Schorndorf

Andrea Sieber will als Einzelstadträtin weitermachen

Andrea Sieber Stadträtin Bündnis 90/Die Grünen Partei Fraktion Schorndorf_0
Andrea Sieber, für Bündnis 90/Die Grünen gewählt, wird jetzt doch nicht bei der CDU hospitieren, sondern als Einzelstadträtin im Gemeinderat weitermachen. © Joachim Mogck

Schorndorf. Es ist das kommunalpolitische Gesprächsthema in Schorndorf – und wieder gibt es eine neue Wendung im Drama um Andrea Siebers zwischenzeitlich in der CDU-Fraktion hospitieren wollte, teilt sie jetzt mit, als Einzelstadträtin weitermachen zu wollen.

Sie begründet jetzt aber nicht nur diesen Schritt öffentlich, sondern auch die Trennung von der Grünen-Fraktion. Wir veröffentlichen Siebers Statement in Auszügen:

„Es ist nicht meine Art, interne Querelen nach außen zu tragen.(...) Ich hätte auch nicht gedacht, dass meine, zugegebener Maßen sehr schnelle Entscheidung, mich von meiner Fraktion zu trennen, zu so großen Diskussionen (...) führen würden. Unterstellungen und Legendenbildungen nehmen mittlerweile jedoch ein unerträgliches Ausmaß an. Persönlich kann ich vieles aushalten. Da nun aber meine Familie öffentlicher Diffamierung ausgesetzt ist, habe ich mich zu zwei wohlüberlegten Schritten entschlossen. Zum Einen werde ich dem Wähler*innenauftrag nachkommen, und als Einzelstadträtin im Gemeinderat meine Arbeit für die Menschen dieser Stadt aufnehmen und fortsetzen.

Ich habe eine zunehmend gezielte Diskreditierung meiner Person erlebt

Und um weiteren Spekulationen entgegenzutreten, möchte ich die zwei Gründe benennen, die für mich ausschlaggebend waren, die Grüne Fraktion zu verlassen: Es gab das zentrale Wahlkampfversprechen der Schorndorfer Bündnisgrünen, keine Kooperation oder Vereinigung mit der GLS anzustreben. Dies wurde aus meiner Sicht spätestens nach Bekanntgabe der Wahlergebnisse durch einzelne Mitglieder gebrochen. Konkret wurde gefordert, der GLS über die Schorndorfer Bündnis 90/Die Grünen-Liste einen Aufsichtsratsposten zu verschaffen. (...) Dass mittlerweile sogar der Grüne Kreisvorstand öffentlich davon spricht, idealerweise die beiden Listen wieder zusammenzuführen, ist für mich eine bittere Enttäuschung. Das ist für mich Wählerbetrug.

(...) Noch schwerer allerdings wiegen meine persönlichen Erfahrungen in den vergangenen Monaten innerhalb der Grünen. Ich habe eine zunehmend gezielte Diskreditierung meiner Person erlebt. Schikanierungen, unsachliche Kritik, Infragestellung meiner kommunalpolitisch erworbenen Fachlichkeit, Wutausbrüche mir gegenüber in Sitzungen der Wahlkampfkommission, Telefonanrufe zu jeder Tages- und Nachtzeit, teilweise von Wut geprägte Nachrichten auf dem Anrufbeantworter, E-Mail-Fluten (...). Für mich wurde immer klarer, eine sachliche Arbeitsebene wird nicht möglich sein.

Die Entscheidung zur Hospitation war eine emotionale Reaktion

Im Vorfeld der Listenaufstellung war dies so nicht absehbar. Mehrfach habe ich mich während des Wahlkampfes an vertraute Grüne Personen in meinem Umfeld gewandt. Auch den Kreisvorstand habe ich um Hilfe gebeten. Die Antwort war stets die gleiche: „Nach dem Wahlkampf“. Nach dem Wahlkampf wurde es leider nicht besser. Es folgten weitere persönliche Verletzungen – bis ich die letzte Fraktionssitzung vorzeitig verlassen habe. (...) Trotzdem fühle ich mich den Wähler*innen verpflichtet. Und erfuhr im Gespräch mit dem Fraktionsvorsitzenden der CDU genau das, was ich bei der eigenen Fraktion nicht erleben durfte: Respekt, Anerkennung für die Leistung meiner kommunalpolitischen Arbeit, Wertschätzung, sachorientierte Kommunikation. Die Entscheidung zur Hospitation war eine emotionale Reaktion. Das ist mir in den letzten Tagen bewusstgeworden.

Dass mein Entschluss, als Gast bei der CDU-Fraktion mitzuarbeiten in den eigenen Reihen, aber auch außerhalb zu Kritik und Irritation führte, dafür habe ich volles Verständnis. Die persönlichen, öffentlichen Anfeindungen und der geballte Hass, die mir und meiner Familie entgegenschlugen, sind der gesamten Situation jedoch unwürdig (...).Aus diesem Grund habe ich meinen CDU-Kollegen Hermann Beutel im persönlichen Gespräch darüber informiert, dass mir eine Hospitation unter diesen Umständen, nicht möglich ist. Um dem Wähler*innenauftrag nachzukommen, werde ich als Einzelstadträtin im Gemeinderat meine Arbeit (...) aufnehmen und fortsetzen. Sach- und themenorientiert. Wer sich darauf einlassen mag, kann gern mit mir konstruktiv zusammenarbeiten. (...).“