Schorndorf

100 Tage im Amt: Das sind die ersten Projekte des Schorndorfer OB Bernd Hornikel

Bernd Hornikel
Oberbürgermeister Bernd Hornikel. © Gabriel Habermann

Dass er gut zuhören kann, haben Bernd Hornikel in seinen ersten hundert Tagen im Amt als neuer Schorndorfer Oberbürgermeister schon viele Bürger bescheinigt. Und auch, dass er ein nahbarer OB ist, einer, der gern mit den Leuten redet. Das freut ihn – auch wenn ihm bewusst ist, dass er es angesichts der anstehenden Herausforderungen als Oberbürgermeister nicht allen wird recht machen können und er vielleicht schon bald auch mal im Wind stehen wird. „Mein erstes Projekt ist der Untere Marktplatz“, sagt er. Weitgehend autofrei stellt er sich die Fläche vor, dafür aber mit deutlich mehr Lebens- und Aufenthaltsqualität, vielleicht mit der Möglichkeit zum kurzen Halten und mit Behindertenparkplätzen. Was geht, soll ein Konzept zeigen, mit dessen Erarbeitung er bereits begonnen hat. „Das gibt einen Aufschrei“, glaubt er schon jetzt. Doch auch Zuspruch habe er von einigen Gewerbetreibenden für sein Projekt bereits bekommen.

Ein Brand in Miedelsbach

Die Entscheidung über die Stadtbücherei, ein Großbrand in Miedelsbach, das Krisenmanagement in Sachen Ukraine-Krieg und die Unterbringung der Flüchtlinge: Langweilig waren die ersten hundert Tage von Bernd Hornikel als Nachfolger von Matthias Klopfer bestimmt nicht. Zumal er nicht nur viele neue Mitarbeiter, Bürger und Kollegen kennenlernte, sondern auch mit einer riesigen Palette an Themen konfrontiert war, die für ihn als ehemaliger Vize-Chef des Landesamts Vermögen und Bau gänzlich neu waren. In seiner Fachverwaltung habe er nur ein Aufgabengebiet bearbeitet, sagt er, jetzt seien es viele. Dabei empfindet er die enorme Bandbreite der Themen – von Kitas und Schulen über die öffentliche Sicherheit bis zu Bauprojekten und noch viel mehr – als die größte Herausforderung, bei der er sich auf seine Fachbereichsleiter verlassen müsse: „Sonst verzettle ich mich.“

Die Freiwilligkeitsleistungen sind im Herbst das große Thema

Kennengelernt hat er die Führungsriege der Stadtverwaltung zunächst bei einer Klausurtagung, eine andere Klausur fand im Mai mit dem Gemeinderat statt. Weil viele Mitglieder neu sind im Gremium, sei es für sie die erste Klausurtagung gewesen. Förmliche Entscheidungen standen seinen Aussagen zufolge nicht auf der Tagesordnung, wohl aber viele Informationen über die Pflicht- und Freiwilligkeitsleistungen der Stadt. Angesichts der angespannten Haushaltslage werden die in diesem Jahr zur Diskussion stehen, was bekanntermaßen nicht zu den spaßigen Aufgaben der Kommunalpolitik gehört. Bei der Klausurtagung sei es deshalb darum gegangen, für diese Leistungen ein Bewusstsein zu schaffen, sagt Hornikel. Immerhin flössen von Zuschüssen an die Vereine und Organisationen bis zur Unterhaltung der Anlagen und Gebäude jährlich rund 3,4 Millionen Euro in Kultur und Sport, erinnert er. „Es ist interessant, wenn man weiß, was den Kitt der Gesellschaft ausmacht. Das sind alles Freiwilligkeitsleistungen, die Geld kosten.“ Angesichts klammer Kassen ist es wohl kein Wunder, dass derzeit so manch kleiner kulturtreibende Verein um seine Zuschüsse fürchtet. Geht es nach OB Hornikel, besteht dafür indes kein Grund: Im September werde die Verwaltung mit den Kulturtreibenden über die Zuschüsse verhandeln, kündigt Hornikel an, wobei er selbst so kurz nach der Pandemie Kürzungen für das falsche Signal halten würde. Letztlich sei die Entscheidung aber Sache des Gemeinderats.

Leben in die Stadt zu bringen, den Marktplatz auch zwischen den Markttagen zu nutzen, die Plätze zu beleben: All das hat er sich vorgenommen. Weil es schön sei, wenn sich die Menschen auf dem großen Platz treffen, aber auch, weil es gut sei für die Gastronomen. Ein Konzept für die ganze Stadt, inklusive der Vorstadt, ist sein Ziel – ausgenommen den Unteren Marktplatz, den er schon früher angehen möchte. Ein ganz anderes Thema will er nach der Sommerpause auf die Agenda setzen: die Obdachlosenunterkunft im Hammerschlag, nach deren Besuch er angesichts des menschlichen Elends tief erschüttert war. „Das war schrecklich“, berichtet er. Dabei gehe es nicht um eine Luxusunterkunft, sondern um Menschenwürde. Überlegungen, die teils menschenunwürdige Unterbringung zu verbessern, gebe es in der Stadtverwaltung bereits: „Da muss man rangehen.“

In seinem Wahlkampf hatte er angekündigt, den Fokus auf die Stadtteile zu legen. Inzwischen hat er sich mit den Ortsvorstehern getroffen und einen „engen und offenen Austausch“ gestartet. Den hat er auch mit den Ortschaftsräten aufgenommen, mit Bürgersprechstunden will er außerdem vor Ort in den Ortsteilen Präsenz zeigen. „Ich finde es wichtig zu hören, was die Menschen bewegt“, sagt Hornikel. Bekanntlich leben derzeit knapp 50 Männer, Frauen und Kinder aus der Ukraine in der Schornbacher Brühlhalle. Die Halle hat er besichtigt, „es funktioniert gut“, sagt der Oberbürgermeister. „Es scheint friedlich zuzugehen.“ Weitere Wohnungen für die Unterbringung der Menschen aus dem Kriegsgebiet werden dringend gesucht.

Ein Oberbürgermeister ist immer im Dienst

Hat es irgendwo auch mal geknirscht, gab es auch Enttäuschungen? Nein, versichert er, schlechte Erfahrungen habe er keine gemacht. „Die ersten zwei Monate waren ja eine permanente Vorstellungstour. Ich bin überall offen empfangen worden.“ Auch die Arbeitsbelastung sei nicht schlimmer als früher, als er zusätzlich zum Job auch noch als Pendler jeden Tag lange auf der Straße war. Gleichwohl hat sich sein Privatleben verändert, weil er als OB praktisch immer im Dienst ist und nie privat unterwegs. „Ich beklage mich nicht“, versichert Hornikel. Die neue Öffentlichkeit sei anstrengender als gedacht. Andererseits sei es schön, als OB wahrgenommen zu werden.

Dass er gut zuhören kann, haben Bernd Hornikel in seinen ersten hundert Tagen im Amt als neuer Schorndorfer Oberbürgermeister schon viele Bürger bescheinigt. Und auch, dass er ein nahbarer OB ist, einer, der gern mit den Leuten redet. Das freut ihn – auch wenn ihm bewusst ist, dass er es angesichts der anstehenden Herausforderungen als Oberbürgermeister nicht allen wird recht machen können und er vielleicht schon bald auch mal im Wind stehen wird. „Mein erstes Projekt ist der Untere

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