Rudersberg

Wie Würth Druck durch die Corona-Krise kommt - und weshalb die Firma jetzt klimaneutral druckt

WürthDruck
Auch wenn der Preisdruck groß ist, spielt der Offset-Druck in der Produktion immer noch eine große Rolle(von links): Gundolf Schnelle (Medientechnologe Druck), Detlef Würth (Geschäftsführer) und Andreas Steinert (Produktionsleiter). © Benjamin Büttner

Die Corona-Pandemie hat auch die Druck-Branche mit voller Wucht erwischt. Es gibt keine Messen, keine Veranstaltungen und auch die Zahl der Anzeigen geht zurück. Bei der Rudersberger Firma Würth Druck hat das im vergangenen Jahr zu einem Umsatzrückgang von satten 20 Prozent geführt. Und die Prognosen für das laufende Jahr sehen nicht besser aus.

„Wir sind viel im Veranstaltungsbereich unterwegs“, sagt Geschäftsführer Detlef Würth, „und da geht im Moment gar nichts.“ Auch bei den drei Mitteilungsblättern, die im Rudersberger Ortsteil Steinenberg gedruckt werden, ist ein Anzeigen-Rückgang spürbar. „Wir müssen sehen, wie wir aus eigener Kraft durch die Krise kommen.“ Was Würth besonders ärgert: Coronahilfen bekommt die Firma keine, dafür ist der Umsatzrückgang zu gering. Dennoch blickt man in der Traditionsfirma, die in diesem Jahr eigentlich gerne ihr 70-jähriges Bestehen gefeiert hätte, nach vorn. Denn Krisen ist man in der Branche gewohnt. Der Offsetdruck, lange Zeit das Hauptstandbein, wirft schon seit geraumer Zeit keine großen Gewinne mehr ab. Zu groß ist der Preisdruck durch Onlineportale.

Trotz Krise bildet der Rudersberger Betrieb drei Azubis aus

Deshalb hat Würth Druck seine Produktpalette schrittweise ausgeweitet. Das Angebot reicht heute von Broschüren über Schuljahresplaner, Mappen und Verpackungen bis hin zu aufwendigen Handelswaren wie Werbedrucksachen mit personalisierten Anschreiben, die Kunden als Komplettpaket inklusive Versand bei der Firma buchen können. Im Onlineshop geht das bequem und ohne großen Aufwand.

Trotz der Krise bildet der 20-Mitarbeiter-Betrieb auch aus. In diesem Jahr werden es drei Azubis sein, einer in der Produktion, zwei im Büro. Detlef Würth ist es wichtig, diesen Bereich aufzustocken, er meint, es sei „immer gut, wenn man eigenes Personal heranziehen kann“.

Auch darüber hinaus denkt Würth Druck in die Zukunft. Seit letztem Herbst kann die Firma klimaneutral drucken. Der Büttel, das Rudersberger Mitteilungsblatt, ist seit kurzem klimaneutral – und damit das wohl erste Amtsblatt im Kreis, das die bei der Produktion entstandene CO2-Belastung wieder ausgleicht.

Über den Bundesverband Druck und Medien hat die Rudersberger Firma dafür eine Erhebung machen lassen. Gemessen wurde, wie viel Kohlenstoffdioxid bei der Herstellung anfällt. Miteinbezogen wurden alle unvermeidlichen Emissionen– von den Stromkosten bis zu den Anfahrtswegen der Mitarbeiter floss dabei alles mit ein.

Beim Büttel sind das rund 16 500 Kilogramm pro Jahr. Diese CO2-Emissionen können kompensiert werden mit Geld, das in Projekte für den Klimaschutz fließt. Im Fall des Büttels sind dies rund 200 Euro pro Jahr. Um ein Zeichen zu setzen, übernimmt der Verlag das selbst – und investiert das Geld unter anderem in Windkraftprojekte in der Türkei, die Stilllegung von Deponiegasanlagen in Chile oder die Waldaufforstung in Zentral-Uganda.

Es steht den Kunden frei, ob sie CO2-Emissionen ausgleichen wollen

So sind die entstandenen Emissionen am Ende zwar nicht verschwunden, doch verhindert oder minimiert dieses Klimaschutzprojekt den Ausstoß an anderer Stelle.

„Das ist eine schöne Sache für uns“, findet Produktionsleiter Andreas Steinert. Auch für die Kunden müsste das attraktiv sein. Schließlich könnten sie mit den Klimazertifikaten werben. Die Kosten dafür halten sich im Rahmen, betragen zwischen ein und zwei Prozent des Gesamtpreises. „Günstiger kann man nicht werben mit Nachhaltigkeit“, findet Steinert.

Dabei haben die Kunden die Wahl zwischen verschiedenen Projekten, die einen unterschiedlich hohen Anteil am Gesamtpreis ausmachen. Unterstützt werden Gold-Standard-Projekte, die unter Federführung der Umweltorganisation WWF nach strengen Kriterien entwickelt und von insgesamt 42 Nichtregierungsorganisationen sowie dem Bundes-Umweltministerium unterstützt und kontrolliert werden. „Leider ist das in den Köpfen noch nicht drin“, bedauert Steinert. Denn ob ein Kunde klimaneutral drucken lassen will, das kann er immer noch selbst entscheiden. Und die Nachfrage für die Zertifikate zum Klimaausgleich sei bislang geringer als erhofft.

Print ist nicht klimaschädlicher als digitale Kommunikation

In der Druckbranche ist das Bewusstsein für das Thema Nachhaltigkeit zuletzt insgesamt gestiegen. Der Bundesverband hat eigens eine Kampagne gestartet, um weit verbreiteten Vorurteilen entgegenzuwirken. „Man denkt immer, dass digitale Produkte weniger Ressourcen verbrauchen, aber das stimmt nicht“, sagt Detlef Würth. Die digitale Kommunikation sei mit ihrem enormen Bedarf an Energie und nicht nachwachsenden Rohstoffen (wie seltenen Erden) nachweislich nicht umweltfreundlicher – nur sei das eben vielen nicht bewusst.

Die Corona-Pandemie hat auch die Druck-Branche mit voller Wucht erwischt. Es gibt keine Messen, keine Veranstaltungen und auch die Zahl der Anzeigen geht zurück. Bei der Rudersberger Firma Würth Druck hat das im vergangenen Jahr zu einem Umsatzrückgang von satten 20 Prozent geführt. Und die Prognosen für das laufende Jahr sehen nicht besser aus.

„Wir sind viel im Veranstaltungsbereich unterwegs“, sagt Geschäftsführer Detlef Würth, „und da geht im Moment gar nichts.“ Auch bei den drei

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