Schorndorf

Alle wollen eine Containerschule

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Nicht im Klinkerbau, sondern im dahinterliegenden Flachdachgebäude der Rainbrunnenschule gibt es ein Schimmelproblem. © Büttner/ZVW
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Die Barbara-Künkelin-Halle war bei der Eltern- und Lehrerversammlung zur Zukunft der Rainbrunnen-Grundschule gut gefüllt.

Schorndorf. Erst hat der massive Druck der Eltern, deren Kinder die teilweise vom Schimmel befallene Rainbrunnen-Grundschule besuchen, dazu geführt, dass die Stadt quasi über Nacht den Vorschlag mit dem schnellen Umzug in den Altbau des Burg-Gymnasiums aus dem Hut gezaubert hat. Jetzt führt der von den Eltern erzeugte Druck dazu, dass dieser Lösungsansatz wieder einkassiert wird und dass der Gemeinderat am Donnerstag – aller Voraussicht nach – den Bau einer Containerschule auf dem Rainbrunnen-Areal beschließen wird.

Zumindest, so wurde von der Verwaltung am Tag nach der von mehreren Hundert Eltern und Lehrern (auch aus dem Burg-Gymnasium) besuchten Versammlung in der Barbara-Künkelin-Halle bestätigt, wird die Verwaltung dem Gemeinderat die Zustimmung zur Container-Lösung empfehlen, gleichwohl aber auch die Umzugs- und Teilumzugsvariante präsentieren und mit Kosten hinterlegen – allein schon um den Vergleich mit dem Bau einer Containerschule zu haben.

Bei der Probeabstimmung am Ende der etwa zweistündigen Elternversammlung hatten alle Anwesenden für die zuvor in allen Wortbeiträgen – in den meisten Fällen sachlich, mitunter aber auch sehr emotional – geforderte Containerlösung votiert und sich gegen die BG-Variante ausgesprochen, der immerhin noch von einem Lehrer attestiert wurde, dass sie für ihn zunächst durchaus ihren Reiz und ihren Charme gehabt habe.

Ganz so pressant jedenfalls, wie es sich bei einer Infoveranstaltung am 24. Oktober angehört hat, scheint die Aufgabe der alten, als extrem gesundheitsgefährdend bezeichneten Schule nicht mehr zu sein. Denn als in einer zweiten Abstimmung danach gefragt wurde, ob sich die Eltern für die Zeit bis zur Realisierung der Containerschule im kommenden Frühjahr eine Übergangslösung in Form eines provisorischen Umzugs ins BG wünschen, wurde das nicht für erforderlich erachtet.

Zweifel an Schadstoffmessungen und der Gemeinderats-Kompetenz

Erstaunlich auch, dass aus den Reihen derselben Eltern, die noch vor drei Wochen die Alarmstufe Rot für die Rainbrunnen-Grundschule ausgerufen hatten, jetzt einerseits der Vorschlag kam, die nach Einschätzung eines von der Stadt beauftragten Gutachters nicht belasteten fünf Räume noch einmal gutachterlich untersuchen zu lassen, und andererseits Zweifel laut wurden, ob der Gemeinderat überhaupt in der Lage sein würde, innerhalb so kurzer Zeit die richtige Entscheidung kompetent zu treffen.

Zumal, so ein weiterer Kritikpunkt, der den Oberbürgermeister denn doch aus der selbst auferlegten Reserve lockte, die Verwaltung nicht den Eindruck mache, als habe sie schon tragfähige Konzepte für die verschiedenen Alternativen. „Wir lassen uns keine Konzeptionslosigkeit vorwerfen“, wies Matthias Klopfer die entsprechende Unterstellung deutlich zurück und versicherte, dass die Verwaltung sehr wohl in der Lage sei, bis Donnerstag entscheidungsreife Vorlagen auszuarbeiten.

Genauso, wie sie es laut Klopfer schaffen würde, im Notfall „mit ganz viel Klimmzügen“ innerhalb von zwei Wochen einen Umzug ins Burg-Gymnasium und einen einigermaßen geregelten Schulbetrieb zu organisieren – samt Mensa-Betrieb im Spitalkeller. Schließlich wisse die Stadt sehr wohl um ihre Fürsorgepflicht für die Kinder.

Klopfer: "Wir müssen jetzt entscheiden"

Mit Blick auf die möglichst schnelle Realisierung einer Containerschule, die bezüglich ihres Standorts mit anderen Planungen auf dem Rainbrunnen-Areal wie zum Beispiel einem Kindergarten am Stöhrerweg korrespondieren muss, wies Klopfer auch die Forderung nach weiteren Schadstoffmessungen zurück.

„Das würde die Entscheidung nur weiter verzögern. Wir sind in der kommunalpolitischen Situation, dass wir jetzt entscheiden müssen“, betonte der Oberbürgermeister und sagte denen, die an der Kompetenz des Gemeinderats zweifelten, dass das Gremium seinen Aufgaben in vorbildlicher Weise nachkomme – nicht nur, aber vor allem auch dann, wenn es um Maßnahmen und Investitionen für Bildung und Betreuung gehe.

