basiert insbesondere auf dem engen Leistungsverbund mit Fachbetrieben hauptsächlich in Deutschland und Europa sowie in den USA.

Ende 2016 wurden im Konzern 1132 Mitarbeiter beschäftigt (Vorjahr 1203). Der Umsatz erhöhte sich 2016 leicht auf 172,3 Millionen Euro. Für den Anstieg waren aber nicht Absatzsteigerungen verantwortlich, sondern dass die Schneeberger GmbH erstmals in den Konzern einbezogen wurde. Der Verkauf von Türen und Fenstern ging trotz einer insgesamt guten Baukonjunktur zurück.