Schorndorf

80 neue Wohnungen in der Wiesenstraße

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Das Areal Wiesenstraße (im Vordergrund) im Bestand: Die beiden mittleren Gebäudereihen mit Ausnahme des weiß in Erscheinung tretenden privaten Wohngebäudes sollen, wie am Plan unten zu ersehen, abgerissen werden, so dass Platz für insgesamt rund 80 neue Wohnungen entsteht, die von der Kreisbau im Auftrag der Remstalbaugenossenschaft realisiert werden soll. © Habermann / ZVW
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Rot eingefärbte Grundstücke: Eigentümer Stadtbau GmbH Schorndorf. Hellblau eingefärbte Grundstücke: Eigentümer Remstalbaugenossenschaft eG. Weiße Straßenflächen zwischen den Grundstücken: Eigentümer Stadt Schorndorf. Dunkelblau umrandet: Erster Bauabschnitt der Remstalbaugenossenschaft; hier sollen die vorhandenen 50 Wohneinheiten in den Gebäuden Wiesenstraße 24-36 ersetzt werden durch insgesamt 80 neue Wohneinheiten

Schorndorf. Nachdem sich die Stadt über Jahrzehnte hinweg bei der Unterbringung von Aussiedlern und Flüchtlingen „über die Maßen“ engagiert hat, wird sie jetzt beim Abbau von Flüchtlingsunterkünften begünstigt. Was ihr und der Remstalbaugenossenschaft als Eigentümerin der frei werdenden Gebäude in der Wiesenstraße die Möglichkeit bietet, die nicht mehr benötigte Gebäudesubstanz abzubrechen und in einem ersten Bauabschnitt etwa 80 neue Wohnungen zu bauen. Längerfristig soll das ganze Quartier neu geordnet werden.

Von einem Projekt der „kommunalen Familie“ spricht Oberbürgermeister Matthias Klopfer mit Blick darauf, dass außer der Stadt und der Remstalbaugenossenschaft auch die Stadtbau, der die restlichen Gebäude im Bereich Wiesenstraße zwischen der Gottlob-Bauknecht-Straße und dem angrenzenden Gewerbegebiet gehören, und die Kreisbau mit ihm Boot sind – Letztere, weil sie seit 1991 mit der „Geschäftsbesorgung“ für die Remstalbaugenossenschaft betraut ist. Wie der Vorstandstandsvorsitzende der Remstalbaugenossenschaft ist auch Klopfer der Meinung, dass die Genossenschaftsidee derzeit „so wichtig und attraktiv wie lange nicht mehr“ ist, weil es beim Wohnen nicht zuletzt auch um Sicherheit gehe. Er jedenfalls, so der Oberbürgermeister im Rahmen eines Pressegesprächs, freue sich, wenn in einem Wohnquartier, das er trotz Flüchtlingsunterkunft „immer als ein ganz normales“ empfunden habe und das jetzt durch die Nähe zu den Freizeitangeboten im Sportpark Rems noch einmal einen deutlichen Schub bekomme, rund 80 neue Wohnungen gebaut würden – und damit etwa 30 mehr als die bislang auf gleicher Fläche zur Verfügung stehenden.

Sozialstruktur in diesem Wohnquartier weitgehend unproblematisch und unauffällig

Dass sich die Remstalbaugenossenschaft, die in Schorndorf derzeit über einen Wohnungsbestand von 142 Wohnungen verfügt (ein Schwerpunkt außer der Wiesenstraße ist der Fuchshof) nach vielen Jahren mal wieder an einem Neubauprojekt beteiligt und damit einen wichtigen Beitrag zur Wohnraumversorgung in der Stadt leistet, hat Jörg Hetzinger zufolge vor allem damit zu tun, dass es ein neues Förderprogramm des Landes gibt, wodurch gewährleistet ist, dass öffentlich geförderte Wohnungen bei der Miete für die Dauer von 30 Jahren um 33 Prozent unter den laut Mietspiegel üblichen Werten liegen. Insgesamt verfügt die Remstalbaugenossenschaft im Bereich Wiesenstraße über einen Bestand von 98 Wohnungen, von denen 34 über viele Jahre hinweg einem öffentlichen Zweck, nämlich dem der Unterbringung von aus ihren Heimatländern mehr oder weniger freiwillig ausgereisten oder geflüchteten Menschen, gewidmet war. Gleichwohl sei die Sozialstruktur in diesem Wohnquartier weitgehend unproblematisch und unauffällig gewesen, sagte Hetzinger.

Alle Mieter im Quartier sollen nur einmal umziehen müssen

Die Chance, an der Wiesenstraße für neuen Wohnraum zu sorgen und damit den Anstoß zu einer längerfristig umfassenden Quartiersentwicklung zu geben, bietet sich, nachdem das Mietverhältnis für das Flüchtlingswohnheim Ende 2017 beendet worden ist. Bevor allerdings neu gebaut werden kann, müssen laut Kreisbau-Geschäftsführer Johannes Berner noch Gespräche mit 15 privaten Mietparteien in den Gebäuden 24 bis 28 geführt werden, die ebenfalls abgebrochen werden sollen. Ziel müsse es sein, dass alle Altmieter, für die dieses Quartier zur Heimat geworden sei, im Quartier bleiben könnten und im Zuge der Umstrukturierung nur einmal umziehen müssten, sagte Berner, dessen Vorstellungen zufolge ein weitgehend autofreies Quartier entstehen soll, in dem der ruhende Verkehr komplett in einer Tiefgarage verschwindet. Die geplanten Investitionen der Remstalbaugenossenschaft bezifferten Hetzinger und der Kreisbaugeschäftsführer vage in Richtung eines zweistelligen Millionenbetrags, der über 30 bis 50 Jahre finanziert werde. Klar sei aber, so Berner, dass sich mit dieser Art des Wohnungsbaus nicht viel verdienen lasse.

Ideal aus Sicht von Johannes Berner und durchaus nicht selbstverständlich ist es, dass die Stadt sich bereiterklärt hat, gleich eine Planung für den gesamten Bereich Wiesenstraße zu machen – also auch für die Bereiche, die – einschließlich des Areals zwischen Wiesenstraße und Wieslaufweg, auf dem derzeit noch das Kinderhaus „Sonnenbogen“ steht – überwiegend der Stadtbau gehören und nicht gleich neu bebaut werden sollen. Die Alternative wäre ein vorhabenbezogener Bebauungsplan gewesen mit dem Risiko, dass das Quartier – längerfristig gesehen – nicht einheitlich entwickelt wird.

Eine Planungskonkurrenz mit drei Architekturbüros

Das gemeinsame Vorgehen der Partner im Quartier Wiesenstraße sieht so aus, dass die Stadt und die Remstalbaugenossenschaft zu Beginn des Jahres eine sogenannte „Planungskonkurrenz“ ausgelobt haben, an der sich drei renommierte Architekturbüros beteiligen: die ARP Architektenpartnerschaft Stuttgart, die Project GmbH aus Esslingen und das Büro Ackermann und Raff aus Stuttgart. Ihre Aufgabenstellung umfasst einerseits einen Entwurf für den geplanten ersten Bauabschnitt im Bereich der Gebäude 24 bis 36 sowie andererseits ein städtebauliches Konzept für das gesamte Areal, das dann in mehreren Entwicklungsschritten umgesetzt werden soll. Bis Ende Mai sollen die Entwürfe der drei Büros vorliegen, für den 6. Juni ist eine Jurysitzung anberaumt, in der dann entschieden wird, auf welchem der Entwürfe die weiteren Planungen aufbauen. Außer ums Wohnen und um den Verkehr gehe es bei diesem Konzept auch um eine neue Form der Energieversorgung, betont Oberbürgermeister Matthias Klopfer und bringt bei dieser Gelegenheit noch einen Partner ins Spiel, der zumindest in Schorndorf auch fest zur kommunalen Familie gehört: die Stadtwerke.


Genossenschaft

Wohnungsbaugenossenschaften wie die Remstalbaugenossenschaft und der mit ihnen verbundene Genossenschaftsgedanke seien heutzutage, da wieder Wohnungsknappheit herrsche, aktueller denn je, meint der Vorstandsvorsitzende und Urbacher Bürgermeister Jörg Hetzinger.

Der große Vorteil dieser Genossenschaftsmodelle sei, dass die Mieter über vergleichsweise noch gut verzinste Genossenschaftsanteile, die sie je nach Größe der von ihnen bewohnten Wohnung zeichnen müssten, Miteigentümer der Genossenschaft seien und ihnen als Mieter ein eigentümerähnliches Dauernutzungsrecht der jeweiligen Wohnung zugestanden werde. Was bedeute, dass zum Beispiel eine Kündigung wegen Eigenbedarfs nicht möglich sei.

Nicht zu verachten ist ein weiterer Vorteil: Die Mieten liegen deutlich unter den Festsetzungen des Mietspiegels. Bei der Remstalbaugenossenschaft liegt die Durchschnitts-Kaltmiete derzeit bei 5,50 Euro je Quadratmeter.

Derzeit gehören der Remstalbaugenossenschaft 171 Wohnungen.