Schorndorf

Abfallwirtschaft oder Stadtwerke Schorndorf: Plan B für Corona-Fälle bei Personal?

Gelbe Tonnen
Überfüllte Tonnen, wie hier in Waiblingen, hat es in Schorndorf bisher noch nicht gegeben. © Alexandra Palmizi

In den vergangenen Wochen ist die Sieben-Tage-Inzidenz im Rems-Murr-Kreis rasant angestiegen – damit auch die Zahl der gemeldeten Neuansteckungen. Was passiert eigentlich, wenn die Zahl so stark steigt, dass die Personaldecke bei verschiedenen Firmen, Zentralen Diensten und Institutionen eng wird? Wie wird gehandelt, wenn Mitarbeiter an Corona erkranken, Kollegen in Quarantäne müssen? Gibt es einen „Plan B“? Und wenn ja, wie sieht der aus?

Die Situation bei der Abfallwirtschaft

Die Abfallwirtschaft Rems-Murr (AWRM) sowie die dazugehörigen Entsorgerfirmen seien derzeit noch nicht von Krankheitsfällen betroffen, sagt AWRM-Sprecherin Stefanie Baudy: „Aktuell befinden sich keine Mitarbeitenden in Quarantäne. Der Betrieb unserer Deponien ist nicht beeinträchtigt. Die Müllabfuhr selbst wird von beauftragten Entsorgungsunternehmen durchgeführt. Diese sind im Hinblick auf die derzeitige Lage rund um das Coronavirus gut aufgestellt und verfügen über entsprechende Ausfallkonzepte.“

Wie funktioniert der Einsatzplan, wenn es Fälle geben würde – besteht der sogenannte Plan B? Zur Vermeidung einer Ansteckung im Unternehmen spiele neben den Hygienemaßnahmen auch die Gruppenbildung eine wesentliche Rolle, um bei einer möglichen Ansteckung den Kreis der Kontaktpersonen so gering wie möglich zu halten, so Baudy. Als weitere Präventivmaßnahme werde bereits früh Kontakt mit entsprechendem Aushilfspersonal aufgenommen. „Diese Mitarbeiter stehen dann sozusagen schon in den Startlöchern, um, falls erforderlich, schnell aushelfen zu können. Zudem haben unsere Entsorgungsunternehmen Kontakt zu Personaldienstleistern, welche auf diesen Bereich spezialisiert sind.“ Sollte es trotz aller Maßnahmen zu einer Situation kommen, in der nicht genügend Mitarbeiter zur Verfügung stehen, erfolgt eine Priorisierung der Touren.

So wird dann zum Beispiel die Leerung der Rest- und Biomüllbehälter vorrangig behandelt. Das bedeutet, dass beispielsweise die Abholung von Altpapier eher einmal verschoben werden kann. Auch Terminabholungen (Sperrmüll, Altmetall) können relativ unproblematisch verlegt werden. Auch verschoben werden könnte im Notfall der Austausch von Mülltonnen, um die wichtige Leerung der Rest- und Biomülltonnen zu gewährleisten.

„Beim Betrieb unserer Entsorgungseinrichtungen können wir flexibel reagieren. Sollte es aufgrund von Krankheit oder Quarantänemaßnahmen zu Personalausfällen kommen, können wir zunächst auf Aushilfspersonal zurückgreifen.“

Schwierigkeiten bei Leerung in Schorndorf?

Bei den von der AWRM eingesetzten Entsorgungsdienstleistern seien aktuell keine Störungen bei der Leerung der Rest- und Biomülltonne absehbar. Auch gab es bisher laut Sylvia Baudy noch keine Schwierigkeiten bei der Leerung.

Anders verhalte es sich hingegen bei der Leerung der Gelben Tonne, welche durch die Dualen Systeme an die Firma Remondis vergeben wird.

