Schorndorf

40 Jahre Jugendkapelle: Eine zukunftsträchtige Gemeinschaft

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Jugendtrachtenkapelle
Die Jugendkapelle bei der Probe für den Auftritt bei der Jubiläumsfeier im frisch renovierten Musikhäusle. © ZVW / Schneider
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Jugendtrachtenkapelle
Später wurde die Auswahl der Instrumente erweitert, es kamen zum Beispiel Saxofone hinzu. © ZVW/Schneider
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Erster Auftritt 1975 bei der Winterunterhaltung: Damals waren die einzigen Instrumente Trommelflöten, Fanfaren und kleine Trommeln. © Privat

Winterbach. Die Gründung der Jugendkapelle des Musikvereins Trachtenkapelle ist eigentlich schon länger als 40 Jahre her, 1974 wurde sie ins Leben gerufen. Aber der Umbau des Musikhäusles ließ in den vergangenen zwei Jahren keine Luft zum Feiern. Jetzt holen die Blasmusiker das nach und lassen dabei die Gemeinschaft hochleben.

Warum gehen junge Leute heutzutage in den Verein, lernen ein Blasinstrument, erscheinen jede Woche zur Probe und halten das auch noch über Jahre durch? Antworten darauf gibt es zahlreiche, doch viele Vereine merken seit Jahren, dass es zunehmend schwerer wird, den Nachwuchs erst in den Verein zu bringen und dann auch noch zu halten. Dem Musikverein Trachtenkapelle Winterbach gelingt das mit großem Erfolg. Nachwuchssorgen hatte die Jugendkapelle in ihrer nun mehr als 40-jährigen Geschichte nicht. 44 Mitglieder hat sie derzeit.

Wer diese Mitglieder nach den Gründen fragt, warum sie sich für die Blasmusik im Verein begeistern, der bekommt durchaus überraschende Antworten. Rafaela Pechlivanidou war bereits in einem anderen Musikverein aktiv, wechselte dann aber nach Winterbach und sagt dazu: „Die Tracht war ein Riesenanreiz.“ Männer in Lederhosen findet die 18-Jährige gut und selbst trägt sie auch gerne die Tracht des Musikvereins. „Man trägt sie mit Stolz“, sagt auch Matthias Haverkamp, ebenfalls 18 Jahre. Die Tracht ist das Symbol für die Zusammengehörigkeit, der Stolz bezieht sich – etwas salopp formuliert – darauf, Teil einer Gemeinschaft von netten Menschen, die gute Musik machen, zu sein.

Der Umbau des Musikhäusles schweißte zusammen

Neben der Freude an der Musik ist das wohl die wichtigste Antwort auf die Frage nach dem Warum: wegen der Gemeinschaft, die ganz verschiedene Menschen vereint. „Man würde außerhalb des Vereins nicht mit so einer Bandbreite an Typen was zu tun haben“, sagt Benjamin Rupp. Der 24-Jährige, der schon länger in der Trachtenkapelle spielt, aber in der Jugendkapelle noch am E-Bass aushilft, sagt scherzhaft zugespitzt: „Wann trifft man sich sonst schon, um mit einem 60-Jährigen ein Fundament zu betonieren?“ Das bezieht sich auf den Umbau des Musikhäusles, den der Verein in den vergangenen beiden Jahren gestemmt hat. Viele Vereinsmitglieder aller Generationen packten mit an. Ein Erlebnis, das alle Beteiligten zusammenschweißt und das dazu beiträgt, dass auch im Kerngeschäft, beim Musikmachen, das Miteinander funktioniert. In der aktiven Kapelle ist das jüngste Mitglied 15 und das älteste 85 Jahre.

Der generationenübergreifende Geist soll auch die an diesem Samstagabend stattfindende Jubiläumsfeier prägen. Das Konzert-Programm beginnt mit einem Marsch, führt dann aber weit weg vom klassischen Blasmusik-Repertoire hin zu Helene Fischer (Atemlos) und Andreas Bourani (Auf uns). „Wenn wir heute nur Marsch und Polka spielen würden, dann würden wir keinen einzigen Jugendlichen im Verein halten“, sagt der Vorsitzende Thomas Kreisl. Zwar gebe es keinen, der nicht gerne auch mal Marsch und Polka spiele. Aber drei Stunden davon am Stück würden keinem Spaß machen – auch nicht dem heutigen Publikum, ist Kreisl überzeugt.

Als Marsch und Polka noch bestimmend waren

Als 1974 die Jugendkapelle gegründet wurde, waren Marsch und Polka noch das Ein und Alles. Damals standen den Jugendlichen als Instrumente nur Trommelflöte, Fanfare und Kleine Trommel zur Verfügung, erinnert sich Gründungsmitglied Frank Rupp. Seine Eltern schickten ihn mit zehn Jahren zum Musikverein, „mal ausprobieren“ hieß die Devise. Frank Rupp gefiel es, er blieb dabei, fand Freunde im Verein und lernte auch seine Frau kennen. Als der Kreis der Instrumente erweitert wurde, schulte er von Trommelflöte um auf Tenorhorn. Das spielt er heute im Alter von 52 Jahren immer noch in der Trachtenkapelle. Auch Frank Rupp spricht vom besonderen Zusammenhalt zwischen Alt und Jung, den es im Verein gebe.

Zum Konzept der Vereinsführung um die Vorsitzenden Thomas Kreisl und Matthias Nachtrieb gehört es, den jungen Vereinsmitgliedern Verantwortung zu übertragen. Die Party an diesem Samstagabend zum Jubiläum haben Mitglieder der Jugendkapelle zum größten Teil selbst organisiert. Nach dem Programm spielen Bands und am Ende legt ein DJ Musik zum Tanz auf.

Das Miteinander und der Zusammenhalt sind der Schlüssel, die Jungen dauerhaft im Verein zu halten und zu binden. Die Grundlage, also das, womit es für alle anfängt, ist die Ausbildung. Mehr als 120 Jugendliche besuchen derzeit den Instrumentenunterricht beim Musikverein. „Das ist fast schon eine richtige Musikschule, die hier parallel läuft“, sagt Thomas Kreisl. Der Verein investiert viel in die Jugend: „Fast die Hälfte unserer jährlichen Ausgaben“, so Kreisl. Es sind Investitionen darin, dass auch mindestens die nächsten 40 Jahre junge Menschen gerne die Tracht der Winterbacher Musiker tragen.

Die Tracht:

Eine „Trachtenkapelle“ war der Winterbacher Musikverein nicht immer. Auf Initiative des damaligen Vorsitzenden Karl Nachtrieb wurden zum 80-jährigen Jubiläum des Vereins im Jahr 1960 Trachten im Stile der Remstäler Wengertertracht geschneidert.

Eine Festschrift zum 125-jährigen Jubiläum erklärt dem Leser in großer Selbstgewissheit: „Letztlich kann festgehalten werden, dass es wohl im ganzen Remstal keine schönere Musikertracht gibt als die des Musikvereins Trachtenkapelle Winterbach.“