Schorndorf

500 Gottlieb-Daimler-Figuren zur Gartenschau

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Die ersten zehn von insgesamt 500 Daimler-Skulpturen hat Konzeptkünstler Ottmar Hörl bereits nach Schorndorf gebracht und sie vor dem Daimler-Geburtshaus in der Höllgasse öffentlich präsentiert. © Habermann/ZVW
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Der Schorndorfer OB Matthias Klopfer (links) zusammen mit Ottmar Hörl (rechts) und dessen Kunstwerken.

Schorndorf. Für Ulm hat Ottmar Hörl Albert Einstein in Serie gegossen, für Wittenberg Martin Luther, für Frankfurt Goethe und jetzt ist Schorndorf dran: Zur Gartenschau werden 500 Gottlieb-Daimler-Figuren den Burggraben am Schloss bevölkern. Zehn hat der renommierte Konzeptkünstler schon jetzt in die Daimlerstadt gebracht: drei in Gold, der Rest in Stahlblau und Eisengrau. Auf gerade mal 95 Zentimeter bringt es der größte Sohn der Stadt bei ihm, um nicht unerreichbares Denkmal, sondern Impulsgeber zu sein.

In der Serie liegt Ottmar Hörls Kunst: Und so bringt er Gottlieb Daimler auch in großer Stückzahl nach Schorndorf. 500 Skulpturen werden im Gartenschaujahr von Mai bis September im Burggraben stehen – so wie Hörl schon in vielen Städten in der Republik aktiv geworden ist. En masse: Zuletzt hat er – von Anfang Mai bis Anfang Juni – den Ulmer Münsterplatz mit 500 Einstein-Figuren bevölkert. Vor vier Jahren beglückte er Frankfurt/Main mit 400 Goethe-Figuren, Trier im Jahr 2013 mit 500 Karl-Marx-Skulpturen und auf dem Marktplatz von Wittenberg standen vor acht Jahren 800 Luther-Botschafter.

Der Künstler, der in Frankfurt/Main, Nürnberg und Wertheim lebt und bis 2017 Präsident der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg war, sieht in der Serie „die Idee unseres Jahrhunderts“. In den 1950er Jahren aufgewachsen, hat er selbst erlebt, wie Auto, Telefon und Computer zum Massenprodukt wurden. Massenkunst im öffentlichen Raum ist für ihn heute eine Möglichkeit, dass von den 96 Prozent der Bevölkerung, die moderne Museen meiden, zumindest ein paar mit einer für sie unbekannten Welt in Berührung kommen können. „Kunst für alle“ – damit will Hörl die Betrachter zum Nachdenken und zum Eintauchen in die Kunst anregen.

Mit 95 Zentimetern: Nicht Denkmal, sondern Impulsgeber

Wie die Daimler-Skulpturen dann tatsächlich in das Gartenschaugelände eingebettet und in Szene gesetzt werden, das wird der Schorndorfer Gartenschau-Planer Professor Jörg Stötzer entscheiden müssen: Klar ist, dass der größte Sohn der Stadt in der Installation nicht über eine Höhe von 95 Zentimetern hinauskommt. Nicht ohne Grund: Ottmar Hörl will keine Denkmäler schaffen, er sieht in den Figuren „Impulsgeber“: Wie Daimler sich von ganz unten – vom Bäckersohn und Büchsenmacherlehrling – zum genialen Erfinder des schnelllaufenden Benzinmotors hochgearbeitet hat, diese Geschichte soll vor allem jungen Menschen Mut machen.

Und so hat Hörl, der erst Maschinenbau und dann Kunst studiert hat, seiner Daimler-Figur bewusst einen respekt- und würdevollen Ausdruck gegeben – und dies mit der Farbauswahl unterstrichen: „Daimler könnte man nicht in Popfarben machen“, stellt Hörl fest und hat für den Ingenieur und Tüftler – außer Gold – undekoratives Stahlblau und Eisengrau gewählt.

