Rudersberg

Weshalb in einer Rudersberger Garage eine Brillenmanufaktur entstand

Brillenmanufaktur
Wo früher eine Garage stand, präsentiert Optiker Matthias Radlinger jetzt Brillen. © Gaby Schneider

Eine nicht richtig passende Brille kann die Lebensqualität mitunter stark einschränken. Kopf- und Nackenschmerzen oder Verspannungen können die Folge sein. Beim Brillenkauf sollte man deshalb besser keine Kompromisse machen.

Matthias Radlinger ist kein Freund von Kompromissen, er setzt vielmehr auf Präzision. Seit mittlerweile 17 Jahren betreibt der 43-Jährige eine Verglasungsmanufaktur namens Lens Lab. Mit zwei Mitarbeitern beliefert er Optiker in ganz Deutschland und Österreich mit feinen und bis aufs letzte Detail bearbeiteten Gläsern. In seiner Manufaktur im Rudersberger Ortsteil Oberndorf werden die Gläser bearbeitet und in die Fassungen gesetzt. Namhafte Brillenhersteller gehören zu seinen Kooperationspartnern. Darunter deutsche Hersteller wie Haffmans&Neumeister, dänische wie Lindberg (hier ist das Lens Lab einer von zwei privaten Partnern) oder Feb31st aus dem italienischen Bergamo.

Dabei ist Genauigkeit gefragt. Auf ein hundertstel Millimeter genau muss die Anfertigung sein. Bis zu 100 Brillengläser pro Tag werden auf diese Weise in Oberndorf gefertigt. Zwischen einer Minute und einer Dreiviertelstunde dauert es, die Gläser in Handarbeit zu schleifen.

Mit der Verglasungsmanufaktur von München nach Oberndorf gezogen

Nach den Erfahrungen in der Wirtschafts- und Finanzkrise 2008/09 stellte er sein Geschäftskonzept um. Hatte er zuvor hauptsächlich Großkunden, setzt er seitdem auf viele kleinere Kunden. „Die sind mir lieber, und wenn da einer wegbricht, fehlt nicht gleich so viel Umsatz.“

Bis vor vier Jahren hatte Lens Lab seinen Sitz in Radlingers Heimatstadt München, wo er im Freudenhaus Optik am Odeonsplatz auch sein Handwerk gelernt hat. 2010 zog es den Bayer dann der Liebe wegen ins Wieslauftal. Sechs Jahre lang pendelte er in dieser Zeit zwischen München, wo er unter der Woche auf einem Feldbett schlief, und Oberndorf, wo er seinen Wohnsitz hatte. Vor vier Jahren zog er dann auch mit seiner Manufaktur ins Wieslauftal.

Und vergangenes Jahr fasste Radlinger dann den Entschluss, Brillen auch direkt an die Kunden zu verkaufen. Und das am besten direkt auf dem Grundstück in Rudersberg. Weil dann keine teure Ladenmiete anfällt, sinkt der Verkaufsdruck. Ursprünglich wollte er einen Verkaufsraum im Garten seines Wohnhauses bauen. Doch das hätte ihm zu lange gedauert und wäre wegen der nötigen Baugenehmigung auch zu teuer geworden. „Und dann kam Corona.“ Dadurch fiel in seiner Manufaktur weniger Arbeit an. Radlinger hatte plötzlich Zeit – und eine zündende Idee: weshalb nicht einfach einen Teil des Hauses umbauen? Der 43-Jährige nahm sich das Nebengebäude mit Walmdach im Gassenäckerweg 17 vor, legte die Wände frei, verlegte eine Fußbodenheizung und machte daraus nahezu komplett in Eigenregie einen kleinen, aber feinen Verkaufsraum mit Wohnzimmeratmosphäre, in dem er jetzt Kunden zur Beratung empfängt.

„Wir nehmen uns uneingeschränkt Zeit“, sagt Radlinger

Mitten im Wohngebiet von Oberndorf gibt es jetzt also eine „Brillenmanufaktur“. So nennt Radlinger sein Geschäft, das sich vom klassischen Optiker dadurch unterscheidet, dass es keine festen Öffnungszeiten gibt und die Beratung nur auf Terminbasis stattfindet. „Wir nehmen uns uneingeschränkt Zeit“, verspricht Radlinger, der Spezialist für professionelle Refraktur ist und daher ein besonderes Augenmerk auf das Vermessen legt. Der 43-Jährige weiß: „Nicht jedes Messergebnis kann für den Kunden sofort passen.“ Genau das sei aber wichtig bei einem Produkt, das den Alltag der Träger maßgeblich mitbestimmt. Durch die Verglasungsmanufaktur sei er auch mehr oder weniger frei von Verkaufsdruck, sagt Radlinger: „Wir leben das und wollen, dass die Leute glücklich sind.“

Nur ein Beispiel: Eine Brille für den Büro-Arbeitsplatz kann andere Anforderungen haben als eine für Menschen, die handwerklich tätig sind. Und wer schon einmal mit einer nicht richtig eingestellten Brille länger am PC saß, weiß, welche Folgen das haben kann: Kopfschmerzen, Nackenschmerzen, Verspannungen und damit eine Beeinträchtigung der Lebensqualität.

Darüber hinaus bietet die Manufaktur individualisierte „Color-Clips“, also CNC-gefräste Sonnenbrillenaufsätze, die an der Fassung eingehängt werden können. Kunden können ein Brillenabo buchen und den Preis auf sechs, zwölf oder 24 Monate umlegen. Und müssen, auch wenn es exklusive Modelle gibt, nicht unbedingt tief in die Tasche greifen.

Brillen des Eigenlabels „Waldenstone“, eine Anlehnung an die Rudersberger Burg Waldenstein, etwa sind mit Metall- oder Azetat-Fassung ab rund 200 Euro zu haben.

Eine nicht richtig passende Brille kann die Lebensqualität mitunter stark einschränken. Kopf- und Nackenschmerzen oder Verspannungen können die Folge sein. Beim Brillenkauf sollte man deshalb besser keine Kompromisse machen.

Matthias Radlinger ist kein Freund von Kompromissen, er setzt vielmehr auf Präzision. Seit mittlerweile 17 Jahren betreibt der 43-Jährige eine Verglasungsmanufaktur namens Lens Lab. Mit zwei Mitarbeitern beliefert er Optiker in ganz Deutschland und Österreich mit

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