Schorndorf

Alte Villa an der Göppinger Straße in Schorndorf: Was plant Architekt Stammler?

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Stadtbildprägend seit mehr als 100 Jahren – die alte Villa an der Göppinger Straße 14. © Gaby Schneider

Tatsächlich - hinter dem Baugerüst an der alten Villa an der Göppinger Straße bewegt sich inzwischen so einiges. Dies, nachdem sie jahrzehntelang leergestanden war. Um sie herum entwickelte sich die Stadt weiter - doch sie selbst blieb, wie sie war. Die Ziegel vom Straßenstaub angegraut, das Dach stellenweise undicht.

Auf einem milchigen Fenster klebt ein kitschiges Fensterbild. In dem weitläufigen Garten hielten zeitweise Schafe die vielen Quadratmeter Gras kurz, im September fielen schmackhafte Zwetschgen auf die Wiese. Die Villa selbst, deren inwendige Schönheit man doch erahnen konnte, hielt Dornröschenschlaf.

Denkmalschutz: Villa mit Merkmalen der deutschen Renaissance

Gegenüber der ehemaligen Brauerei, dem Löwenkeller, steht das markante Gebäude und diente einst Mitgliedern der Brauereifamilie als Residenz. Später wurde die Villa vermietet. Als die damaligen Bewohner auszogen, war die Substanz zu schlecht geworden, man wollte erst einmal in Ruhe überlegen, was mit dem Bau geschehen sollte, berichtet Arthur Beisswanger. Die Familie überlegte mehrere Jahrzehnte.

In den Jahren 1897/98 von Stadtbaumeister Gottlieb Maier gebaut, versteckt der Backsteinbau in seinem Inneren alle Reize, die eine Stadtvilla aus der Jahrhundertwende mit Merkmalen der deutschen Renaissance so zu bieten hat. Bunte Fliesen, verspielte Fenster, breite Dielenböden, breite Flure, hohe Decken, eine wunderschöne geschwungene Treppe - freilich unter reichlich Patina – und inzwischen unter schützendem Karton.

Denn die Eigentümer-Familie Beisswanger saniert nun zusammen mit dem Architektenbüro Stammler das einst herrschaftliche, zuletzt angestaubte und denkmalgeschützte Haus, das auch viele Fachwerkelemente in sich vereint.

Geschäftsräume der Architekten und Mehrfamilienhäuser

Was nun damit passieren soll? In enger Abstimmung mit dem Schorndorfer Gestaltungsbeirat habe man weitreichende Pläne entwickelt, berichten Felix Stammler und Arthur Beisswanger im Rahmen einer Baustellenbegehung. Die betreffen zum einen die Sanierung der Villa, die ab Anfang des kommenden Jahres die Geschäftsräume der Stammler-Architekten beherbergen soll. Zum anderen reichen sie aber noch weiter:

Wo’s derzeit rund um die Villa noch prächtig grünt, sollen im nördlichen Teil des Gartens - auf jener Landspitze, die in Richtung Reinhold-Maier-Platz weist – künftig zwei Mehrfamilienhäuser entstehen: mit 14 Mietwohnung zwischen zweieinhalb und fünf Zimmern, dazu Penthäuser.

Die Pläne seien eingereicht, das Baufenster lasse die geplante Bebauung grundsätzlich zu. Und so gehen Beisswanger und Stammler davon aus, dass sie auch eine Genehmigung für den Bau bekommen werden. Sie rechnen damit, mit diesem weiterführenden Projekt im ersten Quartal 2023 beginnen zu können.

Stuckdecken, historische Fliesen und Parkett

Zunächst einmal aber wird die Villa saniert. Wo es geht, werden Zimmerstrukturen erhalten, so manche Wand musste aber doch weichen, um den Anforderungen eines modernen Bürogebäudes gerecht zu werden. Die Stuckdecken werden restauriert, in den alten Kaminschächten werden Leitungen und viel Technik versteckt.

Die Böden aus bunten Fliesen und Parkett bleiben erhalten. Das Haus wird von innen isoliert. Außen soll die gewohnte Ansicht mit Backsteinen und Fachwerk bestehen bleiben.

Die Sanitärräume werden in den Anbau gelegt, der in südwestlicher Richtung ans Haus anschließen wird und als gefälliger Kontrast „kompromisslos modern“ werden soll. Sind Stammler und Beisswanger hier fertig, stehen in dem Bürogebäude 500 Quadratmeter zur Verfügung. Im Hochparterre sollen Besprechungsräume und der großzügige Empfang entstehen, in der Beletage die einzelnen Büros.

Warum keine Wohnungen in der alten Villa?

Hätte man hier nicht auch Wohnraum entstehen lassen können? Natürlich habe man diesen Gedanken auch erwogen, so Beisswanger. Allerdings sei die vorhandene Struktur dafür nicht wirklich geeignet – zu viel Flur, zu wenig beziehungsweise keine Trittschalldämmung. Hinzugekommen wären schwer umzusetzende Brandschutzvorgaben. Würden sich mehrere Mieter die Etagen teilen, hätten sie hier zu viel Einschränkungen gehabt, davon ist der Eigentümer überzeugt.

Info

Tatsächlich - hinter dem Baugerüst an der alten Villa an der Göppinger Straße bewegt sich inzwischen so einiges. Dies, nachdem sie jahrzehntelang leergestanden war. Um sie herum entwickelte sich die Stadt weiter - doch sie selbst blieb, wie sie war. Die Ziegel vom Straßenstaub angegraut, das Dach stellenweise undicht.

Auf einem milchigen Fenster klebt ein kitschiges Fensterbild. In dem weitläufigen Garten hielten zeitweise Schafe die vielen Quadratmeter Gras kurz, im September fielen

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