Hier kämpfe Remondis mit hohen Krankenständen, was bei den Abfuhren in Fellbach und Waiblingen zu Verzögerungen führt. Die AWRM ist aktuell in intensiven Gesprächen mit den Dualen Systemen, inwieweit solche Ausfälle durch die von der AWRM eingesetzten Entsorgungsdienstleister aufgefangen werden können. Baudy: „Für eine solche Maßnahme bedarf es der Zustimmung der Dualen Systeme, die Vertragspartner der Firma Remondis sind.“

Abläufe bei den Zentralen Diensten

Wie sieht es bei den Zentralen Diensten der Stadt Schorndorf aus, die einen großen Tätigkeitsbereich abdecken? Werkleiter Roger Nocella führt zunächst auf, für welche Arbeitsbereiche die 67 Mitarbeiter zuständig sind: „Als Eigenbetrieb der Stadt, sind die Zentralen Dienste Schorndorf (ZDS) der Hauptinfrastrukturdienstleister für Schorndorf.“

Nicht nur der Winterdienst fällt in den Aufgabenbereich, dazu gehören unter anderem auch das Fuhrpark-Management, die Stadtreinigung, die Recycling-Container-Plätze, Verkehrseinrichtungen, das Anlegen und die Pflege öffentlicher Grün- und Sportanlagen, der Neubau und die Pflege der Spielplätze sowie Arbeiten auf dem Friedhof, die Sicherungspflicht bei Hochwasser, Dienstleistungen für andere Fachbereiche, elektrotechnische Überprüfungen, technische und kaufmännische Verwaltungsaufgaben.

Mit Corona-Verdachtsfällen hin und wieder konfrontiert

Zwischenzeitlich sei man hin und wieder mit Corona-Verdachtsfällen konfrontiert. Aber zu größeren Ausfällen ist es bisher noch nicht gekommen. Nocella: „Coronabedingt gab es im Winterdienst bis dato keine Einschränkungen im Vergleich zu den Vorjahren. Hier möchte ich zuallererst die Corona-Strategie für die Organisation, aber auch die Disziplin der Mitarbeitenden hervorheben. Wo immer möglich werden die Betriebsgruppen getrennt.“ Die Strategie der Vorsicht habe sich „in unserem Fall sehr bewährt“, sagt der Werksleiter.

Er schildert ein Beispiel: „Das Führen der Großfahrzeuge erfordert eine entsprechende Fahrerlaubnis der Klasse C. Da es nicht viele Mitarbeitende mit einer entsprechenden Fahrerlaubnis gibt, müssen diejenigen, die über eine solche Fahrerlaubnis verfügen, besonders geschützt werden. Damit konnte die Einsatzbereitschaft der ZDS aufrechterhalten werden.“ Aus den in 2021 gemachten Erfahrungen habe man viel gelernt und entsprechende Maßnahmen sowohl in die Arbeitsabläufe als auch in der Organisation umgesetzt.

Wie ist die Lage bei den Stadtwerken?

Zur „kritischen Infrastruktur“ zählen auch die Stadtwerke . „Aktuell nutzen wir in vielen Bereichen mobiles Arbeiten. Es sind keine Mitarbeiter in Quarantäne“, antwortet Katrin Welz von den Stadtwerken Schorndorf, und weiter: „Wir gehören zur kritischen Infrastruktur, daher tun wir alles, um den Betrieb aufrechtzuerhalten. Dabei setzen wir strenge Hygienemaßnahmen für Mitarbeiter und Besucher um, diese gehen über die Regelungen für Betriebs- und Arbeitsstätten hinaus.“ Beispielsweise habe man die Tragepflicht von FFP2-Masken im gesamten Gebäude in allen Bereichen eingeführt. „Nur am eigenen Arbeitsplatz können die Masken abgenommen werden.“

Der organisatorische und finanzielle Aufwand ist groß

Die direkten Kollegen arbeiten, wenn möglich, im Wechsel, so dass sie sich nicht direkt begegnen, und sind angehalten – sofern machbar – mobil zu arbeiten. Welz: „Das wird gerne umgesetzt. Wir setzen hierbei auf zuverlässige Technologien und ein solides Sicherheitskonzept.“ Besprechungen würden schon von Beginn der Pandemie an meist virtuell durchgeführt. Besondere Maßnahmen wurden auch für die Bereiche der Technik eingeführt. Hier achte man ebenfalls darauf, dass die Gruppen sich möglichst nicht kreuzen. Außerdem gibt es versetzte Anfangs- und Pausenzeiten. Im „Worst Case“ würde so nur eine Gruppe ausfallen und nicht die ganze Mannschaft.

