Schorndorf

2G: Was Veranstalter wie die Kulti und das Achtwerk zu den verschärften Corona-Regeln sagen

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Erstes Konzert der Kulturinitiative Rock nach dem langen Lockdown in diesem Jahr: Opportunity in der Strandbar 51. © Ralph Steinemann Pressefoto

Seit Mittwoch gilt in Baden-Württemberg die Corona-Alarmstufe. Weil die Lage auf den Intensivstationen angespannt ist, gilt in vielen Bereichen des öffentlichen Lebens nun die 2G-Regel. Das bedeutet, der Zutritt zu Veranstaltungen ist nur noch Geimpften und Genesenen erlaubt. Steigt die Hospitalisierungsrate weiter, könnte es bald auch zu 2G+ (nur Geimpfte und Genesene, die zusätzlich ein negatives Testergebnis nachweisen müssen) oder Verboten kommen. Wir haben mit Veranstaltern in der Region darüber gesprochen, wie sie die momentane Lage sehen.

Veranstalter leiden

„Die Veranstalter leiden seit fast zwei Jahren“, sagt Steffen Clauss, Vorsitzender der Winterbacher Kulturinitiative Rock. Viele kämpften mit der anhaltenden Situation, einige würden vielleicht bald verschwinden. Auch bei der Kulturinitiative herrschte coronabedingt lange eine Flaute bei den Konzertmöglichkeiten und Ticketverkäufen. Erst seit kurzem läuft es wieder besser. „Bei 10cc hatten wir etwa 660 Besucher“, sagt Steffen Clauss. Doro Pesch wollten sogar 950 Gäste sehen. Damit war der Kulti-Chef in Anbetracht der aktuellen Lage zufrieden, die Unkosten konnten eingespielt werden - gleichzeitig wagt er aber die, wohl nicht ganz aus der Luft gegriffene, Prognose, dass zu normalen Zeiten mehr Menschen gekommen wären.

Bei den zwei genannten Konzerten galt noch die 3G-Regel. Nun dürfen erst einmal nur noch Geimpfte und Genesene zu Konzerten kommen. „In der nahen Zukunft haben wir eigentlich nur den Weihnachtsblues in der Strandbar geplant“, sagt Steffen Clauss dazu. Calo Rapallo & Friends werden am 26. Dezember auftreten. Die Veranstaltung würde, sofern dann noch erlaubt, aber auch unter 2G-Regeln stattfinden. Die Erfahrung, so Clauss, habe gezeigt, dass die absolute Mehrheit der Menschen, die für 10cc und Doro Pesch Tickets gekauft hatten, geimpft oder genesen war. „Wir hatten 3G angesetzt, weil wir niemanden ausschließen wollten, aber Ungeimpfte haben das Angebot nicht wahrgenommen“, so Clauss.

Wenige Ungeimpfte bei Veranstaltungen

Ähnliches kann Achim Grockenberger, Leiter des Kulturamts bei der Urbacher Gemeindeverwaltung, berichten. Die Kabarett- und Comedy-Veranstaltungen in der Auerbachhalle werden hauptsächlich von Geimpften und Genesenen besucht. „Wir hatten die 2G-Regel schon eingeführt“, sagt Achim Grockenberger. Bereits Mitte Oktober habe die letzte Veranstaltung mit 3G-Regeln stattgefunden. „Von 400 Leuten waren gerade einmal sechs oder sieben mit einem Test gekommen“, so Grockenberger. „Unsere Stammgäste sind einfach zu 95 Prozent geimpft.“ Es habe sich nach der Umstellung auch niemand bei ihm beschwert und von den anderen Gästen kamen positive Rückmeldungen, weil sie sich sicherer fühlten. Nur beim Kindertheater habe man noch die 3G-Regel aufrechterhalten, nun gilt auch dort für Erwachsene 2G. Tickets werden aktuell trotzdem weniger und kurzfristiger gekauft.

Die Veranstaltungen in Urbach werden erst einmal weiter stattfinden. „Als Leiter des Ordnungsamts und des Kulturamts schlagen zwei Herzen in meiner Brust“, sagt Achim Grockenberger. Auch bei 2G gebe es ja keine Garantie dafür, dass sich niemand mit Corona anstecke. Andererseits sei auch zu bedenken, dass die eingeladenen Künstlerinnen und Künstler, wenn die Gemeinde die Veranstaltungen absage, obwohl sie sie unter 2G-Regeln eigentlich stattfinden könnten, trotzdem bezahlt werden müssten.

Das Rudersberger Achtwerk, eine Veranstaltungslocation für private Feiern und Firmenevents, kämpft mit der unberechenbaren Corona-Politik. „Die letzten vier, fünf Monate ging’s Schlag auf Schlag“, sagt Gründer Serdar Vona. Knapp über 50 Veranstaltungen haben im Achtwerk seit dem langen Lockdown stattgefunden, für 2022 sei die Location komplett ausgebucht. „Die Tendenz in die Zukunft sieht tatsächlich sehr positiv aus“, sagt Serdar Vona - wären da nicht die neuen Einschränkungen, die nun wieder drohen.

Zögernde Kunden, aber keine Hilfen

„Die Politik ist sehr weit weg von der Veranstaltungsbranche und der Gastronomie“, meint Serdar Vona. Er kritisiert, dass Veranstaltungen nur unter strengen Bedingungen stattfinden können, es aber keine Corona-Hilfen mehr gibt. „Da hat man sich ein Schlupfloch geschaffen.“ Das Problem: Aufgrund der neuen Corona-Regeln seien schon Veranstaltungen abgesagt, vor allem aber auch reduziert worden.

„Wir haben uns an alle Vorschriften gehalten und werden jetzt trotzdem bestraft,“ so Vona. Expansionsgedanken müssten auf Eis gelegt werden, stattdessen steht da ein „riesengroßes Fragezeichen“. Existenzsorgen habe das Achtwerk zwar zum Glück nicht, aber wirtschaftlich treffe die Lage ein junges Unternehmen trotzdem stark. „Das ist für mich und meinen Geschäftspartner beängstigend, weil man ja nicht weiß, wo die Reise hingeht.“ Und was, wenn doch wieder ein Lockdown kommt? „Dann heißt es wieder auf einem Bein jonglieren“, sagt Vona.

Seit Mittwoch gilt in Baden-Württemberg die Corona-Alarmstufe. Weil die Lage auf den Intensivstationen angespannt ist, gilt in vielen Bereichen des öffentlichen Lebens nun die 2G-Regel. Das bedeutet, der Zutritt zu Veranstaltungen ist nur noch Geimpften und Genesenen erlaubt. Steigt die Hospitalisierungsrate weiter, könnte es bald auch zu 2G+ (nur Geimpfte und Genesene, die zusätzlich ein negatives Testergebnis nachweisen müssen) oder Verboten kommen. Wir haben mit Veranstaltern in der

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