Schorndorf

28-Jähriger aus Plüderhausen muss wegen sexueller Belästigung ins Gefängnis

AmtgerichtSchoCorona
Symbolfoto. © Gaby Schneider

Eine Freiheitsstrafe von zehn Monaten ohne Bewährung, unter anderem, weil der Täter „keine Einsicht zeigt“. Dazu verurteilte das Amtsgericht Schorndorf einen 28-jährigen Mann aus Plüderhausen wegen sexueller Belästigung.

Das Gericht um die Vorsitzende Petra Freier hatte am Ende der fast zweistündigen Verhandlung keine Zweifel an der Schuld des eritreischen Staatsbürgers. Diesem wurde vorgeworfen am 7. Juli 2020, also vor fast genau einem Jahr, eine 32-jährige Frau gegen ihren Willen sexuell motiviert angefasst zu haben.

Der Täter ist kein unbeschriebenes Blatt

Die Staatsanwaltschaft zeichnete in ihrer Anklage kein vorteilhaftes Bild des Mannes. Am 7. Juli des vergangenen Jahres soll er sich am Bahnsteig Winterbach auf eine Bank neben die geschädigte Frau gesetzt haben. Er verwickelte sie ins Gespräch und fragte sie im Laufe dessen, ob er ihre Haare anfassen dürfe. Die 32-Jährige verneinte und rutschte weiter von ihm weg. Trotzdem fasste ihr der Eritreer ins Haar. Obwohl die Frau sogleich seine Hand wegschlug, fasste er ihr unvermittelt mit der rechten Hand an die Brust. Der Angeklagte bestritt das den gesamten Prozess über.

Der Mann ist der Justiz bereits seit längerem bekannt. Er flüchtete im September 2017 aus Eritrea nach Deutschland und lebt seitdem von Sozialleistungen. Nur einen Tag nach der Tat, die vor dem Gericht verhandelt wurde, machte er sich ein erstes Mal strafbar. Damals, am 8. Juli 2020, redete der 28-Jährige auf einer Parkbank auf ein 12-jähriges Mädchen ein. Er fasste sie nach kurzer Zeit am Körper an, küsste sie gegen ihren Willen auf den Mund und fragte sie, ob sie mit in seine Wohnung kommen wolle. Dank einer Zeugenaussage und einer öffentlichen Fahndung über die Presse, konnte der Mann schnell als Täter identifiziert werden. Die Geldstrafe, die ihm damals auferlegt wurde, zahlt er seitdem in Raten ab.

Als die Geschädigte selbst in den Zeugenstand trat, wurden die Nachwirkungen ihrer Begegnung mit dem Angeklagten schnell klar. Verängstigt und nur in Begleitung einer Freundin konnte sie den Saal betreten. Bewusst schien sie den Blickkontakt zu ihrem mutmaßlichen Belästiger zu vermeiden. Sie sagte aus, dass sie am Nachmittag der Tat auf dem Weg von der Arbeit nach Hause war, als sie der Mann nach dem Weg zum Schlossplatz in Stuttgart fragte. Anfangs sei er noch nett gewesen, habe sich ihr vorgestellt und sich mit etwas Abstand neben sie gesetzt. Auf seinem Smartphone habe sie ihm dann den Weg nach Stuttgart gezeigt. Danach habe er weiter mit ihr in gebrochenem Deutsch gesprochen und sie gefragt, ob sie mit in seine Wohnung kommen wolle. Außerdem fragte er die Frau, „wo der Puff sei“. Als sie ihm, wie schon in der Anklage genannt, untersagte, ihre Haare anzufassen, habe er sie am Zopf gepackt und ihr an die Brust gefasst. Die Frau sprach von einem „Wachrüttler“, als kurz darauf die Bahn einfuhr. Die alleinerziehende Mutter begab sich schnell in einen der Waggons und machte sich auf den Heimweg. Dort angekommen, meldete sie den Vorfall bei der Polizei. Dies bestätigte auch der Polizeibeamte, der die Anzeige aufgenommen hatte. Er habe Bildmaterial von den Überwachungskameras am Bahnsteig bei der Bundespolizei angefordert. Dort habe man den mutmaßlichen Täter schnell ausmachen können.

Überwachungsbilder identifizieren den Täter

Durch eine Lichtbildfahndung sei man dann schnell auf den 28-Jährigen gestoßen. Dieser verneinte zunächst, überhaupt am Bahnsteig gewesen zu sein, revidierte seine Aussage aber, nachdem er die Überwachungsbilder gesehen hatte. Trotzdem bestritt er, die Frau angefasst zu haben. Was tatsächlich auf der Bank geschehen ist, war auf den Bildern nicht zu sehen, so der Polizist. Die Geschädigte kam im Nachgang der Tat nicht mit nur einem Schock davon. Zwei Wochen lang musste sie krankgeschrieben werden, weil sie starke Angst hatte, das Haus zu verlassen. Außerdem wurde ihr eine Posttraumatische Belastungsstörung diagnostiziert. Diese muss nicht nur mit Beruhigungsmitteln behandelt werden, sondern führte sogar so weit, dass sich die Frau ein Auto zugelegt hat, um öffentliche Verkehrsmittel zu meiden.

Nachdem der Beschuldigte den Vorwurf erneut bestritt und sich wenig einsichtig zeigte, sprach Richterin Petra Freier ihr Urteil. Das Opfer habe seine ursprünglichen Angaben vor Gericht bestätigt und klargemacht, wie schlecht es ihr dadurch immer noch geht. Deshalb habe sie keine Zweifel am Tathergang. Auf den 28-Jährigen warten deshalb nun zehn Monate Freiheitsstrafe. „Sie müssen lernen, dass man in Deutschland Frauen nicht einfach so anfassen darf“, begründete Petra Freier das Urteil.

Eine Freiheitsstrafe von zehn Monaten ohne Bewährung, unter anderem, weil der Täter „keine Einsicht zeigt“. Dazu verurteilte das Amtsgericht Schorndorf einen 28-jährigen Mann aus Plüderhausen wegen sexueller Belästigung.

Das Gericht um die Vorsitzende Petra Freier hatte am Ende der fast zweistündigen Verhandlung keine Zweifel an der Schuld des eritreischen Staatsbürgers. Diesem wurde vorgeworfen am 7. Juli 2020, also vor fast genau einem Jahr, eine 32-jährige Frau gegen ihren Willen

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