Schorndorf

Alten Bohlenweg auf Ortsdurchfahrt freigebuddelt

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Strassenfund
Bei den Bauarbeiten in Oberberken entdeckt: auf einer Länge von 100 Metern mehrere Stücke aneinandergelegter Holzbohlen. © Schneider / ZVW
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Der Schleimgraben, der von der Archivstraße bis zum Burgschloss reicht. © Roland Buggle
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Fundort Archivstraße: Holzpfähle aus dem Festungsbau © Roland Buggle

Schorndorf-Oberberken. Ob es sich um einen Sensationsfund handelt, ist noch unklar. Doch archäologisch interessant ist der Bohlenweg schon, den Bauarbeiter im zweiten Bauabschnitt der Ortsdurchfahrt Oberberken freigebuddelt haben; 70 Zentimeter unter Straßenniveau und auf einer Länge von ungefähr zehn Metern. Über Alter und Zweck kann Roland Buggle als ehrenamtlicher Beauftragter des Landesdenkmalamts noch nichts sagen. Er hat die Fundstellen ausgeputzt und hofft auf neue Erkenntnisse.

Aus sumpfigen Gebieten ja, aber mitten in Oberberken? Warum Bauarbeiter erst vergangene Woche und am Wochenanfang noch einmal auf mehreren Metern aneinandergelegte Spaltbohlen ausgegraben haben, kann Hobby-Archäologe Roland Buggle sich nicht erklären. Doch er freut sich, dass die Arbeiter der Gruibinger Baufirma Moll so wachsam und sorgfältig waren und der Polier ihn umgehend informiert hat. So kann er sich als verlängerter Arm des Landesdenkmalamtes zumindest mit dem Fund beschäftigen – und womöglich neue Erkenntnisse gewinnen.

Alter der Spaltbohlen: Bestimmung am Bodensee

Von der 40 Meter entfernten ersten Fundstelle sind Holzproben bereits nach Esslingen ins Landesdenkmalamt geschickt, die dann zur dendrochronologischen Bestimmung nach Hemmenhofen am Bodensee kommen. Erst mit den Ergebnissen dieser Untersuchung, bei der die Jahresringe von Bäumen einer bestimmten Wachstumszeit zugeordnet werden, lässt sich etwas zum Alter der Holzstücke sagen, das von Buggle auf vielleicht 200 Jahre geschätzt, von der zuständigen Gebietskonservatorin des Landesdenkmalsamts ganz vage sogar Richtung Mittelalter datiert wurde. Das Straßenstück, in dem die Bohlen am Mittwoch vergangener Woche aufgetaucht sind, ist mittlerweile verfüllt. Doch vorher hat der Heimatforscher bis in den Abend hinein die Bohlen mit seinem Hakenkratzer vom Dreck befreit.

Ortsvorsteher: Kein sehr überraschender Fund 

Und jetzt ein zweiter Fund – auf 70 und auf 100 Zentimeter Tiefe. Und es wird der letzte wohl nicht gewesen sein. Dass hier Holzbohlen zum Vorschein gekommen sind, überrascht Ortsvorsteher Siegbert Doring gar nicht so sehr: Er erinnert sich, dass bei Kanalarbeiten im Jahr 1956 „schon viel Holz rausgeholt wurde“. Die Eichenbohlen, weiß er noch, hat sein Vater dann zu Brennholz verarbeitet.

Spaltbohlen in dieser Anordnung "was Besonderes"

Auffällig ist für Roland Buggle, dass die Spalthölzer nicht zusammengefügt sind, sondern auf einer Breite von zwei Metern einfach nebeneinander im Lehmboden liegen. Und: An dieser Stelle gibt es auch nicht den typischen gelben, sondern grünen Letten, mit dem die Holzbohlen regelrecht verschmiert sind. Und egal, welchen Zweck sie erfüllten, Spaltbohlen in dieser Anordnung „sind was Besonderes“, sagt Roland Buggle und kann sich an einen ähnlichen Fund nicht erinnern. Bis Montagabend hat er die Fundstelle gemeinsam mit Ortsvorsteher Doring gesäubert und am Dienstagvormittag wurden dann zwischen 20 und 25 Proben zur weiteren Bestimmung fürs Landesdenkmalamt genommen.

Verzögerung der Bauarbeiten

Und mag die Hauptstraße in früherer Zeit auch über das Kloster Adelberg verlaufen sein, bei der Ortsdurchfahrt handelt es sich um eine „uralte Straße“ – Oberberken wurde im Jahr 1100 schließlich erstmals urkundlich erwähnt. Und hier hat Buggle rund um die Holzbohlen zwar nicht den berühmten Goldtaler gefunden, aber ein altes Hufeisen und ein Stück Pferdetränse. Für die Bauarbeiter freilich bedeuten solche Funde vor allem eines: Verzögerung. Bis Anfang August müssen sie den 200 Meter langen zweiten Bauabschnitt abgeschlossen haben, zur Not mit Samstagsschichten. Aktuell befinden sie sich bei der Hälfte.

Schleimgraben: Fundort Archivstraße

Roland Buggle ist aber nicht nur in Oberberken aktiv, ihn elektrisiert seit vergangenem Jahr auch der Schleimgrabenfund in der Baustelle an der Archivstraße (wir haben berichtet). Inzwischen ist ein Teil des Kanals weggebaggert. Vor der Vermauerung der entstandenen Öffnung konnte Buggle jedoch noch eine Kanal-Befahrung bis hin zum Süd-Ost-Turm des Schlosses machen. Ergebnis: „Das ganze Kanalstück ist nach gut 200 Jahren völlig intakt.“

Bei den Baumaßnahmen in der Baugrubensohle – sieben Meter unter Straßenniveau – zeigte sich etwa einen halben Meter unter der Grubensohle eine etwa einen Meter dicke schwarze Schlickschicht, die sich bis unter die Sohle des Kanals fortsetzte und die Buggle als ein Zeichen eines ehemals lange stehenden Gewässers oder Feucht-/Sumpfgebiets deutet.

Dort steckten zwei jeweils zwei Meter lange Holzpfähle, die an der Sohle nicht erkennbar gewesen waren und aus dem Jahr 1562 stammen, also aus der Zeit des Festungsbaus. Das heißt für Buggle: Sie reichten vom Maß her weit bis unter die Sohle des Kanals. Das Landesamt für Denkmalschutz hat mit dem Stadtmuseum abgesprochen, dass die Pfähle konserviert werden und ins Museum kommen werden. Die Konservierungsprozedur benötigt allerdings eineinhalb Jahre.

Eine ordentliche Untersuchung der Schichtenfolge war zu Buggles Bedauern nicht möglich – und dabei hätte man damit sehr schön die Einsenkung des Grabens und den Anstieg der Wallaufschüttung studieren können. Der Kanal wurde für die Entwässerung an der (damals) tiefsten Stelle des inneren Grabens angelegt. Wenn sich die Schlickschicht darunter hinzieht, muss sie deutlich früher existiert haben und auch oberflächlich schon abgetrocknet gewesen sein. Vom Schleimgraben ist bei der Festungsniederlegung (von 1810 bis in die 1860er Jahre) schon von einem „gedeckten Kanal“ die Rede.