Rudersberg

Wieder Unfall auf maroder Straße

Auffahrunfall mit insgesamt 7 Fahrzeugen, L 1120, Stöckenhof - Rettichkreisel, 25.10.2017.
An zwei Autos entstand bei einem Unfall am Mittwochmorgen Totalschaden. Die Karambolage mit fünf beteiligten Fahrzeugen hat sich an der Unfallhäufungsstelle zwischen Rettichkreisel und Stöckenhof ereignet. © Benjamin Beytekin

Rudersberg. Die Unfallserie reißt nicht ab: Wieder hat es auf der Landesstraße zwischen Rettichkreisel und Stöckenhof gekracht. Verletzt wurde diesmal niemand, doch der Schaden ist hoch. Was muss eigentlich noch alles passieren, bis das Land die Straße endlich saniert?

Die Polizei stufte die Strecke bereits 2016 als „Unfallhäufungsstelle“ ein. Als solche gilt eine Straße, wenn dort innerhalb von drei Jahren fünf Unfälle mit Verletzten zu verzeichnen sind.

Mit Verletzungen kam am Nikolaustag 2016 ein 22-Jähriger davon, der auf der gefährlichen Strecke viel zu schnell unterwegs gewesen war.

Am selben Tag erlitten zwei Menschen schwere Verletzungen, nachdem der Wagen einer 29-Jährigen auf glatter Straße beim Rettichkreisel Richtung Allmersbach ins Schleudern geraten war. Ende August tötete sich ein Mann an der neuralgischen Stelle offenbar selbst; sein Fahrzeug brannte aus.

Niemand verletzt, hoher Schaden

Der jüngste Unfall ereignete sich am Mittwochmorgen, wieder auf der Strecke Stöckenhof-Rettichkreisel. Der Sachschaden beläuft sich auf mehr als 20 000 Euro; verletzt wurde niemand.

Nicht alle Unfälle dürften auf den maroden Zustand der Straße zurückzuführen sein, räumt Maximilian Friedrich, Bürgermeister der Gemeinde Berglen, ein. Aus gutem Grund appelliert der Rathauschef dennoch zusammen mit seinen Kollegen aus den anderen Anrainerkommunen seit langem ans Land, endlich tätig zu werden.

Vor-Ort-Termin im Januar

Die Straße befinde sich in einem Zustand „wie nach dem Zweiten Weltkrieg“. Heute sind dort aber sehr viel mehr Autos unterwegs als früher. Belag sanieren, Straße ausbauen – das sind nur zwei von mehreren Forderungen.

Nach einem Vor-Ort-Termin im Januar dieses Jahres ist zumindest ein bisschen was passiert. Das Landratsamt listet auf Nachfrage diese drei Punkte auf:

  • Randmarkierungen wurden nachgebessert.
  • Es sind Mittelmarkierungen in Kurvenbereichen angebracht, und zwar dort, wo die Fahrbahn breit genug ist.
  • Das Verkehrszeichen „Gefahrenstelle“ mit der Zusatztafel Straßenschäden ist doppelt vorhanden.

Hilfreich: Die Mittellinien

Die durchgezogenen Mittellinien haben die Situation zumindest „ein Stück weit“ verbessert, das ist Friedrichs Eindruck. Ein Tempolimit wurde verworfen, weil es falsche Erwartungen wecken würde, erläutert der Bürgermeister: Stünde beispielsweise ein 70-Schild am Straßenrand, dürfe der Autofahrer davon ausgehen, dass er auf der Strecke durchgehend 70 Stundenkilometer fahren kann.

Das ist auf der kurvenreichen Strecke aber mitnichten der Fall. Ist nichts anderes verfügt, dürfen Autofahrer außerorts bis auf 100 Stundenkilometer beschleunigen. Dies gilt auch an der Unfallhäufungsstelle zwischen Rettichkreisel und Stöckenhof.

Doch diese allgemeingültige Geschwindigkeitsbegrenzung impliziert laut Friedrich im Gegensatz zu einem gesonderten Tempolimit nicht, dass die Strecke durchgängig mit dieser Geschwindigkeit befahrbar ist.

Aussage vom Land gefordert

Trotz alledem: So kann’s nicht weitergehen. Die Straße befindet sich in übelstem Zustand; die Unfallserie reißt nicht ab. Friedrich möchte eine Aussage vom Land.

Um eine solche bat diese Zeitung das Verkehrsministerium am Mittwoch mehrfach. Die Anfrage lief ins Leere; bis Redaktionsschluss war keine Antwort zu erhalten.

Ein Blick zurück zeigt: Appelle ans Land verhallen, ohne dass irgendetwas passiert. Der besagte Straßenabschnitt steht auf der Prioritätenliste des Landes so traurig weit hinten, dass keinerlei Aussicht auf zeitnahes Handeln besteht.

Hoffnung auf zeitnahe Sanierung

Früheren Angaben zufolge rangiert die Strecke auf Rang 2210 – bei 2291 Rangplätzen insgesamt. Verkehrsminister Hermann hatte mal den hinteren Platz auf der Liste mit dem „unterdurchschnittlichen Verkehrsaufkommen“ erklärt. Der geforderte Ausbau des Straßenabschnitts könne derzeit nicht realisiert werden, schrieb das Verkehrsministerium vor einigen Monaten, nachdem Landrat Richard Sigel in einem Brandbrief den katastrophalen Zustand beschrieben und auf die Vielzahl der Unfälle hingewiesen hatte. Keine Chance – es gebe zu viele konkurrierende Projekte.

Bis zum Jahr 2020 will das Verkehrsministerium Baden-Württemberg tausend Landesstraßenkilometer saniert haben. Mehr als 1000 Einzelprojekte zählen zu diesem Vorhaben. 26 Abschnitte im Rems-Murr-Kreis sind mit dabei. Bereits in Bau ist die L 1153 bei Alfdorf. Hoffnung auf zeitnahe Sanierung besteht ferner für Landesstraßen bei Stetten, Rohrbronn und Winnenden.


Fünf Beteiligte

  • Der Unfall am Mittwochmorgen zwischen dem Rettichkreisel, der offiziell Dmitrower Kreisel heißt, und Stöckenhof ist noch mal glimpflich abgegangen. Ein 31-jähriger Mercedes-Fahrer hatte laut Polizei einen Rückstau übersehen. Nach Königsbronnhof fuhr er mit seinem Wagen auf den Fiat einer 19-Jährigen auf. Es folgte eine Kettenreaktion: Der Fiat wurde auf einen VW Passat und der Passat wurde auf einen Nissan Migra aufgeschoben. Eine 19-jährige Golf-Fahrerin raste laut Polizei auch noch in die Unfallstelle. Sie hatte wohl die Gefahrenlage zu spät erkannt. Der Golf krachte auf das Fahrzeugheck des Mercedes-Fahrers.
  • Am Mercedes und am Fiat ist Totalschaden entstanden. Die Landesstraße blieb nach dem Unfall zeitweise gesperrt.