Rudersberg

Weshalb im Fischsee in Steinenberg nicht mehr geangelt werden darf

Fischteich
Wird zum Biotop: Der Fischteich an der Trogklinge bei Steinenberg. © Gabriel Habermann

Der gemeindeeigene See an der Trogklinge bei Steinenberg wird seit vielen Jahren befischt – und das „mit großem Engagement der Pächter“, wie Bürgermeister Raimon Ahrens kürzlich im Rudersberger Bau- und Verwaltungsausschuss berichtete.

Doch damit ist jetzt Schluss. Denn für die entsprechende Nutzung hatte es all die Jahre gar keine offizielle Genehmigung gegeben. Das wäre wohl nie aufgefallen, hätten sich die Pächter im November 2019 nicht an die Gemeinde gewandt. Sie fürchteten damals, dass der See bald zu kippen drohe, denn am Boden hatte sich mit den Jahren viel Schlamm abgesetzt. Den wollten die Pächter nun in Eigenleistung ausbaggern und auf den umliegenden Wiesen verteilen. Außerdem wollten sie wissen, ob eine Erhöhung des Mönches, also des Ablaufwerkes, sowie der Uferkante möglich sei.

In diesem Zuge informierte die Verwaltung das Landratsamt als zuständige Behörde. Von dort kam dann die überraschende Feststellung, dass gar keine wasserrechtliche Erlaubnis für den See im Wieslauftal vorliegt – und die Nutzung bis auf weiteres untersagt wird.

Keine Belege für Fischrecht im Landes- und im Kirchenarchiv

Wenn es schon kein aktuelles Fischrecht gibt, dann vielleicht aus früheren Zeiten, dachte sich Ortsvorsteher Wilfried Hägele. Womöglich schon vor Jahrhunderten, schließlich könnte der See in Steinenberg ja einst entweder vom Kloster Lorch oder Adelberg angelegt worden sein. Eine umfangreiche Recherche durch die Kirchenarchive brachte jedoch keine Belege für eine solche wasserrechtliche Erlaubnis.

Beim landeskirchlichen Archiv seien keine entsprechenden Unterlagen zu finden gewesen. Und im Landesarchiv seien zwar zahlreiche Fischgewässer des Klosters Lorchs dokumentiert, jedoch keines, das sich auf Rudersberger Gemarkung befindet. „Wir hätten es zu gerne gesehen, dass man es denen weiter ermöglicht“, sagte Hägele im Gremium dazu, „aber die Suche war leider erfolglos. Es tut uns leid, dass wir das in Steinenberg nicht mehr anbieten können.“

Bereits seit knapp zwei Jahren keine Fische mehr im See

In der Teichanlage sind bereits seit Herbst 2019 keine Fische mehr. Für die weitere Nutzung als Fischsee wäre aber eine entsprechende Erlaubnis notwendig, betonte Bürgermeister Ahrens. „So ist halt an dieser Stelle die Rechtslage.“ Ein entsprechendes Verfahren inklusive wasserchemischer Untersuchung und artenschutzrechtlicher Prüfungen würde indes mehrere Tausend Euro kosten.

Nur geringe Chancen auf wasserrechtliche Erlaubnis

Und leider habe das Landratsamt signalisiert, dass die Chancen, eine solche Erlaubnis für den See zu bekommen, sehr gering seien. Denn als Fischsee dürfte er keinen direkten Zu- und Abfluss durch die Trogklinge haben. Das Hauptgewässer für den Zufluss muss eine Durchgängigkeit für Kleinstlebewesen besitzen. Und zugleich genug Wasser ab- und zuführen, damit der See in trockenen Sommern nicht kippt.

„Ich persönlich finde das schade“, sagte Ahrens, „auch für die Pächter, bei denen ich die Enttäuschung verstehen kann“. Die Pacht sei bereits ausgesetzt worden.

Frank Weller (Freie Wähler) wollte wissen, ob es für die Pächter Alternativen auf dem Gemeindegebiet gebe. Doch „ad hoc wüsste ich jetzt nicht, wo wir was hätten“, sagte Bauamtsleiter René Schaal. Einen dafür geeigneten See gebe es nicht, er müsste dafür wohl extra angelegt werden. 

Biotop statt Fischsee: Wie geht es jetzt weiter?

Das Gewässer wird jetzt als Biotop belassen werden. Dazu ist keine wasserrechtliche Erlaubnis erforderlich. „Solange sich niemand findet, der Freude daran hat, sind wir als Grundstückseigentümer in der Verantwortung“, sagte Bürgermeister Ahrens.

Ob es für die Umwandlung zumindest Ökopunkte bekommen könnte, wollte Robert Schuler (CDU) wissen. Diese könne man immer nur durch Aufwertungen und Verbesserungen generieren, antwortete Bauamtsleiter Schaal. Klimamanager Rudolf Scharer sagte, er wolle den See jetzt in die Biotopverbundsplanung aufnehmen.

Die geplante Entschlammung kann aus Sicht der Verwaltung übrigens verschoben werden, auch weil die Wasserqualität, seit die Fische aus dem See genommen wurden, deutlich besser geworden ist. Die notwendige Sanierung des Auslaufes soll in Kürze durchgeführt werden. Dem hat der Ausschuss mehrheitlich zugestimmt.

Der gemeindeeigene See an der Trogklinge bei Steinenberg wird seit vielen Jahren befischt – und das „mit großem Engagement der Pächter“, wie Bürgermeister Raimon Ahrens kürzlich im Rudersberger Bau- und Verwaltungsausschuss berichtete.

Doch damit ist jetzt Schluss. Denn für die entsprechende Nutzung hatte es all die Jahre gar keine offizielle Genehmigung gegeben. Das wäre wohl nie aufgefallen, hätten sich die Pächter im November 2019 nicht an die Gemeinde gewandt. Sie fürchteten

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper