Schorndorf

Abi 1959: Nach 60 Jahren zurück am Burg-Gymnasium

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Dieter Schützenauer (vorne rechts) und und seine Jahrgangs- und ehemaligen Klassenkameradinnen und -kameraden lassen sich von Schulleiter Jürgen Hohloch (vorne im weißen Hemd) das neue Burg-Gymnasium zeigen und erklären. © ZVW/Alexandra Palmizi

Schorndorf. Seit sie 1959 – damals noch im Januar und Februar, weil das Schuljahr im Frühjahr begann und endete – ihr Abitur gemacht haben, haben sich die Schülerinnen und Schüler der damaligen Klasse 9 a des Burg-Gymnasiums schon 15 Mal zu Klassentreffen versammelt. Die jetzige 15. Zusammenkunft war eine ganz besondere, weil die ehemaligen BGler wieder einmal zu ihren schulischen Wurzeln zurückgekehrt sind – mit einem Besuch im allerdings komplett neuen Burg-Gymnasium.

„Wir hatten schon in der Schule immer eine gute Gemeinschaft, und dieser Zusammenhalt ist bis heute geblieben“, sagt Dieter Schützenauer, der die Klassentreffen, die schon an den unterschiedlichsten Heimatorten der ehemaligen Burg-Gymnasiasten stattgefunden haben, gemeinsam mit Dieter Schlotz organisiert. Und immer sind fast alle gekommen, egal ob es nun nach Düsseldorf, an die Ostsee oder nach Bayern ging – wobei sich zunächst nur die ehemaligen Schülerinnen und Schüler trafen und später dann allmählich auch die Partner dazukamen.

Abschreiben war im alten Burg-Gymnasium einfacher

Und jetzt also mal wieder Schorndorf – vor allem wegen der Gartenschau. Aber natürlich hat sich bei dieser Gelegenheit auch ein Abstecher ins neue Burg-Gymnasium angeboten, das mit dem alten nur noch den Standort gemein hat. Einerseits, sagt Dieter Schützenauer, der das neue BG zuvor schon kennengelernt hatte, seien seine ehemaligen Klassenkameradinnen und -kameraden ziemlich beeindruckt gewesen vom neuen Gebäude, und zwar sowohl was die bauliche Qualität als auch die Ausstattung mit den modernen digitalen Lernmitteln angehe. Die aber laut Schulleiter Jürgen Hohloch, der die Gruppe durch seine Schule führte, nichts daran ändert, dass Teamarbeit und Kameradschaft auch heute noch wichtige Eckpfeiler einer Schulgemeinschaft sind und dass es letztendlich immer noch die Person des Lehrers und die Freude der Schüler an der Schule sind, die den Erfolg des Schulbesuchs ausmachen. Andererseits aber, so Dieter Schützenauer über die Eindrücke seiner Mitabiturienten, habe mancher und manche schon auch den fehlenden Charme eines solch zweckmäßigen Schulgebäudes registriert, das natürlich mit dem alten BG und dem morbiden Charme, den es schon damals ausgestrahlt habe, nicht zu vergleichen sei. Wenn sich damals zwei oder drei Schüler eine Tisch-Bank-Kombination geschnappt und sie unter einer der Schrägen im Dachgeschoss gegen die Wand geschoben haben, dann war da schnell mal ein Loch in der Gipswand, das natürlich auch wieder von den Schülern selber geflickt werden musste. Und Abschreiben bei Klassenarbeiten war bei den beengten Verhältnissen, die damals in den Klassenzimmern herrschten, und den schräg gestellten Tischflächen, die einen guten Blick auf die Arbeit des Vordermanns erlaubten, auch einfacher.

Unter den 24 Ehemaligen gab es keine einzige Scheidung

Die Zeiten war halt auch ganz anders damals: Die in den Jahren 1939/40 Geborenen hatten als Kinder noch den Krieg erlebt und sind allesamt in entbehrungsreichen und bescheidenen Verhältnissen aufgewachsen. Ohne – man mag es sich heute kaum mehr vorstellen – Smartphone und Whatsapp, ohne Fernseher und Laptop, ohne Tennis- oder Reitplatz, ohne Nutella und Fast Food - und wenn einer mit einem Loch in der Hose, wie sie heute Mode sind, heimkam, dann hat er von der Mutter oder dem Vater „den Frack vollgekriegt“. Und trotzdem oder gerade deshalb ist aus allen was Rechtschaffen(d)es geworden. „Jeder hat sein eigenes Haus – mindestens eines“, sagt Dieter Schützenauer. Und unter den 24 Ehemaligen, von denen mittlerweile vier verstorben sind, gab’s keine einzige Scheidung. Und einige von denen, die seinerzeit Schorndorf irgendwann verlassen und sich woanders niedergelassen haben, sind im Lauf der Jahre und Jahrzehnte wieder in ihre alte Heimat zurückgekehrt. Was die Organisation der Klassentreffen – zumal mit zunehmendem Alter – etwas einfacher macht.

Die Abi-Prüfung in Physik musste zweimal geschrieben werden

Wenn Schützenauer nach Lehrern gefragt wird, die ihm in besonderer Erinnerung geblieben sind, dann fallen ihm die Namen Benda (Chemie), Oberle (Bildende Kunst), Dr. Weidlein und Spring – bei beiden hörte der Geschichtsunterricht in der damaligen Zeit um 1900 auf – und Ruth Blank (Deutsch und Englisch) ein. Und ein besonderer Vorfall: Die Abi-Prüfung in Physik musste seine Klasse, der zwischendurch sogar die Aberkennung der ganzen Abitursprüfungen drohte, zweimal schreiben, weil die Klasse 9 a beim ersten Mal aufgrund einer unklaren Auskunft ihres Lehrers, aber letztlich dann doch verbotenerweise unter der Bank ihre Logarithmentafeln benutzt hatte. Was der Aufsicht nicht verborgen geblieben war und besagtem Lehrer eine Strafversetzung einbrachte. So war das in der guten alten Zeit, die nicht zwingend eine bessere, in jedem Fall aber eine ganz andere war. Wie schreibt Dieter Schützenauer in der Zusammenfassung seiner Eindrücke vom jüngsten Klassentreffen: „Wir wundern uns, dass wir so alt geworden sind und noch leben.“


Nächstes Treffen

„Früher haben wir über Urlaub, Kinder und Karriere gesprochen, heute unterhalten wir uns über Pillen, gute Ärzte und ordentliche Krankenhäuser“, macht Dieter Schützenauer scherzhaft deutlich, wie sich die Zeiten und auch die Gesprächsthemen bei den Klassentreffen des Abi-Jahrgangs 1959 geändert haben.

Die nächste Gelegenheit, sich auszutauschen – natürlich auch über Enkel- und Urenkel und mit lustigen Erinnerungen an die Schulzeit und an mancherlei Streiche, die man sich und den Lehrern gespielt hat– soll es in zwei Jahren geben, dann voraussichtlich in Murrhardt, wo einer aus der ehemaligen Klassengemeinschaft lebt.