Schorndorf

„Aleppo, das ist meine Kultur!“

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Der syrische Künstler Weiso stellt im Theater Phoenix aus. © Habermann / ZVW
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Der syrische Künstler Weiso stellt im Theater Phoenix aus. © Habermann / ZVW
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Der syrische Künstler Weiso stellt im Theater Phoenix aus. © Habermann / ZVW
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Der syrische Künstler Weiso stellt im Theater Phoenix aus. © Habermann / ZVW
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Der syrische Künstler Weiso stellt im Theater Phoenix aus. © Habermann / ZVW
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Der syrische Künstler Weiso stellt im Theater Phoenix aus. © Habermann / ZVW
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Der syrische Künstler Weiso stellt im Theater Phoenix aus. © Habermann / ZVW
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Der syrische Künstler Weiso stellt im Theater Phoenix aus. © Habermann / ZVW
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Der syrische Künstler Weiso stellt im Theater Phoenix aus. © Habermann / ZVW
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Der syrische Künstler Weiso stellt im Theater Phoenix aus. © Habermann / ZVW
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Der syrische Künstler Weiso stellt im Theater Phoenix aus. © Habermann / ZVW
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Der syrische Künstler Weiso stellt im Theater Phoenix aus. © Habermann / ZVW
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Der syrische Künstler Weiso stellt im Theater Phoenix aus. © Habermann / ZVW
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Der syrische Künstler Weiso stellt im Theater Phoenix aus. © Habermann / ZVW
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Der syrische Künstler Weiso stellt im Theater Phoenix aus. © Habermann / ZVW
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Der syrische Künstler Weiso stellt im Theater Phoenix aus. © Habermann / ZVW
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Der syrische Künstler Weiso stellt im Theater Phoenix aus. © Habermann / ZVW

Schorndorf. Seit Jahren tobt ein Bürger- und Stellvertreterkrieg in Syrien. Besonders Aleppo ist zum Symbol des Leids und der Zerstörung geworden. Von dort kommt Weiso, der seit zwei Jahren in Schorndorf lebt und mit seinen bemerkenswerten Arbeiten und mitreißendem Elan die Kunstszene bereichert. Im Foyer des Phoenix Theaters sind nun seine abgründigen Plakate zum Thema „Gestohlene Kindheit“ in Syrien zu sehen.

Kinder wollen spielen. Überall auf der Welt. Kinder träumen, mit Märchen. Auch in Syrien. Die Geschichten sind dabei längst global geworden. „Cinderella“ zum Beispiel, also Aschenputtel. „Cinderella in Syrien“ heißt eines dieser doppelbödigen Plakate von Weiso. Man muss immer mindestens zwei Mal hinschauen. Da ist der Umriss eines Militärstiefels zu sehen. Mehr nicht? Doch, zart in ihn hinein gezeichnet sind die Stöckelschühchen, mit denen Aschenputtel zum Tanzen geht. Brutalität und Schönheit. Eines im Anderen. Ein Kippbild.

Alle Plakate in Weisos Serie über die „gestohlene Kindheit“ in Syrien funktionieren auf diese abgründige Weise. Der niedliche erste Eindruck täuscht. Da gibt es „Schneewittchen in Syrien“. Der angebissen vergiftete Apfel hat die Maserung einer Granate. Wo Krieg herrscht, da fällt die Schule aus.

Gewiss nicht nur in Syrien. Ein Bleistift zum Schreibenlernen nimmt unter Weisos bösem Blick die Umrisse einer Rakete an. „Ja, ich bin da negativ“, gibt Weiso zu, „aber es ist die Wahrheit: Die Situation ist schlimmer als meine Plakate!“

"Es fallen Bomben"

„Ich schau’ dauernd nach Nachrichten, was los ist. Dann kommen mir Ideen. Und egal, wenn es drei Uhr nachts ist, muss ich das dann sofort umsetzen. Ich suche einen Weg, negativ/positiv, das Konzept ist sehr wichtig.“ Und der Kosmos Aleppo. „Die Situation ist halbe-halbe“, sagt Weiso. „In der Altstadt ist es schlimm. Es fallen Bomben. Manchmal gibt es kein Wasser, keine Elektrizität. ‘Die alten Zeiten kommen wieder zurück’, sagt dann meine Mutter.“

Weisos Vater war, bis 2002, über 40 Jahre lang in der syrischen Armee und als General in Russland und Dänemark. „Meine Famillie ist sehr offen“, sagt Weiso, „es gibt auch in Syrien verschiedene Leute, wie in Europa. Es ist auch religiös wie ein Mosaik in Aleppo, in ganz Syrien. Wir waren als Kinder Weihnachten bei christlichen Freunden. Ich bin wirklich Moslem, aber ganz normal!“

„Ich möchte nicht auf den Flüchtling reduziert werden“

Früh riet der Vater seinen Kindern, das Land zu verlassen. Weiso hatte an der Universität in Aleppo Kunst- und Innenarchitektur studiert. Von 2008 bis 2011 machte er in Kairo seinen Master. Über die Türkei ist er dann Ende 2014 nach Deutschland gelangt. Auch zwei seiner Brüder leben hier. Sie sind Anwälte.

Weiso kann mit dem Flüchtlingsschema nichts anfangen. „Ja, Weiso ist Flüchtling. Aber das ist nicht mein Thema. Ich bin als Bühnenbildner hier, ich bin im Kunstverein, ich habe bei der Designfirma JoussenKarliczek in Schorndorf ein Praktikum gemacht. Das ist hier für mich wie Familie. Ich möchte nicht auf den Flüchtling reduziert werden!“

All das sagt er temperamentvoll und gestenreich in ziemlich gutem Deutsch. „Wenn ich bei Joussen englisch geredet habe, sagten die, ,hey, Weiso, wir verstehen dich nicht’!“ Das hat geholfen – genau wie Freunde, die dauernd an seiner Grammatik rumfeilen.

Vergangene Woche, am Tag vor seinem 30. Geburtstag gab es im Phoenix eine Premiere, zu der Weiso wunderbare Bühnenbilder beigesteuert hat.

Er sagt: „Ich bin hier in Deutschland. Ich muss was machen!“

Weisos Ausstellung „Gestohlene Kindheit“ ist im Figuren Theater Phoenix in der Künkelin-Halle Schorndorf zu sehen. Außerhalb der Öffnungszeiten auch auf Anfrage bei Weiso: weiso.art@gmail.com, 0157-81515343.