Schorndorf

Ökologisch bauen in Schorndorf: Ist Holz der einzig wertvolle Baustoff?

klimaneutal
Die Häuser am Lindenweg zeigen: Holz ist ein attraktiver Baustoff © ALEXANDRA PALMIZI

Die Stadt Schorndorf hat sich hohe Klimaziele gesteckt. Bis 2035 will die Stadt klimaneutral werden – darüber waren sich Stadtverwaltung und Gemeinderat weitgehend einig. Die Ziele sind klar, der Weg dorthin allerdings weniger. Ein Streitpunkt war nun schon zum zweiten Mal die Frage: Sollen Häuser aus ökologischen Gründen künftig zwingend aus Holz gebaut werden? Soll dies in den Kaufverträgen beim Kauf eines städtischen Grundstücks festgeschrieben werden? Ja, meinen die Stadtverwaltung und viele im Gemeinderat. Nein, sagt dazu die CDU-Fraktion. Jetzt haben die Vorschriften für das Bauen an der Karlsbader Straße in Weiler für eine lebhafte Debatte im Gemeinderat gesorgt.

Der Preis fürs Bauland war unstrittig

Mit dem Bebauungsplan „Weiler Ortskern“ wird ein 870 Quadratmeter großes Areal in Weiler in zwei Baufenster aufgeteilt und Wohnbebauung ermöglicht. Zudem wird damit die gewünschte Nachverdichtung im Innenbereich gefördert, eine Baulücke geschlossen. Bewerben können sich für die Bauplätze Einzelpersonen, Bauträger und Baugemeinschaften. Bauträger und Baugemeinschaften müssen dafür ein Nutzungs- und Baukonzept vorlegen. Automatisch angeschrieben werden die auf der städtischen Vormerkliste eingetragenen Interessenten für städtische Bauplätze. Erlaubt sind Einzelhäuser, Doppelhäuser, Reihenhäuser sowie kleinere Mehrfamilienhäuser. Wie bei den Bauplätzen in den „Oberen Straßenäckern“ soll der Kaufpreis bei 680 Euro pro Quadratmeter liegen – ein Preis, der im Gemeinderat völlig unstrittig war.

Ganz anders sah dies aber bei den weiteren Festlegungen aus, die die Stadtverwaltung angesichts der angestrebten Klimaziele vorgeben und wie bei den „Oberen Straßenäckern“ in den Kaufverträgen festgeschrieben sehen wollte: Danach sollten Einfamilien-, Doppel- und Reihenhäuser zwingend in Holzständer-, Holztafel- oder Holzmodulbauweise gebaut werden. Die Mehrfamilienhäuser sollten in monolithischer, massiver Bauweise – also Stein auf Stein – erstellt werden. Mindestens 25 Prozent der Dachfläche soll für Solarenergie eingesetzt werden, für Einfamilien- und Doppelhäuser der Einbau von Zisternen zur Regenwassernutzung vorgeschrieben werden und der energetischen Standard KfW-Wert 40 erfüllt sein.

Was darf man Häuslesbauern vorschreiben?

