Schorndorf

Aktion gegen Diskriminierung am Burggymnasium Schorndorf

RassismusSchule
Frieda Schönleben, Lara Häußermann, Veronika Bößler und Karolina Domangala aus dem BG-Arbeitskreis „Schule ohne Rassismus“. © Gaby Schneider

Jüngst sorgte eine Aktion des Arbeitskreises „Schule ohne Rassismus“ am Burg-Gymnasium für Aufregung. Die fünften Klassen bekamen Besuch von älteren Schülerinnen und Schülern, die ihnen von Neuerungen berichteten: Ab der nächsten Woche gebe es spezielle Förderprogramme für blau-, grau- und grünäugige Kinder der Klassenstufe fünf, weil eine Studie bei ihnen eine höhere Leistungsfähigkeit in der Schule festgestellt habe. Hinter der Aktion steckte jedoch kein schlechter Scherz, sondern das Projekt „green eyes - brown eyes“, das die Schülerinnen und Schüler auf Ausgrenzung und Diskriminierung aufmerksam machen soll.

Eine große Pause voller Diskussionen und Proteste

Die Aktion hat am BG eine jahrelange Tradition, erzählt Lehrerin Isolde Rubitzko. Durch die Corona-Pandemie habe diese aber für zwei Jahre pausieren müssen. Ziel sei es, die Kinder gefühlvoll, aber direkt mit den Themen Diskriminierung und Ausgrenzung zu konfrontieren. Blau-, Grau- und Grünäugigen wurden dafür längere Pausen und weniger Hausaufgaben versprochen. Dafür erstellten die Mitglieder des Arbeitskreises sogar ein angebliches Schreiben des Kultusministeriums. Im Vorfeld wurde das mit allen Lehrerinnen und Lehrern abgesprochen.

Außerdem wurde an alle, außer die braunäugigen Schülerinnen und Schüler, ein Bonbon verteilt. Bevor der Schwindel aufgedeckt wurde, hatten die Fünftklässler in der großen Pause Zeit, über das Thema zu diskutieren. „Wir haben sie in der Pause beobachtet, und es war sehr interessant zu sehen, wie sich schnell Grüppchen gebildet haben“, erzählt Lara Häußermann aus der Kursstufe zwei. Ihre Mitschülerin Karolina Domangala zeigt sich von der Reaktion vieler braunäugiger Schüler positiv überrascht. Eine kleine Protestaktion habe es gegeben, eine Klasse habe kurzerhand sogar ein Plakat mit der Aufschrift „gegen Diskriminierung“ gebastelt und sich bei Lehrkräften oder im Sekretariat beschwert. Und das alles im kurzen Zeitraum der großen Pause.

„Bei uns war das damals nicht so“, erinnert sich Veronika Bößler, ebenfalls Mitglied des Arbeitskreises. Ihr Jahrgang hätte sich in der fünften Klasse niemals getraut, derartig zu protestieren. Trotzdem, erzählt sie weiter, war „blue eyes - brown eyes“ damals ein einschneidendes Erlebnis. „Es hat uns eine andere Sicht auf Diskriminierung eröffnet.“ Deshalb war es den Schülerinnen auch so wichtig, die Aktion erneut ins Leben zu rufen. Außerdem wurden Diskriminierung und Ausgrenzung im Alltag thematisiert und überlegt, wie man darauf reagieren soll und was man aktiv dagegen unternehmen kann.

Die Solidarität unter den Schülerinnen und Schülern war groß

Nach der großen Pause hatten die Fünftklässlerinnen und Fünftklässler dann die Möglichkeit, von ihren Gedanken in der Pause zu berichten und Fragen zu stellen. Außerdem ging es viel darum, wie man idealerweise mit der Situation hätte umgehen sollen. „Dabei haben wir generell viel über Diskriminierung im Allgemeinen gesprochen“, erklärt Veronika Bößler. Den Kindern sei durchaus vieles erst bewusstgeworden.

Alles in allem sprechen die Schülerinnen des Arbeitskreises von einer sehr erfolgreichen Aktion. Denn die Solidarität unter den Jungen und Mädchen der Klasse fünf sei groß gewesen. Viele Schüler mit blauen Augen haben sich mit den braunäugigen Schülern verbündet und sie getröstet. „Ein blauäugiges Mädchen hat sogar ihr Bonbon abgegeben“, sagt Karolina Domangala.

Es gab aber durchaus die eine oder den anderen Blauäugigen, die nach der Auflösung des Schwindels enttäuscht waren. „Viele haben im Nachhinein auch behauptet, dass sie es von Anfang an durchschaut haben“, sagt Veronika Bößler lachend.

Fünfklässler sind heute viel selbstbewusster

Die Reaktion der Eltern und anderer Lehrkräfte sei ebenfalls sehr gut ausgefallen, sagt Isolde Rubitzko. Begeistert ist die BG-Lehrerin sowohl von den älteren Schülerinnen als auch von den Reaktionen der Jüngeren. „Ich habe einen Großteil der Arbeitskreis-Gruppe in Gemeinschaftskunde unterrichtet. Sie haben sich immer besonders interessiert gezeigt“, sagt sie stolz.

Aber auch das schnelle Aufbegehren der Fünftklässlerinnen und Fünftklässler habe teilweise für Staunen gesorgt. „Schülerinnen und Schüler in diesem Alter sind viel selbstbewusster geworden.“ Das perfekte Beispiel dafür ist die Reaktion eines Jungen, der die Aktion „blue eyes - brown eyes“ beinahe komplett enttarnt hätte. „Er wusste, dass es seit kurzem eine neue Kultusministerin gibt und dass diese aktuell bestimmt Besseres zu tun hat“, sagt Lara Häußermann. „Da merkt man, dass zu Hause darüber gesprochen wird“, merkt Isolde Rubitzko an.

Das starke Selbstbewusstsein der jüngsten Gymnasiastinnen und Gymnasiasten rechnen die Schülerinnen des Arbeitskreises, wie auch ihre Lehrerin, unter anderem dem veränderten Medienkonsum der jungen Generation zu.

Vielleicht ist dies sogar der positivste aller Effekte, den digitale Medien auf Kinder haben.

Jüngst sorgte eine Aktion des Arbeitskreises „Schule ohne Rassismus“ am Burg-Gymnasium für Aufregung. Die fünften Klassen bekamen Besuch von älteren Schülerinnen und Schülern, die ihnen von Neuerungen berichteten: Ab der nächsten Woche gebe es spezielle Förderprogramme für blau-, grau- und grünäugige Kinder der Klassenstufe fünf, weil eine Studie bei ihnen eine höhere Leistungsfähigkeit in der Schule festgestellt habe. Hinter der Aktion steckte jedoch kein schlechter Scherz, sondern das

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