Rudersberg

Wie steht es um den Rudersberger Wald in Zeiten des Klimawandels?

wald
Der Rudersberger Bürgermeister Raimon Ahrens hatte sichtlich Spaß bei der Bepflanzungsaktion im Gemeindewald. © Palmizi

Die Wälder haben es in den vergangenen Jahren weltweit immer öfter in die Schlagzeilen geschafft. Sie werden gerodet, brennen und sterben. „Der Wald steht schwarz und schweiget“ heißt es in einem der schönsten Gedichte deutscher Sprache, im „Abendlied“ von Matthias Claudius. Man könnte das abwandeln in „Der Wald hat Schmerz und leidet“, aber er schweigt nicht mehr länger. Die Folgen des Klimawandels sprechen im Wald auch bei uns eine deutlich sichtbare Sprache.

Wir müssen für die Zukunft auf verschiedene Baumarten setzen

Wie lange wird man etwa noch von einem „stramm stehenden“ Buchenwald sprechen können? Gerade diese stolze Baumart ist bei uns gefährdet. So sagte denn auch Dagmar Wulfes, die Forstamtsleiterin des Kreises: „Wir müssen auf verschiedene Baumarten setzen, damit wir gewappnet sind für die Zukunft.“

Unterwegs war Dagmar Wulfes zusammen mit dem scheidenden, für Rudersberg zuständigen Förster Roger Beuter und dessen Nachfolger Christian Hamann. Die drei führten Bürgermeister Raimon Ahrens und etwa 20 Rudersberger Gemeinde- und Ortschaftsräte durch eine ausgewählte Strecke des Gemeindewaldes, um mit den Kommunalpolitikern über einige aktuelle Themen im Zusammenhang mit dem Wald ins Gespräch zu kommen:

  • Den Klimawandel und seine Auswirkungen auf den Gemeindewald Rudersberg
  • Feuchtbiotope als biologischer Ausgleich für Bauprojekte
  • Waldwegsanierung
  • Entwicklung der Waldrefugien
  • Konfliktpotenzial mit illegalen Mountainbikestrecken im Wald.

Es gibt also Probleme, aber auch Optimismus und Tatkraft, wie diese Waldbegehung mit den Fachleuten ebenfalls eindrücklich klarmachte. Zwar habe es, wie Dagmar Wulfes mitteilte, auch in Rudersberg bei Fichte, Tanne und Buche 25 Prozent Schadholz gegeben. „Aber im Großen und Ganzen sieht Ihr Wald noch gut aus.“

Optimistische Option: 750 neu gesetzte Eichenbäumchen

Hoffnung also. Dazu gehörte zunächst mal das, was nach Luther jeder Mensch einmal tun sollte; nämlich einen Baum pflanzen. Die Teilnehmer dieses, nennen wir es „pädagogischen Waldganges“, bekamen dazu eine freudig wahrgenommene Gelegenheit. Sie durften an einer Waldstelle mit früherem Borkenkäferbefall, auf der inzwischen 750 junge Eichensetzlinge gepflanzt wurden, diejenigen Bäumchen ersetzen, die es nicht geschafft hatten.

Und so wurden denn elf Spaten verteilt und mit sichtbarem Feuereifer und Spaß waren die Rätinnen, Räte und auch der Bürgermeister dabei, mit dem Pflanzen eine optimistische Option auf die Zukunft zu setzen. Die zarten Sprösslinge wurden in den Waldboden gesetzt und dann von einer etwa ein Meter hohen sogenannten „Wuchshöhle“ umgeben.

Dagmar Wulfes: "Schießt genug Rehwild."

Die schützt sie vor Wildverbiss und bleibt etwa fünf Jahre um das Bäumchen. Außerdem, erklärte die Forstamtsleiterin, wirken diese Wuchshöhlen als „Mini-Gewächshäuser, indem sie das Wachstum befördern. Zudem ist das Bäumchen bei zu entfernendem Überwuchs etwa durch Brombeersträucher, durch diesen Schutzzylinder leichter zu finden.

Zum Thema Wildverbiss machte Dagmar Wulfes eine klare Ansage und empfahl ihren Waldgängern daraufhin, auf die Jäger ihrer Pachten einzuwirken. „Der beste Schutz dagegen ist: zackig zu jagen. Schießt genug Rehwild. Es besteht keine Gefahr, dass das Rotwild ausstirbt, wenn mal mehr geschossen wird.“

Wie setzt sich der Wald zusammen?

Auf einer weiteren Station erläuterte Förster Roger Beuter den Räten die Zusammensetzung des Rudersberger Gemeindewaldes. Der Laubholzanteil betrage dort 55 Prozent, Nadelholz 45 Prozent. „Wir möchten den Nadelholzanteil erhöhen“, sagte er an einer Waldstelle, „indem wir den jungen Tannen helfen und dort die Buchen (die schneller wachsen und damit die Tannen verdrängen) rausnehmen.

Was zu lernen war? Die Natur kümmert sich um sich selbst? Nein, im Wald scheint ein hochkomplexes System von künstlichen Eingriffen zu herrschen, das die Natur - ja nun, was? Stabilisiert? Sie vor sich selbst schützt? Bewahrt?

Der gefährdete Bergmolch braucht immer neue, feindfreie Tümpel

Zu diesem Problem-Komplex gehört auch das Thema Feuchtbiotope als biologischer Ausgleich für Bauprojekte. Und da staunte der Laie, auf was für ökologischen Wegen die Förster da inzwischen äußerst fachkundig unterwegs sind.

So konnte Roger Beuter seinen staunenden Waldgängern auf dem Rundgang gleich drei neuerdings angelegte Feuchtbiotope an einem Waldhang zeigen. Die wurden diesen Sommer als Ausgleichsmaßnahmen des Wasserverbandes für Baumaßnahmen eines Hochbehälters in Königsbronn angelegt. Wo dort was verschandelt wird, muss andernorts, also hier, etwas neu angelegt werden. Zu sehen sind zwei im Hang liegende kleine Teiche, die, so Roger Beuter, vor allem unseren gefährdeten Amphibien dienen sollen. So hat es etwa der Bergmolch auch durch seine natürlichen Feinde besonders schwer, zu überleben. „Der braucht“, weiß Dagmar Wulfes, „jedes Jahr feindfreie neue Tümpel“.

Der Wald, so viel wurde auf diesem informativen Spaziergang deutlich, er muss gehegt und gepflegt werden. Und: Er wird sich verändern. Klimaschutz, eine andere großpolitische Frage, sie findet eben auch, und vielleicht besonders, auf lokaler Ebene statt. Darf dort aber nicht verharren.

Die Wälder haben es in den vergangenen Jahren weltweit immer öfter in die Schlagzeilen geschafft. Sie werden gerodet, brennen und sterben. „Der Wald steht schwarz und schweiget“ heißt es in einem der schönsten Gedichte deutscher Sprache, im „Abendlied“ von Matthias Claudius. Man könnte das abwandeln in „Der Wald hat Schmerz und leidet“, aber er schweigt nicht mehr länger. Die Folgen des Klimawandels sprechen im Wald auch bei uns eine deutlich sichtbare Sprache.

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