Schorndorf

13-Jähriger erfindet Schloss für Longboards

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Benjamin Fischer
Benjamin Fischer zeigt sein Longboard mit der von ihm erfundenen Schließvorrichtung, durch die sich ein Fahrradschloss ziehen lässt. © Büttner / ZVW
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Benjamin Fischer
So einfach wie genial: Das Longboard Lock besteht aus einem simplen Metallteil, das sich über die bereits vorhandenen Schrauben der Achsen an Longboards, aber auch Skateboards schrauben lässt. © Büttner / ZVW

Remshalden. Weil er ein Schloss für sein Longboard suchte, aber keines fand, hat der 13-jährige Benjamin Fischer kurzerhand selbst eins entwickelt und produzieren lassen. Das einfache Metallteil, das er Longboard Lock genannt hat, verkaufen schon die ersten Fachgeschäfte. Und alles wegen eines ärgerlichen Verbots seiner Schule.

Video: Benjamin Fischer, 13 Jahre, aus Remshalden, der das Longboard Lock, eine Schloss-Vorrichtung für Longboards, aber auch für Skateboards und andere Boards erfunden hat.

Sein Longboard ist für Benjamin Fischer ein wichtiges Fortbewegungsmittel. Auf dem rollenden Brett, das – für den Laien kurz und salopp gesagt – viel mit einem Skateboard gemeinsam hat, aber länger, breiter und weniger wacklig ist, fährt der Achtklässler von Geradstetten nach Grunbach zur Realschule, wann immer das Wetter es zulässt. Lange Zeit war das auch gar kein Problem – bis die Schule ein Verbot aussprach: keine Longboards mehr im Gebäude! Das lag an denen, die an der Tür nicht von ihren Brettern abstiegen und sie sich unter den Arm klemmten, sondern darauf auch durch die Schule rollten. „Das war sehr ärgerlich für die, die nicht im Gebäude rumfuhren“, meint Benjamin Fischer.

"Ein gutes Board fängt bei 130 Euro an"

Besonders ärgerlich deswegen, weil man so ein Longboard natürlich nicht einfach irgendwo rumstehen lässt, wenn es einem lieb ist. „Ein gutes Board fängt bei 130 Euro an“, sagt er. Und er hatte sich das Teil von seinem eigenen Ersparten gekauft. Also suchte Benjamin Fischer nach einer Möglichkeit, sein geliebtes Fortbewegungsmittel anzuschließen wie andere ihre Fahrräder. Jedoch: Er fand keine. „Zumindest gab es nichts, was so einfach zu handhaben ist“, sagt er. Manche Lösungen, die erhältlich waren, passten nicht zu den Fahrradständern, die vor der Schule stehen.

Einfaches Prinzip des Longboard Locks

Doch statt aufzugeben und sein Board künftig zuhause zu lassen, hat Benjamin Fischer nachgedacht und hatte schließlich eine Idee. Mit Hilfe seines Vaters hat er aus einer Metallplatte mit einer einfachen Feile einen Prototyp hergestellt, aus dem dann das Longboard Lock wurde. Das Prinzip ist so einfach wie genial: Zur Befestigung werden die vier Schrauben genutzt, die ohnehin da sind, um die Vorderachse zu halten. Und durch einen etwa im 45-Grad-Winkel abstehenden Bügel zieht Benjamin Fischer ein gewöhnliches Fahrradschloss und kann das Longboard so überall dort befestigen, wo man auch ein Rad anschließen kann.

Erste Produktion mit Taschengeld finanziert

Seine Erfindung nannte Benjamin Fischer Longboard Lock. Ein metallverarbeitender Betrieb aus Grunbach hat für Benjamin Fischer eine erste Tranche von 50 Stück der Schließvorrichtung gefertigt. Der 13-Jährige hat das mit seinem Taschengeld finanziert.

Longboard Lock auch schon im Handel

Und bereits einen großen Teil von den 50 Metallteilen verkauft. „Ich bin finanziell schon im Plus“, sagt er. Teilweise haben ihm seine Mitschüler, die ebenfalls Longboard fahren, seine Erfindung abgekauft. Doch das Longboard Lock gibt es auch schon im Handel. Bei Freeride Mountain in Schorndorf und in Stuttgart im Sportladen „Kollektiv“ kann man es kaufen. Aus Skaterkreisen hat Benjamin Fischer schon viele lobende Rückmeldungen bekommen. Denn das Longboard Lock funktioniert auch bei anderen Gattungen der rollenden Bretter wie Skateboards oder dem kleineren Cruiser.

Nicht die erste Erfindung

Es ist nicht die erste Erfindung, die der junge Tüftler gemacht hat. Zuvor schon hatte er zum Beispiel die Idee für ein „Music-Racket“, das heißt, einen Tennisschläger, der Musik abspielen kann. Er konstruierte dazu auch einen Prototypen und baute einen Bluetooth-Empfänger und einen Lautsprecher in den Griff eines Schlägers ein. Aber die Serienreife, meint er, sei dann an den Produktionskosten gescheitert.

Erwachsene Bekannte unterstützt Benjamin

Benjamin Fischer kann sich durchaus vorstellen, Erfindungen wie das Longboard Lock zu seinem Beruf und sich damit als Firmengründer selbstständig zu machen. Bisher braucht er dazu noch die Hilfe einer erwachsenen Bekannten, die ihn unterstützt. Er kann als 13-Jähriger nämlich nicht so einfach eine Firma gründen. Die Bekannte, die technische Redakteurin ist, hat auch eine einfache Montageanleitung entworfen, die als kleines Etikett am Longboard Lock hängt, wenn man es kauft.

Nächster Schritt: Patent anmelden 

Insgesamt geht Benjamin Fischer ziemlich bodenständig an die Sache heran und sagt sich: Ich bin ja noch jung. Von einer Erfindung wie dem Longboard Lock zu leben, wäre zwar ein Traum. Aber man müsse mal abwarten, ob es sich dazu überhaupt gut genug verkauft, meint er. Der nächste Schritt ist die Patentanmeldung. Dann soll das Longboard Lock auch über Deutschland hinaus in die Vermarktung gehen. Als Berufswunsch nennt Benjamin Fischer außerdem: Rechtsanwalt. Aber bei so viel Ideenreichtum und Geschäftssinn ist das Longboard Lock sicher noch nicht sein letzter genialer Einfall.

Video und Kontakt

Wer Tüflter und Jungunternehmer Benjamin Fischer kontaktieren möchte, kann das per E-Mail an die Adresse longboardlock@gmail.com tun.