Schorndorf

Alle Jahre wieder – die Rathausmütze

7bcefc4a-25c8-4cca-90a4-587c0846c598.jpg_0
Damit das Kupferdach des Rathaus-Glockenturms nicht beschädigt wird, sitzt ein dunkelgrauer Unterrock unter dem Mützenkleid, das in mühevoller Handarbeit zurechtgezupft wird. © Palmizi / ZVW

Schorndorf. Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt: höchste Zeit für die warme Rathausmütze. Seit Montag, halb zwölf, sitzt sie wieder – und hat Luft. Doch damit der Vorfreude nicht genug: Auf dem Oberen Marktplatz steht bereits der Weihnachtsbaum. Und mit dem Aufbau der Stände hat Schorndorf-Centro ebenfalls begonnen, damit am Samstag um 11 Uhr die Weihnachtswelt eröffnet werden kann.

Siebenmal ist sie schon auf dem Rathausturm gelandet, doch auch beim achten Mal: von öder Routine keine Spur. Zweieinhalb Stunden hat’s gedauert, bis die zusammengefaltete Mütze auf dem Rathausturm saß. „Die größte Herausforderung ist die Spitze“, sagt Werbetechniker Clemens Bäz, der den XXL-Werbegag vor neun Jahren nach einer Idee der Werbeagentur Joussen-Karliczek für Schorndorf-Centro entwickelt hat.

Und so ist die rotweiße Pudelmütze – alle Jahre wieder – mit Hilfe eines Spezialkrans hoch über der Rathausspitze eingeschwebt, um dann über den spitzen Blitzableiter gefädelt zu werden. Drunter schützt ein dunkelgrauer Unterrock das Kupferdach.

Doch damit der sechs Meter hohe Mützenschlauch richtig sitzt, musste Bäz ihn auch dieses Mal wieder in zeitaufwendiger Millimeterarbeit gleichmäßig über das Dach des Glockenturms ziehen. Unter Beobachtung: Im Laufe des Vormittags hat sich auf dem Marktplatz eine ganze Schar Schaulustiger versammelt.

Mit Dauergebläse: Mütze sitzt, passt, wackelt und hat Luft

Doch um halb zwölf war’s endlich so weit: Die Mütze sitzt, passt, wackelt und hat Luft. Ein Dauergebläse im Glockenstuhl sorgt dafür, dass die mit Gurten fixierte Pudelmütze in der Vorweihnachtszeit – ähnlich wie eine Hüpfburg für Kinder – in Form bleibt. Allerdings ohne Lichtband: Aus Brandschutzgründen wird sie in diesem Jahr nicht von innen, sondern von außen beleuchtet.

Doch nicht nur in luftiger Höhe, auch unten am Boden ist geschäftiges Treiben. Um rechtzeitig mit dem Aufbau der Weihnachtswelt-Stände fertig zu werden, beginnt Schorndorf-Centro immer schon fünf Tage vor der Eröffnung. Der Tannenbaum, der in diesem Jahr aus einem Garten in der Heinkelstraße stammt und sowieso einem Straßenneubau hätte weichen müssen, steht ebenfalls schon in der Senkrechten.

Übrigens so früh wie nie: Bereits morgens um Viertel vor neun war Gartenbaumeister Manfred Schock fertig mit der Arbeit. Mit Hilfe eines Spezialkrans ist die Rotfichte im eineinhalb Meter tiefen Pflasterloch gelandet, in dem sie jetzt mit Holzlatten fixiert sicher steht. Und dass aus dem Tannen- ein Weihnachtsbaum wird, dafür haben die Stadtwerke am Nachmittag gesorgt – mit meterlangen Lichterketten.

Und eigentlich ging’s auch schon vorige Woche los – mit dem Aufhängen der Lichterketten in der Fußgängerzone. Am Samstag hat der von Andreas Fink angeführte Aufbautrupp die Lastwagen mit dem Hüttenmaterial beladen.

Bis Donnerstagnachmittag, 15 Uhr, sagt Schorndorf-Centro-Geschäftsführer Uli Fink, müssen die 40 Hütten stehen – „dann kommen die Marktbeschicker“. Für den Wochenmarkt bedeutet das: Er muss von Dienstag, 28. November, bis Dienstag, 19. Dezember, auf den Unteren Marktplatz ausweichen. Der letzte Wochenmarkt vor Heiligabend findet am Samstag, 23. Dezember, aber wieder an gewohnter Stelle statt.

XXL-Werbegag für die Weihnachtswelt

Und wie in jedem Jahr stellt sich auch dieses Mal wieder die Frage: Passt die Pudelmütze nun zum Rathaus oder passt sie nicht? Darüber sind sich die Schorndorfer so uneins wie die Besucher. Nur so viel ist sicher: Seitdem sich Schorndorf-Centro vor acht Jahren den XXL-Werbegag hat einfallen lassen, hat die Weihnachtswelt, die am kommenden Samstag eröffnet wird, ein luftiges Wahrzeichen bekommen, das es in den vergangenen Jahren sogar in die überregionale Presse, im Internet angeblich sogar zum viralen Hit geschafft hat.

Und andernorts ist man sich durchaus einig: Die Pudelmütze sieht richtig kuschelig aus! Diese Aufmerksamkeit lässt sich Schorndorf-Centro auch durchaus was kosten, laut Uli Fink jedes Jahr rund 4000 Euro.


Vom Mini-Bäumchen zum Weihnachtsbaum

Über die stattliche Rotfichte, die seit Montag auf dem Oberen Marktplatz thront, kann Athina Tsompanidis eine schöne Geschichte erzählen: Von ihrer Großmutter im Jahr 1987 – als Ersatz für den bis dahin in der Familie üblichen Plastik-Weihnachtsbaum – als Mini-Bäumchen im Topf gekauft, hat es nicht nur den Umzug vom Fuchshofweg in die Heinkelstraße überstanden.

Nachdem es dort in die Erde kam und angewachsen war, ist es ordentlich in die Höhe geschossen und hat nach Schätzung von Gartenbaumeister Manfred Schock 13 Meter bestimmt erreicht. Dass das Mini-Bäumchen mal so groß wird, „das hätte niemand gedacht“, sagt Athina Tsompanidis und freut sich, dass die Rotfichte nun bis Weihnachten den Marktplatz schmücken wird.

Montagmorgen um halb acht hat Schock den Baum gefällt und um Viertel vor neun stand er am Marktplatz schon in der Senkrechten. Gefällt worden wäre der Baum aber sowieso: Die Straße, die für das neue Gewerbegebiet „Auwiesen“ gebaut werden soll, verläuft genau über das Grundstück. Für die Familie ist der Weihnachtsbaum-Einsatz darum ein Trost: Sonst wäre die Fichte einfach nur zu Kleinholz gemacht worden.