Die Vorgabe, den Häuslesbauern vorzuschreiben, dass sie zwingend in Holz bauen müssen, hatte die CDU-Fraktion schon bei den „Oberen Straßenäckern“ heftig kritisiert – erwartungsgemäß stieg deshalb Manfred Bantel gleich in die Diskussion ein. „Die aktuellen Holzpreise sind überhitzt“, erinnerte er, Gebäude aus Holz würden deshalb sehr teuer. Der vorgegebene Energiestandard komme noch dazu, monierte Bantel: „Wir zwingen die Leute zu sehr hohen Baupreisen.“ So sah es auch AfD-Sprecher Lars Haise, der in seinem Statement „eine grüne Elite“ kritisierte, die anderen vorschreiben wolle, wie sie ihre Häuser zu bauen haben. Dagegen brach Jürgen Erdmann (SPD) eine Lanze für die ökologische Bauweise aus Holz und erinnerte seine Ratskollegen an den Beschluss, die Stadt in wenigen Jahren klimaneutral machen zu wollen. Das knapp werdende Holz werde derzeit nach China und in die USA verkauft. Die Stadt habe als Waldbesitzerin aber die Möglichkeit, ihr Holz nur an kleine Sägewerke zu verkaufen. Auch Oberbürgermeister Matthias Klopfer machte sich für die Holzbauweise stark: „Wo wir die Chance haben, sollten wir es konsequent umsetzen“, mahnte er. FDP/FW-Chef Gerhard Nickel warnte davor, sich auf den Holzpreis zu fokussieren, weil auch die Preise der anderen Baustoffe nachziehen würden. Auch er erinnerte an den mit großer Mehrheit gefassten Beschluss: „Wenn wir es ernst meinen mit der Klimaneutralität, haben wir eine Verantwortung.“

SPD-Rat Hans-Ulrich Schmid wirft der CDU Sonntagsreden vor

Während SPD-Rat Hans-Ulrich Schmid die CDU aufforderte, nicht nur in Sonntagsreden von Klimaschutz zu sprechen, nahm Manfred Bantel für seine Fraktion in Anspruch, die Realität zu erkennen: Die CDU stelle sich nicht grundsätzlich gegen die Vorgabe, sondern wolle abwarten, bis sich die Situation auf dem Holzmarkt normalisiert habe. Sein Fraktionskollege Max Klinger verwies auf Baustoffe mit ähnlich guten Umwelteigenschaften, die beim Bauen alternativ eingesetzt werden sollten. Angesichts der wiederkehrenden Debatte plädierte Gaby Koch, Fachbereichsleiterin Wirtschaftsförderung und Grundstücksverkehr, dafür, die Grundzüge ökologischen Bauens grundsätzlich festzulegen: „Wir können uns nicht jedes Mal beharken“, sagte sie. Mehr Expertenwissen forderte Julia Schilling (CDU): Noch stehe man am Anfang des Weges zur Klimaneutralität: „Aber wir zerfleischen uns. Wir brauchen jemanden, der sich auskennt.“Ähnlich sah dies auch SPD-Fraktionschef Tim Schopf: „Wir brauchen einen fachlichen Input und einen Grundsatzbeschluss zu klimagerechtem Bauen.“ Mehrheitlich wurde der Antrag der CDU angenommen. Das heißt: Außer Holz sind an der Karlsbader Straße auch Baustoffe mit vergleichbaren Umwelteigenschaften möglich: zum Beispiel Recyclate, also recycelte Rohstoffe aus Kunststoffen.

Im Herbst folgt Veranstaltung für Bauherrn und Kommunalpolitiker

Unterdessen hat eine Arbeitsgruppe im Rathaus mit der Arbeit an einem Kriterienkatalog für ökologisches Bauen begonnen. „Wir brauchen einen sachlichen Hintergrund, und wir brauchen auch Expertise von außen“, sagte Gaby Koch auf Anfrage. Im Herbst soll im Rahmen der Reihe „Politik im Rathaus“ zudem eine öffentliche Veranstaltung mit Vorträgen und Hintergründen zum Thema folgen.

Die Stadt Schorndorf hat sich hohe Klimaziele gesteckt. Bis 2035 will die Stadt klimaneutral werden – darüber waren sich Stadtverwaltung und Gemeinderat weitgehend einig. Die Ziele sind klar, der Weg dorthin allerdings weniger. Ein Streitpunkt war nun schon zum zweiten Mal die Frage: Sollen Häuser aus ökologischen Gründen künftig zwingend aus Holz gebaut werden? Soll dies in den Kaufverträgen beim Kauf eines städtischen Grundstücks festgeschrieben werden? Ja, meinen die Stadtverwaltung und

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 5,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper