Schorndorf

Ab Sommer 2018 fährt ein Nachtzug nach Rudersberg

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Ab Sommer 2018 fährt in den Nächten zu Samstag und Sonntag noch einmal um 1.01 Uhr ein Zug nach Rudersberg. © Palmizi / ZVW

Schorndorf/Rudersberg. Nachtschwärmer aus dem Wieslauftal aufgepasst! Ab Sommer 2018 fährt in den Nächten zu Samstag und Sonntag noch einmal um 1.01 Uhr ein Zug nach Rudersberg. Der Zweckverband Wieslauftalbahn hat in seiner jüngsten Sitzung diese Fahrplanverbesserung beschlossen.

Ziel ist es, die Attraktivität des Wiesels weiter zu erhöhen, hieß es in der Vorlage des Verkehrsverbandes Wieslauftal (ZVVW) zur Verbandsversammlung. Die Mitglieder beschlossen einstimmig, ab Sommer einen Nachtzug nach Rudersberg fahren zu lassen.

9000 Euro für ein zusätzliches Zugpaar

Der nächtliche Wiesel schließt einen kleinen Teil der Lücke im Öffentlichen Nahverkehr im Wieslauftal, die sich an den Wochenenden auftut, seitdem die S-Bahnen rund um die Uhr im Ein-Stundentakt fahren. Doch für Fahrgäste aus Rudersberg wie auch aus Welzheim, Urbach und Plüderhausen ist in der Nacht Schorndorf Endstation, weil sich die Gemeinden der hälftigen Mitfinanzierung eines Ruftaxis verschließen.

Rund 9000 Euro kostet das zusätzliche Zugpaar, das ab 16. Juni 2018 an den Wochenenden im Wieslauftal unterwegs ist. Die Nachfrage ist da, sagte ZVVW-Geschäftsführer Eberhard Frank und verwies auf die Fahrgäste, die die letzten Wiesel von und nach Rudersberg benutzen. In einer regnerischen Samstagnacht im November wurden im letzten Zug um 0.01 Uhr nach Rudersberg über 40 Fahrgäste gezählt.

Landrat Sigel weitere fünf Jahre Vorsitzender der Verbandsversammlung

Laut dem Wieselbetreiber WEG sind es an den den meisten Wochenenden aber über 50. Die Verbandsversammlung ließ sich ein Schlupfloch offen. „Sollten die Fahrten wider Erwarten nicht angenommen werden, können die Verkehrsverbesserungen auch wieder eingestellt werden.“

In der selben Sitzung wählte die Verbandsversammlung Landrat Dr. Richard Sigel für weitere fünf Jahre zu ihrem Vorsitzenden. Sigel hatte vor zwei Jahren von seinem Vorgänger Johannes Fuchs den ZVVW-Vorsitz übernommen. Mit dem neuen Amt übernahm Sigel die Hängepartie, wie es mit dem in die Jahre gekommenen Fuhrpark der Wieslauftalbahn weitergeht.

Nicht barrierefrei und nicht klimatisiert

Vier von sechs Zügen sind inzwischen 23 Jahre alt und entsprechend reparaturanfällig. Allein für 2018 sind fast eine halbe Million Euro für Reparaturen und zwei Hauptuntersuchungen veranschlagt. Zudem sind die heutigen Wiesel nicht barrierefrei und auch nicht klimatisiert.

Wie mehrfach berichtet, wollte der Verband sein Wagenmaterial durch den Kauf gebrauchter Regio-Shuttles wiederum mit Dieselmotoren ersetzen. Das vermeintliche Schnäppchen für 14 Millionen Euro sorgte für heftigen Streit.

Eine Elektrifizierung des Wiesels ist zu teuer

Denn der Rudersberger Bürgermeister Martin Kaufmann legte sein Veto ein und forderte zum Ärger von Landrat Fuchs sowie seines Schorndorfer Amtskollegen Matthias Klopfer ein Alternativkonzept, das nicht auf Diesel setzt. Das Ergebnis der neuerlichen Untersuchung war ernüchternd: Eine Elektrifizierung des Wiesels ist zu teuer und alternative Antriebskonzepte wie Hybrid sind noch nicht serienreif. Seither fahren die alten Wiesel weiter.

Beim Tagesordnungspunkt „Fahrzeugbeschaffung“ drohte nun der alte Streit aufzubrechen. Die Rudersberger Vertreter mutmaßten, dass nun versucht werde, doch wieder gebrauchte Regioshuttles angeschafft werden sollten, nachdem ihr Bürgermeister Martin Kaufmann das Rathaus in Richtung Leonberg verlassen hat. Kaufmann wurde übrigens nach der Sitzung feierlich verabschiedet.

ZVVW-Wirtschaftsplan 2018: höhere Aufwendungen im Betrieb

Sigel widersprach, dass gebrauchte Regioshuttles über die Hintertür kommen sollen. Es ginge bei dem Antrag lediglich darum, dass sich der Verband die Option offenhält. Die Beratungsfirma TTK erhielt den Auftrag, die Augen offenzuhalten und sich auf dem Markt für gebrauchte Züge umzuschauen, ob sich nicht doch eine Gelegenheit bietet.

Der ZVVW-Wirtschaftsplan 2018 sieht höhere Aufwendungen im Betrieb von rund 220 000 Euro vor. Investiert wird vor allem in barrierefreie Bahnsteige, namentlich den Bahnsteigen Schorndorf-Hammerschlag (Kosten: 200 000 Euro), Haubersbronn-Mitte (193 000 Euro), Schlechtbach (251 000 Euro) und Rudersberg (355 000 Euro).

Die Wieslauftalbahn bleibt ein Zuschussgeschäft.

Für diese Baumaßnahmen gibt es Fördermittel des Landes in Höhe von rund 850 000 Euro, so dass der Zweckverband selbst lediglich rund 290 000 Euro aufwenden muss. Der letzte noch nicht renovierte Bahnsteig in Michelau (226 000 Euro) stand nicht auf der Förderliste. Auf Antrag des Schorndorfer Oberbürgermeisters Klopfer soll Michelau 2019 nun ebenfalls auf eine Bahnsteighöhe von 55 Zentimeter umgebaut werden. Förderung hin oder her.

Der Wiesel ist eine Erfolgsgeschichte. Die Fahrgastzahlen steigen. Fast 1,2 Millionen Fahrgäste zählt der Wiesel im Jahr. Doch die Wieslauftalbahn bleibt ein Zuschussgeschäft. Der Kreis schießt 2018 voraussichtlich rund 1,4 Millionen Euro, Schorndorf und Rudersberg die 600 000 Euro.


Abfahrtszeiten

  • Der Nachtzug ins Wieslauftal hat am Wochenende in Schorndorf Anschluss an die S-Bahn aus Stuttgart – Ankunft 23.40 Uhr – und den Regionalzug R 2 – Ankunft 0.56 Uhr.
  • Der letzte Zug von Rudersberg nach Schorndorf fährt künftig am Wochenende um 0.24 Uhr ab Oberndorf und kommt in Schorndorf um 0.43 Uhr an. Die erste Nacht-S-Bahn Richtung Stuttgart fährt um 0.48 Uhr ab.