Und für die Unzufriedenen hatte der Oberbürgermeister noch einen Tipp parat: „Noch sind die Listen für die Kommunalwahl 2019 nicht geschlossen.“ Und wo er schon mal dabei war, räumte Matthias Klopfer auch gleich den Einwand einer BG-Vertreterin ab, wonach bei einer Eingliederung der Rainbrunnenschule auch die BG-Schulkonferenz und im Zweifel sogar das Regierungspräsidium gefragt werden müssten. Wenn tatsächlich Gefahr für die Gesundheit der Rainbrunnenschüler bestünde, „dürften sie uns zutrauen, dass wir das mit dem RP schnell hinbekommen würden“, sagte Klopfer.

Auch am Burg-Gymnasium gibt es Vorbehalte

Zuvor schon hatte der Schulleiter des Burg-Gymnasiums ungeachtet dessen, dass er den Vorschlag der Stadt zunächst positiv aufgenommen hatte, seine Vorbehalte gegen einen Umzug der Rainbrunnenschule geltend gemacht.

Er habe in den letzten Wochen gelernt, dass es sich bei der Rainbrunnenschule mit den auch von den Eltern ins Feld geführten vielfältigen Verflechtungen (Ganztagsschule, Kooperationsklasse und anderes) nicht nur um vier Klassenstufen, sondern um ein hochkomplexes Gebilde handle, weswegen er von einer Notlösung à la Bürgle (Ausweichquartier des BG in der Grauhalde während des Neubaus) abraten und dafür plädieren würde, die Rainbrunnenschule nicht auseinanderzureißen und den Standort nicht aufzugeben.

„Wenn es so wäre, wie wenn die Schule abgebrannt wäre, müsste natürlich anders reagiert werden“, meinte Hohloch, der auch keinen Hehl daraus machte, dass er nicht schon wieder improvisieren will, nachdem mit Fertigstellung des Neubaus endlich Ruhe am Burg-Gymnasium eingekehrt ist – Ruhe auch im wörtlichen Sinne.

Bis 2022 soll eine neue Rainbrunnen-Grundschule gebaut sein

Der Schulleiter ging aber nicht so weit wie eine Lehrerin, die meinte, sie habe nach dreieinhalb Jahren Baulärm keine Lust auf weitere dreieinhalb Jahre Lärm durch 250 umtriebige Grundschüler. Die BG-Elternvertreter, die sich beschwerten, dass sie bei der möglichen Entscheidung eines Umzugs der Rainbrunnenschule ins Schulzentrum Mitte nicht mitgenommen worden seien, ließ Matthias Klopfer wissen, dass es jetzt erst einmal um die Grundstimmung bei den Rainbrunnen-Eltern gehe..

Außer der Zusage, dass sie bis Ende März 2019 mit einer Container-Schule auf dem Rainbrunnen-Gelände rechnen dürfen, nahmen Eltern und Lehrer auch die Zusage des Oberbürgermeisters mit, dass bis zum Beginn des Schuljahrs 2022/23 eine neue Rainbrunnen-Grundschule gebaut sein wird – in enger Abstimmung vor allem auch mit dem Landkreis als Träger der Fröbelschule, weil es bei der Planung nicht zuletzt um die Frage gehe, in welchem Modell Inklusion auch weiterhin gut gelebt werden könne.

Auch in diesem Fall wurden Zweifel laut, ob das in dreieinhalb Jahren überhaupt gelingen könne. „Wir haben die Erfahrung und die Verfahren, mit denen es funktionieren kann“, sagte Klopfer mit Verweis darauf, dass die Stadt auch jetzt gerade vieles und vieles parallel baue. Und, fügte er hinzu: „Wir haben schon gezeigt, dass wir millionenschwere Projekte in relativ kurzer Zeit umsetzen können.“


Von der Rainbrunnenschule die Haushaltsreden

Etwa für 20 Uhr, so hat’s der Oberbürgermeister bei der Elternversammlung in der Künkelin-Halle gesagt, dürfen die interessierten Eltern und Lehrer in der am Donnerstag, 15. November, um 18 Uhr beginnenden Gemeinderatssitzung (im großen Sitzungssaal des Rathauses) den Beginn der Diskussion über den Ausweichstandort für die Rainbrunnen-Grundschule erwarten.

Denn vorher sieht der Sitzungsplan mit Ausnahme von „Anfragen“ alle anderen in der Sitzung abzuhandelnden Tagesordnungspunkte vorher, darunter auch die Reden der Fraktionen zum Haushalt 2019.

Außerdem auf der Tagesordnung: Bürgerfragestunde, Bekanntgaben, Annahme von Spenden, Bildung des Gemeindewahlausschusses für die Kommunalwahlen 2019, Beschlüsse zum Jahresabschluss 2017 und Wirtschaftsplan 2019 für die Remstal-Gartenschau GmbH, Änderung der Benutzungs- und Entgeltordnung für städtische Hallen, sonstige Veranstaltungsräume und Sportstätten, vorhabenbezogener Bebauungsplan „Wiesenstraße“.