Rudersberg

Weshalb die Burg Waldenstein immer noch zum Verkauf steht - und wie der Burgherr durchs Corona-Jahr kam

Burg Waldenstein bei Rudersberg
Sonderimmobilie mit Potenzial: Burg Waldenstein oberhalb von Rudersberg. © Hardy Zürn

Gastronomie und Hotellerie hatten es schon vor Corona nicht leicht. Doch 2020 ist ein besonders herausforderndes Jahr – auch für Reinhard Göppel, dem in Rudersberg die Burg Waldenstein gehört. Das abgeschiedene Anwesen im hinteren Wieslauftal befindet sich seit drei Generationen im Besitz seiner Familie. Und bis vor einem Jahr betrieb Göppel auf dem Burggelände noch eine reguläre Gaststätte.

Im November 2019 stellte er seinen Betrieb um – statt Essen à la carte setzt er seitdem ausschließlich auf Events. Lud auf die Burg zu Whisky-Tastings und Live-Musik, Krimi-Dinnern oder Theateraufführungen. Und veranstaltete Hochzeiten mit bis zu hundert Gästen. Damals konnte er noch nicht ahnen, dass eine globale Pandemie solche Veranstaltungen massiv erschweren, wenn nicht gar unmöglich machen wird.

„Das war die richtige Entscheidung“, sagt Göppel dennoch im Rückblick. Denn auf die abgelegene Burg seien zuvor immer seltener Tagesgäste gekommen. Zu unberechenbar sei der Gaststättenbetrieb gewesen und zu hoch die Kosten für Personal, das auch da sein musste, wenn kaum jemand kam. Events hingegen seien planbar, auch mit einer kleinen Mannschaft.

Im Moment keine Events, aber ein paar Geschäftskunden im Hotel

„Leider hat uns jetzt Corona im Griff“, sagt der Burgherr, der in diesem Jahr deutlich weniger Hochzeiten und Events abhalten konnte als geplant. „Zum Glück waren im Sommer Veranstaltungen mit bis zu 99 Personen erlaubt.“ So konnte er zumindest eine Handvoll Hochzeiten durchziehen. Die zwei im Herbst geplanten wurden dann kurzfristig abgesagt und ins kommende Jahr verschoben, was Göppel für „völlig verständlich“ hält; aber zugleich betont er, dass es eine Horror-Vorstellung wäre, wenn sich die Corona-Situation bis ins kommende Jahr so weiterziehen würde.

Events kann er bis Ende des Monats also nicht veranstalten – und es scheint, wie die Signale aus Berlin am Montag andeuteten, im Dezember eher keine Lockerungen, sondern noch einmal strengere Kontaktbeschränkungen zu geben. Das kleine Hotel mit 13 Zimmern, das er auf dem Anwesen betreibt, ist bis jetzt aber weiterhin für Geschäftskunden geöffnet. Bei einer Auslastung von gerade mal fünf bis zehn Prozent lohnt sich das betriebswirtschaftlich zwar kaum. Aber da Göppel fast alles selbst macht, ist es auch kein Verlustgeschäft. „Ich habe nur eine Festangestellte – und die ist in Kurzarbeit.“ Für einen kleinen Betrieb wie seinen ist die Situation daher momentan noch nicht so dramatisch, „für große Betriebe ist es aber schlimm“.

Für den Betrieb fehlt dem 49-Jährigen ein Nachfolger

Dass Göppel überhaupt noch die Burg Waldenstein betreibt, war so nicht unbedingt geplant. Gut zwei Jahre ist es her, dass er das Anwesen, dessen Geschichte 800 Jahre zurückreicht und seit 1956 mit seiner Familie verbunden ist, zum Verkauf anbot. Denn dem Burgherrn fehlt ein Nachfolger für seinen Betrieb. Mit 48 Jahren wollte er außerdem beruflich noch einmal etwas Neues anfangen. Bald wird Reinhard Göppel 50 – und ist immer noch Besitzer dieser Sonderimmobilie.

Dass der Verkauf nicht einfach werde, ahnte er bereits im Herbst 2018, als er die Immobilie auf dem Markt anbot. Denn mit dem Kauf ist nicht nur ein traumhafter Ausblick, viel Geschichte und eine Fläche von 6000 Quadratmetern verbunden, sondern auch ein etabliertes Geschäftsmodell als Hotel- und Gastronomiebetrieb.

Potenzielle Käufer sind im Moment „sehr zurückhaltend“

Vor Ausbruch der Corona-Pandemie hatte es noch mehrere Interessenten gegeben. Doch im Moment seien potenzielle Käufer „sehr zurückhaltend“, berichtet Göppel. Bis er das Anwesen, zu dem neben der Burg selbst ein Gästehaus sowie zwei Scheunen gehören, endgültig verkauft, werde deshalb voraussichtlich noch einige Zeit vergehen. Bis sich ein Käufer gefunden hat, will Göppel seinen Betrieb unter Corona-Bedingungen erst einmal weiterführen. Der Verkauf der Burg wird seit diesem Frühjahr nicht mehr aktiv betrieben.

Zu haben ist sie aber weiterhin. Zwei Millionen Euro soll das gesamte Areal kosten. Die Burg und das Gästehaus sind gut in Schuss, beide wurden erst vor wenigen Jahren gründlich saniert. Den Verkauf organisiert Göppels Cousin Thomas Herb, Rechtsanwalt und Sachverständiger für Immobilienbewertung.

Ein künftiger Besitzer könnte neben dem Hotel- und Gastronomiebetrieb aber auch ein Kleingewerbe auf der Burg errichten oder reinen Wohnraum daraus machen. Der Bebauungsplan weist die Burg als dörfliches Mischgebiet aus und ließe das zu. Es wäre also einiges möglich, hoch droben über dem Wieslauftal.

Gastronomie und Hotellerie hatten es schon vor Corona nicht leicht. Doch 2020 ist ein besonders herausforderndes Jahr – auch für Reinhard Göppel, dem in Rudersberg die Burg Waldenstein gehört. Das abgeschiedene Anwesen im hinteren Wieslauftal befindet sich seit drei Generationen im Besitz seiner Familie. Und bis vor einem Jahr betrieb Göppel auf dem Burggelände noch eine reguläre Gaststätte.

Im November 2019 stellte er seinen Betrieb um – statt Essen à la carte setzt er seitdem

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