"Jede Figur ist Handarbeit"

Bei Walter Krieg, der als Vorsitzender der Kulturforums-Sektion Kunst bei der Präsentation vor dem Daimler-Geburtshaus dabei war, hat dies sofort zu einer Malocher-Assoziation geführt: „Das sind die Blau- und Graumänner.“ Und von denen möchte Krieg dann im Burggraben auch möglichst viele sehen: „Die haben nichts gewusst vom Dieselskandal.“

Produziert werden die Figuren von einer Coburger Firma, die sich bereits zu DDR-Zeiten im Zonenrandgebiet auf die nahtlose Hohlkörper-Fertigung spezialisiert hat – damals zur Herstellung von Puppen. Seit 20 Jahren entsteht dort in Hörls Auftrag Kunst in Serie: Dafür gestaltet der Künstler eine Ton- und dann eine Wachs-Figur, die sechs Wochen lang in ein galvanisches Bad gelegt und mit einer Kupfer-Nickel-Schicht bedampft wird. Jeder Abguss wird einzeln aus der Form geschält und ist aus einer hochwertigen, bruchfesten, wetterbeständigen PVC-Mischung, erklärt Hörl. Und auch wenn der Künstler diesen Arbeitsgang 500-mal wiederholt: „Jede Figur ist Handarbeit.“

Daimler und Hörl: Stadt hat drei Jahre an Verbindung gearbeitet

Seit drei Jahren bereits ist die Stadt Schorndorf mit dem Konzeptkünstler in Kontakt. Dass ausgerechnet zur Remstal-Gartenschau im kommenden Jahr die Verbindung zu Gottlieb Daimler gelingen wird, freut nicht zuletzt Oberbürgermeister Matthias Klopfer: In der Zusammenarbeit mit dem international renommierten Künstler sieht Klopfer eine Chance, den Schlossgarten aufzuwerten und für Schorndorf als Daimler- und als Skulpturenstadt in einem Atemzug zu werben.

Und die Kunst in Serie ist tatsächlich für alle gedacht: Bis zur Installation im Mai 2019 besteht die Gelegenheit, eine der 500 Daimler-Figuren, die während der Gartenschau im eingezäunten Bereich in den Schlosswallgütern ausgestellt werden, zum Vorzugspreis zu kaufen: Für 300 Euro pro unsigniertes und 600 Euro pro signiertes Exemplar sind sie in Blau, Grau oder Gold bis 9. Mai 2019 zu haben. Mit Beginn der Remstal-Gartenschau steigt auch der Preis: um 50 beziehungsweise 100 Euro.


Der Künstler

Ottmar Hörl, Professor und bis 2017 Präsident der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg, zählt zu den international bekanntesten Konzeptkünstlern. „Er hat den Skulpturenbegriff erweitert wie kaum ein anderer und unvergessliche Installationen in vielen Stadträumen geschaffen“, heißt es in der Broschüre zur Schorndorfer Skulpturen-Installation. Und weiter: „Konsequenz, Innovation und die Idee der Demokratisierung von Skulptur sind die Bausteine seines weltweiten Erfolgsmodells.“

Mit der seriellen Skulptur will Hörl keine Denkmäler schaffen, sondern „einen Impuls zur Kommunikation“ – und im Schorndorfer Fall dazu anregen, sich mit dem schwäbischen Pionier, Visionär, Erfinder und Konstrukteur neu auseinanderzusetzen. Über den berühmtesten Sohn der Stadt Schorndorf sagt der Konzept-Künstler: „Gottlieb Daimler ermöglichte durch Mobilität und Geschwindigkeit einen erweiterten Blick auf die Welt. Er veränderte das Leben der Menschheit nachhaltig. Sein Pioniergeist beflügelt und wirkt bis heute nach.“

Ottmar Hörl war bereits in vielen Städten und Stätten aktiv: in diesem Jahr mit 500 Albert-Einstein-Figuren vor dem Ulmer Münster, mit 165 Gutenberg-Skulpturen im Gutenberg-Jubiläumsjahr in Eltville am Rhein, mit 100 Arbeiter-Skulpturen im Unesco-Weltkulturerbe Völklinger Hütte und 55 Wölfen im Schloss zu Hopferau aus Anlass von dessen 550-Jahr-Jubiläum. Ein Überblick über das Gesamtwerk von Ottmar Hörl bietet seine Internetseite: www.ottmar-hoerl.de.

Wer eine von Ottmar Hörls 500 Daimler-Skulpturen erwerben möchte, kann dies über einen Patenschaftsantrag tun, der der Broschüre zur Ausstellung beigefügt ist. Ob in Gold, Eisengrau oder Stahlblau – die Figuren sind bis 9. Mai 2019 für 300 Euro (unsigniert) oder 600 Euro (signiert) zu haben. Mit Beginn der Ausstellung im Schorndorfer Schlosspark erhöht sich der Preis pro Skulptur auf 350 Euro beziehungsweise 700 Euro. Die Kunstpaten erhalten ihre Figur nach Ablauf der Ausstellung. Die Stadt Schorndorf geht als Initiatorin für die Kunstaktion finanziell in Vorleistung.