Der organisatorische und finanzielle Aufwand sei groß, denn neben der Beschaffung für Tests, Masken und Desinfektionsmittel kommt noch die Kontrolle von 3G am Arbeitsplatz und der Besucher hinzu, „aber wir treffen hier auf viel Verständnis“. Die Mitarbeiter seien selbst sehr vorsichtig und rücksichtsvoll, halten Abstand, tragen Masken und würden gerne das Angebot kostenloser Test nutzen. Und wenn doch Mitarbeiter ausfallen? „Es gibt einen Maßnahmenplan, der im Notfall umgesetzt werden könnte. Seit Bestehen der Pandemie sind unsere Schutzmaßnahmen gut aufgegangen und wir hatten keine Auswirkungen auf die Prozesse.“

Landratsamt ist gewappnet

Das Gesundheitsamt des Rems-Murr-Kreises sei aufgrund der hohen Fallzahlen sowie der Omikron-Variante weiterhin stark belastet, jedoch insgesamt nicht überlastet, heißt es aus dem Landratsamt . In der vergangenen Woche hatte sich der erweiterte Krisenstab mit Kommunen, Schulamt, Hausärzten, Kliniken, Polizei und Justiz zusammengesetzt.

„In dieser Runde haben sich alle gewappnet und vorbereitet, ebenso natürlich das Landratsamt. In der Runde stimmen wir uns regelmäßig ab, um die Pandemie bestmöglich zu bewältigen“, informiert Landratsamtssprecherin Martina Keck. Organisatorische Maßnahmen sind vor allem Alleinarbeit und Hygiene- beziehungsweise Abstandsregelungen, Trennung von Schichten, keine gemeinsame Nutzung von Pausenräumen und dergleichen. Die technischen Infrastrukturen haben ihre Regeln nochmals spezifisch betrachtet und gegebenenfalls nachgeschärft, um auf Omikron vorbereitet zu sein. Das trifft auch auf die Abfallwirtschaft zu. Keck: „Das Landratsamt und seine Tochterunternehmen haben ebenfalls die Schutzmaßnahmen hochgefahren und sind gut aufgestellt.“

Lage in Kliniken derzeit noch stabil

In den Kliniken sei die Lage aktuell stabil, man gehe aber von steigenden Zahlen aus. Auch bei den niedergelassenen Ärzten ist die Lage grundsätzlich aktuell stabil. Aber: Es wird davon ausgegangen, dass durch vermehrte Kontakte in den Praxen es zu mehr Ausfällen durch Isolation des Personals kommen könnte. „Diese Omikron-Welle könnte das ambulante System stärker treffen als Kliniken. Auch hier gibt es Notfallpläne“, sagt Martina Keck. Auch die PCR-Teststruktur sei aktuell gut aufgestellt: „Mit unserem eigenen PCR-Testzentrum am Klinikum Winnenden mit Anbindung an das Kliniklabor könnten wir vorrangig Tests für Schule, Kita und kritische Infrastruktur anbieten.“

In den vergangenen Wochen ist die Sieben-Tage-Inzidenz im Rems-Murr-Kreis rasant angestiegen – damit auch die Zahl der gemeldeten Neuansteckungen. Was passiert eigentlich, wenn die Zahl so stark steigt, dass die Personaldecke bei verschiedenen Firmen, Zentralen Diensten und Institutionen eng wird? Wie wird gehandelt, wenn Mitarbeiter an Corona erkranken, Kollegen in Quarantäne müssen? Gibt es einen „Plan B“? Und wenn ja, wie sieht der aus?

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