Schorndorf

600 Geschenke für Kinder gepackt: Christkindleins Helferinnen haben Gas gegeben

Geschenke
Ihr Wohnzimmer sieht aus wie eine Weihnachtswerkstatt. Überall stapeln sich Päckchen, Tüten und Taschen. © Gabriel Habermann

Die Zahl ist erschreckend und froh machend zugleich. Mehr als 600 Kinder werden im Dezember ein Weihnachtsgeschenk vom Kinderschutzbund bekommen. Für nicht wenige von ihnen wird’s aber das einzige bleiben. Stundenlang, nein nächtelang hat Andrea Kirchner dafür in der letzten Zeit an ihrem Esstisch gesessen, eingewickelt, geklebt, Schleifen gebunden und gekräuselt. An einem Abend alleine hat sie 13 Rollen Geschenkpapier verbraucht. Sie ist Christkindleins Helferin auf Erden – und hat für den Kinderschutzbund Schorndorf/Waiblingen Hunderte Weihnachtsgeschenke organisiert und verpackt.

Aktion „Weihnachtswunschbaum“ in Rekordgröße

Mit der Aktion „Weihnachtswunschbaum“ lässt der Verein Kinderträume wahr werden. Jahr für Jahr. Allerdings – so groß wie in diesem Jahr war die Spendenaktion noch nie gewesen. Etliche Firmen bringen sich ein, aber auch viele Privatleute. Unglaublich dankbar sind die Initiatorinnen den Sponsoren. Schließlich machen sie es überhaupt erst möglich, die Kinderaugen zum Strahlen zu bringen. Wirklich besorgniserregend ist aber, dass die Zahl der Kinder, die von den betreuenden Einrichtungen gemeldet wird, jedes Jahr größer wird. Und so haben Andrea Kirchner und ihre Projektkolleginnen Daniela Rost und Magdalena Hecker-Rost, Geschäftsführerin des Kinderschutzbundes Schorndorf/Waiblingen, auch in diesem Jahr wieder versucht, neue Sponsoren zu finden. Die Corona-Pandemie hat das aber wirklich schwierig gemacht.

Fundraising war mühsam

Nur sieben der von Kirchner 200 angeschriebenen Firmen haben sich am Ende tatsächlich mit einer Spende beteiligt. Immerhin hat sich rund die Hälfte immerhin die Mühe gemacht, zu antworten. Wenn auch mit einer Absage. Dies aber in den meisten Fällen mit der identischen Begründung: Das Corona-Geschäftsjahr sei kein leichtes gewesen, Wohltätigkeit stehe nun aktuell ganz hinten auf der Ausgabenliste. Viele der absagenden Firmen hoffen aber, im kommenden Jahr zu Wunscherfüllern werden zu können. Zum Glück arbeitet der Kinderschutzbund aber mit vielen Sponsoren schon seit Jahren zusammen, die auch in diesem Jahr treu geblieben sind.

Wunsch: Warme Jacke

Und so sind trotz der mageren Zeiten wieder rund 15 000 Euro zusammengekommen. Davon wurden Legosteine, Barbies, Pippi-Langstrumpf-Bücher, Tiptoi-Stifte, Spielautos und Co besorgt. Nachdenklich gestimmt hat es Andrea Kirchner, wenn Winterjacken, Winterschuhe oder Duschgel auf dem Wunschzettel standen. Immerhin sollten die Kinder all das doch eigentlich schon haben? Gehört all so was nicht nur Grundausstattung? „Da macht man sich schon Gedanken.“ Womöglich hat die Familie nicht genügend Geld für solch grundlegende Dinge? Friert das Kind jetzt in der Zeit vor Weihnachten?

Abgesehen davon stellten solche Wünsche die Unterberkenerin vor ein Problem. Pro Geschenk sind 25 Euro angesetzt – bei Winterkleidung wird das knapp. Allerdings sind hier oft die örtlichen Firmen den Helfern des Christkindes entgegengekommen und haben mal die Preise spontan gesenkt, mal selbst was obendrauf gelegt. Gerade die Firmen Marktkauf/Remstalmarkt, Karl Dungs, Peter Hahn, Lidl und Bantel seien wirklich großzügig gewesen, berichtet Kirchner. Sie und ihre Projektkolleginnen haben sich bemüht, alles vor Ort einzukaufen, und konnten in den allermeisten Fällen darauf verzichten, beim Online-Verkaufsriesen einzukaufen.

Übers Wünscheerfüllen Beziehung mit den Kindern aufgebaut

„Ich hab' viel gedacht beim Geschenkepacken“, berichtet Andrea Kirchner. „Wie sieht das Kind aus, wie wird es sein, bin ich ihm hier vielleicht schon mal begegnet?“ Eine Art Beziehung haben die Ehrenamtlichen allein übers Wünscheerfüllen aufgebaut. Und das, obwohl die Identitäten der Kinder verschlüsselt wurden. Nur Geschlecht, Alter und Wunsch wissen die Helfer über die Kinder. Gerade beim Jackenkauf hätte Andrea Kirchner aber gerne mehr übers Kind gewusst: Haarfarbe, Lieblingsfarbe und Interessen helfen schließlich durchaus weiter bei der Kleiderauswahl. „Man hofft dann halt, dass es dem Kind hinterher auch gefällt.“

Zu schade finden es alle Beteiligten, dass die Übergabe der Päckchen anonym über die Bühne gehen wird. Was bis vor zwei Jahren noch im Rahmen einer stimmungsvollen Bescherungsfeier passierte, geschieht seither aufgrund der Datenschutzbestimmungen nur noch anonym. Andrea Kirchner und ihre Kolleginnen fahren die Einrichtungen ab, die die Wünsche übermittelt haben, und stellen die Gaben ab. Wie es weitergeht, ob die Kinder sich freuen, ob die Jacke gut passt – all das bleibt für die Spender und Vermittler im Verborgenen. Die Leiterinnen der verschiedenen Einrichtungen werden die Geschenke an die Kinder weiterreichen.

Einige Wünsche sind aktuell noch offen. Wer gerne noch helfen möchte, darf sich auf der Webseite des Kinderschutzbundes informieren, kann aber auch einfach überweisen, und zwar auf folgendes Konto: Kreisverband Schorndorf/Waiblingen e.V.; Verwendungszweck: “Weihnachtswunschbaum”, IBAN DE36 6025 0010 0005 0537 91, BIC SOLADES1WBN. Auf der Webseite sind bald auch sämtliche teilnehmenden Sponsoren zu sehen.

Die Zahl ist erschreckend und froh machend zugleich. Mehr als 600 Kinder werden im Dezember ein Weihnachtsgeschenk vom Kinderschutzbund bekommen. Für nicht wenige von ihnen wird’s aber das einzige bleiben. Stundenlang, nein nächtelang hat Andrea Kirchner dafür in der letzten Zeit an ihrem Esstisch gesessen, eingewickelt, geklebt, Schleifen gebunden und gekräuselt. An einem Abend alleine hat sie 13 Rollen Geschenkpapier verbraucht. Sie ist Christkindleins Helferin auf Erden – und hat für den

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